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Derwall feiert heute seinen 80. Geburtstag

Der ehemalige Bundestrainer Jupp Derwall feiert heute seinen 80. Geburtstag. "Häuptling Silberlocke" will seinen Ehrentag aber nur im Kreis der Familie feiern. "Ganz in Ruhe und ohne großes Aufsehen", so der Jubilar.

Zum Feiern ist Jupp Derwall eigentlich nicht zumute. "Wenn man im Verwandtenkreis jemanden hat, der schwer erkrankt ist, dann kann man kein lustiges Gesicht aufsetzen", sagte der frühere Fußball-Bundestrainer, der am Samstag (10. März) sein 80. Lebensjahr vollendet. Dennoch wird er im heimischen St. Ingbert/Saarland im Kreise der Familie auf seinen Ehrentag anstoßen. "Ganz in Ruhe und ohne großes Aufsehen", wie Derwall im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) verriet.

"Häuptling ondulierte Silberlocke", wie der gebürtige Rheinländer vom mittlerweile verstorbenen Kollegen Max Merkel getauft wurde, ist mit sich und der Welt zufrieden. "Es geht mir ganz gut, ich kann und will mich nicht beschweren. Wenn man öfter zu Besuch ins Krankenhaus muss und sieht, wie schlecht es manchen Menschen geht, dann darf man sich nicht beklagen", sagt Derwall, der gemeinsam mit Gattin Elisabeth nach wie vor Spaziergänge in der freien Natur liebt.

Jubilar steht nicht gerne in der Öffentlichkeit

Den Fußball verfolgt der kicker-Kolumnist schon seit vielen Jahren nur noch am Fernseher bzw. über die Zeitungen. "Ich bekomme zwar noch viele Einladungen, aber ich mag es nicht so, in der Öffentlichkeit zu stehen", sagt das Geburtstagskind, "und am Bildschirm kann man meist viel mehr sehen." Nach seinem Herzinfarkt im Jahr 1991 hatte es der ehemalige Spieler von Rhenania Würselen, Alemannia Aachen, Fortuna Düsseldorf, FC Biel und FC Schaffhausen bereits ruhiger angehen lassen.

Neben dem aktuellen Bundesligageschehen beobachtet der Sohn eines Bundesbahn-Obersekretärs mit besonderer Aufmerksamkeit die Entwicklung der Nationalmannschaft. "Diese Truppe macht mir sehr viel Freude. Es ist toll, was die Trainer Jürgen Klinsmann und nun Joachim Löw in Gang gesetzt haben. Sie bekommen für ihren Kurs die volle Unterstützung der Spieler, das spiegelt sich auf dem Rasen wider. Und so junge Leute wie Lukas Podolski und andere machen einfach eine Menge Spaß", sagt Derwall, der selbst von 1978 bis 1984 Cheftrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war.

Derwall hatte nach der WM 1978 in Argentinien die Nachfolge von Helmut Schön angetreten, unter dem er bereits von 1970 bis 1978 als Assistenztrainer gearbeitet und 1974 als Co-Trainer den zWM-Titel gewonnen hatte. Seine größten Erfolge als Chefcoach feierte Derwall 1980 mit dem EM-Titelgewinn in Italien (2:1 im Endspiel gegen Belgien) und dem zweite Platz bei der WM-Endrunde 1982 in Spanien (1:3 im Finale gegen Italien).

23 Länderspiele ohne Niederlage

Bis zum heutigen Tag unerreicht ist Derwalls Erfolgsserie als Bundestrainer von 23 Länderspielen ohne Niederlage zwischen dem 11. Oktober 1978 (4:3 gegen die Tschechoslowakei in Prag) und dem 1. Januar 1981 (1:2 gegen Argentinien bei der Mini-WM in Montevideo). "Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu meinen Spielern. Auch wenn man mir die lange Leine oft vorgeworfen hat, würde ich es heute nicht anders machen. Man muss das Vertrauen der Spieler haben", erklärt Derwall, der nach wie vor seinen früheren Mittelstürmer Horst Hrubesch als Lieblingsspieler bezeichnet.

Schade findet Derwall, dass er mit dem ehemaligen Weltklassespieler Bernd Schuster nicht ausgekommen ist. "Ich hätte mehr auf ihn zugehen müssen", so Derwall über den heutigen Trainer des FC Getafe in Spanien, der nach nur 21 Spielen unter dem damaligen Bundestrainer seine Nationalmannschafts-Karriere beendet hatte. "Es freut mich, dass er als Trainer Erfolg hat", sagt Derwall im Fachmagazin kicker und beweist damit echte Größe.

Derwall lobt den DFB

Lob findet Derwall auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB), bei dem er stets ein offenes Ohr finde. "Wenn ich da anrufe, bin ich direkt mit den richtigen Leuten verbunden." Besonders engen Kontakt pflegt er zu Generalsekretär Horst R. Schmidt. Aber nicht nur vom DFB werden am Samstag Glückwünsche in St. Ingbert eintreffen. Auch aus der Türkei erwartet Derwall das eine oder andere Schreiben.

Denn zwei Meistertitel und ein Pokalsieg mit Galatasaray Istanbul zwischen 1984 und 1988 verhalfen Derwall am Bosporus zu Ruhm und Ehre. Die Universität Aachen würdigte Derwalls Verdienste um die deutsch-türkischen Beziehungen sogar mit der Ehrendoktorwürde.

© SID

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