Fußball National
DFL und DFB kritisieren Polizei-Gewerkschaft

Auf die 50 Mill. Euro-Forderung der Deutschen Polizeigewerkschaft (Dpolg) für Polizei-Einsätze in den Stadien reagierten sowohl der DFB als auch die DFL mit scharfer Kritik.

Wenige Tage vor dem Auftakt der 46. Saison der Bundesliga ist ein Streit um die Kosten der Polizei-Einsätze in den Stadien entbrannt. Die Spitze der Deutschen Polizeigewerkschaft (Dpolg) verlangt 50 Mill. Euro von den Fußball-Verbänden. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) wiesen diese Forderung in scharfer Form zurück.

"Dies ist zum wiederholten Male von Seiten der Polzei-Gewerkschaften eine populistische und oberflächliche Darstellung. Der DFB und die Bundesliga-Vereine haben das gleiche Recht wie alle anderen gesellschaftlichen Gruppierungen, dass die Polizei bei öffentlichen Veranstaltungen ihren dienstlichen Verpflichtungen nachkommen muss", erklärte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Niersbach: "Doppel- und Dreifach-Besteuerung für DFB"

Der DFB-Funktionär verwies darauf, dass der DFB in den Jahren 2005 bis 2007 rund 65 Mill. Euro Steuern bezahlt hat und die WM 2006 insgesamt 1,3 Mrd. Euro an Steuereinnahmen für den Staat brachte: "Wenn Sicherheit in Deutschland davon abhängt, ob man sie bezahlen kann, dann wäre dies mehr als fatal. Bezahlte Polizei-Einsätze bei Veranstaltungen kämen daher einer Doppel- und Dreifach-Besteuerung für den DFB gleich."

Niersbach warf der Gewerkschaft Polemik vor: "Der DFB ist ein Sportverband, der keinerlei öffentliche Mittel für die Arbeit des Verbandes und dessen öffentliche Veranstaltungen in Anspruch nimmt. Doch solchen Argumenten und unserer grundsätzlichen Position verschließen sich die Polizei-Gewerkschaften seit Jahren konsequent. Statt dessen melden sie sich regelmäßig mit ihren unbegründeten und effekthascherischen Aussagen zu Wort."

DFL: "Polizei muss ihren Schutzauftrag erfüllen"

Ins gleiche Horn stößt Ligapräsident Reinhard Rauball. "Für diese populistische Forderung gibt es überhaupt keine rechtliche Grundlage. Das sollte man gerade bei der Polizeigewerkschaft wissen", sagte Rauball. Die DFL, deren Klubs in der Saison 2006/07 insgesamt 549 Mill. Euro Steuern gezahlt haben, stellt sich auf den Standpunkt, dass die Polizei ihren verfassungsrechtlichen Schutzauftrag erfüllen müsse.

Gewerkschafts-Boss Rainer Wendt sieht das allerdings anders. "Wir verlangen 50 Mill. Euro vom DFB", sagte Wendt der Bild-Zeitung: "So viel kostet der Einsatz der Beamten jede Saison - Geld, das bisher die Steuerzahler aufbringen mussten, um Jungmillionäre in kurzen Hosen zu schützen."

Wendt bezieht sich auf Zahlen der Dpolg, wonach die Beamten in der Saison 2006/07 insgesamt rund 975 000 Arbeitsstunden für die Klubs leisteten. "Das entspricht der Jahresarbeitsleistung von 960 Polizisten. Unsere Männer haben es nach den vorliegenden Zahlen an jedem Wochenende mit über 10 000 potenziellen Gewalttätern zu tun", erklärte der Gewerkschaftsfunktionär, dessen Kollegen laut Dpolg in diesem Zeitraum 4 394 Strafverfahren einleiten mussten. Zudem seien 71 Polizeibeamte bei Ausschreitungen verletzt worden.

© SID

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