Fußball National
Ein Kumpel ein Leben lang: Horst Szymaniak wird 75

Ex-Nationalspieler Horst Szymaniak feiert in einem Pflegeheim seinen 75. Geburtstag. Ruhm und Geld sind dem einstigen Weltstar nicht geblieben, dennoch ist "Schimmi" zufrieden.

Er war einer der vielen guten Fußballer, die von unter Tage kamen: Horst Szymaniak schüttelte den Staub des Bergbaus ab, weil er so gut mit dem Ball umgehen konnte, aber er blieb ein Kumpel sein Leben lang. Umso herzlicher sind die Glückwünsche, die heute zum 75. Geburtstag des ehemaligen Nationalspielers (43 Länderspiele) und zweimaligen WM-Teilnehmers in einem Pflegeheim in Melle bei Osnabrück eintreffen.

Der Weltstar der fünfziger und sechziger Jahre ist krank, aber seinen Lebenswillen hat er nicht verloren. Seit einem Herzanfall vor knapp vier Jahren musste "Schimmi" mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Jetzt ist er auf Betreuung und Hilfe anderer angewiesen, das Leben des Mannes, der einst in den großen Stadien der Welt beeindruckte, ist begrenzt auf die kleine Welt eines Pflegeheims.

"Der Horst ist zufrieden"

"Und trotz allem hört man von ihm kein böses Wort, da ist keine Verbitterung, im Gegenteil. Der Horst ist zufrieden", erzählt Manfred Hauser. Zusammen mit seiner Frau Hannelore kümmert sich der ehemalige Hobbykicker, dessen Trainer Szymaniak bei Tura Melle war, seit vielen Jahren um den Freund.

Dazu gehört auch die Erledigung der Autogrammpost, die immer noch und aus allen Teilen der Welt in Melle eintrifft. Zwei in Berlin lebende Italiener schickten mit einem ehrfürchtigen Schreiben einen Schal des CC Catania, Szymaniaks erstem Italien-Klub, eine Anfrage kam sogar aus China. Und gelegentlich legt ein Sammler dem Brief einen Geldschein bei: "Kaufen Sie dem Schorsch etwas Schönes..."

Einsam mag Horst Szymaniak manchmal sein, aber er ist nicht vergessen. Vor allem sein Freund Hans Tilkowski, Nationaltorwart und Europacupsieger mit Borussia Dortmund, hält den Kontakt, auch Max Lorenz und Uwe Seeler sind für "Schimmi" da, wenn es darauf ankommt. Der DFB und die Sepp-Herberger-Stiftung helfen schnell, unbürokratisch und herzlich: So konnte sich der Hundeliebhaber Szymaniak vor drei Jahren den Traum von einem Schäferhund erfüllen.

Wechselhafte Laufbahn

Interviews und öffentliche Auftritte meidet er mehr denn je, dabei hätte er viel zu erzählen, denn seine Karriere ist ein Aufsteiger-Märchen mit Höhen und Tiefen. In Erkenschwick arbeitete er als Bergmann in der Zeche "Ewald Fortsetzung", beim Bergwerks-Klub Spvgg Erkenschwick wuchs er Ende der fünfziger Jahre zu einem zweikampfstarken und technisch perfekten Mittelfeldspieler, dessen Pässe ebenso gerühmt wurden wie seine Grätschen, damals als "Sliding tackling" der Inbegriff moderner Zweikampfführung.

Nach Stationen beim Wuppertaler SV und Karlsruher SC wechselte Szymaniak als einer der ersten deutschen Spieler 1961 nach Italien: 200 000 Mark Handgeld zahlte CC Catania, später holte ihn der große Erfolgstrainer Helenio Herrera zu Inter Mailand, Mitte der sechziger Jahre die beste Klubmannschaft Europas.

Geld ist ihm nicht geblieben

Von dem Geld ist nichts geblieben, dem lebensfrohen, großzügigen Szymaniak war es durch die Hände geronnen, kaum dass er seine Karriere 1968 beendet hatte. Als Wirt und Lastwagenfahrer, als Kranführer und Auslieferungsfahrer verdiente sich "Schimmi" seinen Lebensunterhalt.

Heute bekommt er eine kleine Knappschaftsrente für acht Jahre unter Tage. Ruhm und Reichtum haben ihm nie viel bedeutet, für ihn zählten der Spaß und die Kameradschaft.

Fußball schaut er gelegentlich am Fernseher, bis vor wenigen Jahren schaute er auch den Feierabend-Kickern in Melle zu. "Wir konnten nicht so gut reden wie die Profis von heute", hat er einmal augenzwinkernd gesagt, "aber deswegen waren wir nicht dümmer - und Fußball spielen konnten wir auch ganz gut..."

© SID

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