Fußball National: Der Kaiser geht mit 65 Jahren in Rente

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Der Kaiser geht mit 65 Jahren in Rente

Franz Beckenbauer feiert heute seinen 65. Geburtstag. Der "Kaiser" will einen neuen Lebensabschnitt beginnen: "Ich will mein Leben aufräumen und werde meine Aufgaben reduzieren."

Der Kaiser geht in Rente. Wenn Franz Beckenbauer heute seinen 65. Geburtstag feiert, beginnt für die überragende Persönlichkeit des deutschen Sports noch einmal ein neuer Lebensabschnitt. Die Lichtgestalt sehnt sich nach ein wenig mehr Schatten.

"Ich will mein Leben aufräumen und werde meine Aufgaben drastisch reduzieren. Ich habe mir das Recht erarbeitet, in ein Rentenalter zu treten und weniger zu tun", sagt Beckenbauer. Trotzdem wird der Ehrenpräsident von Bayern München sein Wiegenfest heute selbstverständlich im Stadion beim Bundesliga-Schlagerspiel gegen Werder Bremen feiern.

Ansonsten soll für Beckenbauer aber künftig die Familie mehr im Mittelpunkt stehen. Die Fehler aus erster Ehe, in der er seine Frau und die Kinder doch arg vernachlässigt habe, will er nicht wiederholen. "Ich habe eine Familie mit zwei Kindern, die ich nicht versäumen möchte. Nicht, dass da plötzlich drei Kinder sind, so groß wie ich, und ich fragen muss: 'Wo kommt ihr auf einmal eigentlich alle her?', weil ich keine Zeit hatte", sagt er.

Bereits seit dem vergangenen Jahr ist Beckenbauer nicht mehr Präsident des FC Bayern, auch bei der Münchener Olympiabewerbung für 2018 spielt statt des Kaisers die charmante Eis-Diva Katarina Witt die erste Geige. Beckenbauer ist zwar Mitglied im Bewerbungs-Kuratorium, für eine Spitzenposition steht er aber nicht zur Verfügung. "Das müssen die Olympioniken selber machen", sagt er. Nur in seiner Funktion als Mitglied des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes Fifa ist Beckenbauer nach wie vor viel unterwegs. Das soll bis 2015 so bleiben. Dann ist der Kaiser 70 - und wohl endgültig reif für die Rente.

Wobei: Rente bekommt er ohnehin keine. "Ich habe ja auch nie eingezahlt in die Rentenkasse", sagt er - als Fußballer hatte er das Recht dazu. Schon mit 18 debütierte das Ausnahme-Talent in der Nationalmannschaft, bei der WM 1966 mit Uwe Seeler. Die Stationen sind bekannt - auch, dass er 1974 als Spieler und 1990 als Trainer Weltmeister wurde. "Es gab nicht Besseres im deutschen Fußball, und es wird nichts Besseres geben", sagt Kollege Günter Netzer. Das gilt auch abseits des Rasens: Beckenbauer hat mit seiner Stiftung inzwischen mehr als 20 Mill. Euro für behinderte und hilfsbedürftige Menschen gesammelt.

Weniger erfolgreich war der Kaiser bei seinem Versuch als Schauspieler in "Libero", einem Kinofilm, den der Bezahlsender Sky am 11. September noch einmal ausstrahlen will. "Kann man das nicht verbieten?", fragt Beckenbauer lächelnd - und dennoch zieht es ihn erneut ins Schauspielfach: Er soll eine Gastrolle in der bayerischen Daily Soap "Dahoam is Dahoam"übernehmen. Auch als Sänger ("Gute Freunde kann man nicht trennen", "1:0 für die Liebe") hat er sich schon versucht - "Dabei kann ich gar nicht singen."

Die Ausrutscher im Showgeschäft verzeiht man ihm ebenso wie die eine oder andere private Eskapade. "Der liebe Gott freut sich über jedes Kind", sagte er einst nach einem folgenreichen Seitensprung - und machte so jede Diskussion über die Moral des Kaisers überflüssig. Mit seinem Charme, dem Deutschland die WM 2006 zu verdanken hat, und seiner Grundüberzeugung, jedem Menschen mit größtem Respekt zu begegnen, würde er "auch in der Politik direkt gewählt werden", glaubt nicht nur der 1 860-Fan und Kabarettist Ottfried Fischer.

"Politik? Nie im Leben", sagt Beckenbauer. Für ein öffentliches Amt hat der Vater Beckenbauer künftig schlicht keine Zeit mehr. Seine Kinder Joel (10) und Francesca (6) werden es ihm danken. "Kaum jemand hatte so ein erfülltes Leben wie ich. Ich bin glücklich und hoffe, dass es noch lange so bleibt", sagt der "Rentner" Beckenbauer.

© SID

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