Fußball National
Ehemaliger DFB-Chefausbilder Gero Bisanz wird 70

Der ehemalige DFB-Chefausbilder und Frauen-Nationaltrainer Gero Bisanz begeht heute seinen 70. Geburtstag ohne großes Aufsehen. In 14 Jahren hat der Mitbegründer der Auswahl die DFB-Frauen zu ersten Erfolgen geführt

Auch wenn Gero Bisanz vor fünf Jahren offiziell pensioniert wurde, kann der ehemalige Chefausbilder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Frauen-Nationaltrainer nicht komplett still sitzen. Heute feiert der als Genießer bekannte Coach seinen 70. Geburtstag allerdings im kleinen Kreis und ohne großes Aufheben daheim in Overrath.

"Ach ja, kümmert euch doch lieber mehr um die Jugend als um mich alten Mann", sagt Bisanz, als möchte er an dieses Datum gar nicht erinnert werden. Jugendfußball und Ausbildungsfragen haben das sportliche Leben des Jubilars, der in Westpreußen geboren und als Flüchtling in die Grafschaft Bentheim verschlagen wurde, bestimmt.

Nachfolger von Hennes Weisweiler

Nach dem Abitur in Bielefeld und dem Diplomsportstudium in Köln war Bisanz zunächst im Schuldienst, bevor er ab 1970 an der Kölner Sporthochschule dozierte. Von 1980 an leitete Bisanz die DFB-Trainerausbildung in der Nachfolge von Hennes Weisweiler, war 1981 zudem B-Nationaltrainer, und ab 1982 Chefcoach und Mitbegründer der Frauen-Auswahl.

"Diese Doppelbelastung über 14 Jahre hat besonders am Anfang ziemlich geschlaucht", erinnert sich Bisanz, der vom damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger mehr oder weniger als Frauencoach eingeteilt wurde. Erst im Laufe der Zeit, als sich der Lohn für den Einsatz abzeichnete, begann Bisanz diesen Zweig seines Berufes wirklich zu lieben.

14 Jahre für Fußball-Frauen verantwortlich

"Es dauerte ein paar Jahre, bis mich diese Arbeit voll befriedigte", gesteht Bisanz, dessen Aufgabe es war, die Grundlagen zu legen. Nicht nur für das Nationalteam, sondern generell durch verbesserte Ausbildung und Strukturen, die die Vorbereitung einer weiblichen Bundesliga ermöglichten. Was dann in 14 Jahren als Frauencoach folgte, waren fast nur Erfolge: Dem EM-Sieg 1989 im ausverkauften Stadion in Osnabrück folgten die ersten TV-Übertragungen von Frauen-Länderspielen im deutschen Fernsehen, dann der zweite EM-Titel 1991, die WM-Teilnahme 1991 mit Platz vier in China. Vier Jahre später das WM-Finale in Stockholm, ein erneuter EM-Titel und Platz drei bei Olympia 1996 in Atlanta.

Seit 1986 feierte Bisanz die Erfolge mit Tina Theune-Meyer, die ihm 1996 als Chefin folgte. "TTM" wurde von Bisanz genauso aufgebaut wie die jetzige Trainerin Silvia Neid, die vom ersten Länderspiel an dabei ist. Theune-Meyer und Neid verkörpern die Bisanz-Schule und setzen seinen Kurs fort.

Nach seinem Rücktritt 1996 arbeitete Bisanz noch bis zu seiner Pensionierung mit 65 Jahren als DFB-Chefausbilder. Heute ist er freiberuflich noch im Einsatz und flüchtet so manchmal aus dem Rentnerdasein. Etwa wenn der Weltverband Fifa, die Europäische Fußball-Union (Uefa) oder der asiatische Verband AFC ruft. Erst vor wenigen Wochen waren 22 Asiaten zur Ausbildung in Hennef.

Zudem hat den Pferdefreund Bisanz, der neben Gartenarbeit auch ein gutes Glas Wein zu schätzen weiß, Golf spielt und auf Inlinern fährt, das Jugendtraining nie verlassen. "Neulich war ich bei uns im Kreisverband und habe vor Jugendtrainern über fachgerechte Ausbildung gesprochen", berichtet Bisanz: "Ich tue das ganz gerne, wenn es zeitlich in meinen Rahmen passt."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%