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"Bulle" Weber feiert 65. Geburtstag

Im WM-Finale 1966 gegen England rettete Wolfgang "Bulle" Weber die deutsche Elf mit seinem Treffer in die Verlängerung, heute wird der beinharte Verteidiger von einst 65 Jahre alt.

Kernig sieht er aus mit seinem markanten Kinn und seiner Kurzhaarfrisur. Wie damals. Die Fußball-Nostalgiker würden ihn auch heute, 43 Jahre nach dem WM-Finale von Wembley zwischen Deutschland und England noch sofort wiedererkennen. Kein Wunder, denn Wolfgang Weber rettete die DFB-Elf mit seinem Tor in den Schlusssekunden in die Verlängerung. Am heutigen Freitag nun feiert der Ex-Nationalspieler seinen 65. Geburtstag, in seinem Heimatort Porz bei Köln mit alten Weggefährten und Freunden.

"Wenn ich mein Tor sehe, läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken", sagt Weber dem SID zum 30. Juli 1966. Und der Jubilar lässt den Spielfilm nochmal ablaufen: "Lothar Emmerich hämmert einen Freistoß aus 20 oder 25 Metern, halblinke Position, in Richtung Tor. Der Ball prallt von der Hüfte von Karl-Heinz Schnellinger an Uwe Seeler vorbei vor meinen rechten Fuß. Ich wusste, dass ich schnell reagieren musste, damit wir die Verlängerung erreichen und noch eine Chance auf den Sieg haben. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

WM-Finale 1954 als Motivation

Wohl wahr. Zum Sieg hat es bekanntlich nicht mehr gereicht, das Wembley-Tor und dann das 2:4. Traurig ist der einstige Verteidiger nicht mehr, vielmehr blickt er mit Stolz auf sein bisheriges Leben zurück. Das kann er auch. Am 26. Juni 1944 kommt Wolfgang Weber in Chlawe in Pommern zur Welt. 1950 siedelt er mit seiner Mutter Ella und Vater Herbert, einem Angestellten bei der Kreissparkasse, nach Porz über, wo er heute noch lebt.

"Am 4. Juli 1954 habe ich in der Vereinsgaststätte der Sportvereinigung Porz das WM-Finale gesehen und bin danach sofort in den Verein eingetreten", erzählt der Ex-Profi. Der 1. FC Köln wird 1961 auf Wolfgang Weber aufmerksam. Zusammen mit Wolfgang Overath, der von Siegburg 04 kam, wechselte er auf die andere Rheinseite. Weil damals die Amateurvereine geschützt wurden, bedeutete der Wechsel eine automatische Sperre von zwei Jahren. Die Sperre wurde durch Intervention von Bundestrainer Sepp Herberger auf ein Jahr verkürzt.

In seiner ersten vollen Spielzeit 1963/1 964, zugleich die ersten Bundesligasaison, wird Weber mit dem FC deutscher Meister. Insgesamt absolvierte der beinharte Verteidiger in seiner aktiven Zeit für den FC 356 Punktspiele in 14 Jahren Bundesliga und erzielte zudem 21 Tore. Mit den Geißböcken holte er zwei Meistertitel, wurde dreimal Pokalsieger und gehörte noch zum Kader des Teams von Trainer Hennes Weisweiler, das 1978 das Double holte. Die aktive Laufbahn musste Weber wegen einer Herzmuskelentzündung beenden.

"Hüter der Porzer Stadtgeschichte"

Die Fußballlehrerlizenz hatte Wolfgang Weber zu diesem Zeitpunkt schon. Rudi Assauer holte ihn 1978 zu Werder Bremen, wo er Anfang 1980 dann wieder gehen musste. Weber nahm dann ein Angebot von Sportartikelhersteller adidas an, für das Unternehmen als Repräsentant zu arbeiten. Mittlerweile engagiert sich Wolfgang Weber in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich und karitativ. So ist er "Hüter der Porzer Stadtgeschichte" und Botschafter der Organisation Special Olympics und arbeitet mit geistig behinderten Kindern zusammen.

Seinen Ehrennahmen "Bulle" erwarb Weber aber nicht nur wegen seiner Spielweise. Vor allem sein legendärer Auftritt im FC-Trikot im Europapokal der Landesmeister 1965 gegen den FC Liverpool machte ihn unsterblich. Nach zwei torlosen Begegnungen kommt es zu einem Entscheidungsspiel. Bei einem "Allerweltszweikampf" zieht sich der Abwehrspieler einen Wadenbeinbruch zu - und hielt 75 Minuten durch.

"In der Halbzeit sagte Heinz Hornig zu mir, dass ich mich nicht so anstellen sollte. Wir machten dann einen Test: Ich bin von der Massagebank runtergesprungen", erzählt Weber. Das Spiel endete 2:2. Der Münzwurf entschied dann auch noch zugunsten der "Reds". Damit aber nicht genug. Weber: "Weil Wolfgang (Overath/Anm. d. Red. ) und ich die jüngsten Spieler waren, mussten wir am anderen Tag die Koffer auf den Bahnsteig tragen. Ich hatte wahnsinnige Schmerzen, traute mich aber nicht, etwas zu sagen."

© SID

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