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"Geißbock"-Legende Cullmann wird 60

Im WM-Finale 1974 nur Zuschauer, heute die Hauptrolle: Welt- und Europameister Bernd Cullmann wird heute 60 Jahre alt. Die "Geißbock"-Legende feiert dennoch nur im kleinsten Kreis.

Zuschauer im WM-Finale 1974 und Teilnehmer am verrückten Bundesliga-Saisonfinale 1978: Welt- und Europameister Bernd Cullmann feiert am heutigen Sonntag seinen 60. Geburtstag - und das ohne großes Trara. "Bei meinem 50. waren 180 Leute da. Am Sonntag feiere ich im engsten Familienkreis, 20 bis 25 Leute", sagte der Jubilar im Gespräch mit dem SID. Im Mittelpunkt stehen an diesem Tag für "Culli" Ehefrau Irmgard, Tochter Claudia und Sohn Carsten sowie die vier Enkelkinder.

341 Bundesligaspiele für den FC

341 Bundesligaspiele absolvierte Bernd Cullmann zwischen 1969 und 1984 für den 1. FC Köln und erzielte als Defensivspieler dabei immerhin 29 Tore. Dazu kamen 40 Länderspiele und sechs Tore, die Teilnahmen an den Weltmeisterschaften 1974 und 1978 sowie an der Europameisterschaft 1980. Bei der WM "74 in Deutschland spielte Cullmann unter dem damaligen Bundestrainer Helmut Schön dreimal und erzielte ein Tor beim 3:0 des späteren Weltmeisters im Gruppenspiel gegen Australien.

"Ich habe ein Problem, mich als Weltmeister zu bezeichnen, weil ich im Finale nicht gespielt habe", sagt Cullmann und fügt an: "Bei der EM 1980 war das anders. Da habe ich im Finale gespielt und bin damals für Hans-Peter Briegel eingewechselt worden." Damals beim EM-Turnier in Italien teilte er sich ein Zimmer mit Jungstar Bernd Schuster.

Das wichtigste Erlebnis war für Cullmann aber der Gewinn des Doubles mit seinem Leib- und Magenklub 1. FC Köln, mit dem er die kuriosesten Dinge erlebte. So auch das Saisonfinale 1978. Als DFB-Pokal-Sieger reiste der FC nach Hamburg, um am 34. Spieltag gegen den FC St. Pauli zu spielen. FC-Manager Karl-Heinz Thielen hatte extra 15 000 Karten geordert, damit das Spiel ins Volksparkstadion verlegt wird.

"Am Millerntor hätten wir nie 5:0 gewonnen", sagt Cullmann. "Wir führen 3:0 und an der Seitenlinie fuchtelte Hennes Weisweiler (damaliger FC-Trainer/Anm. d. Red.) immer noch wild mit den Armen, damit wir weiter nach vorne spielen. Wir haben uns nur gefragt: Was hat der denn? Nach dem 4:0 und 5:0 wurde es dann ruhiger." Nach dem Abpfiff erst erfuhren Cullmann und Co. vom 12:0 zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund. Erst nach Stunden habe sich seinerzeit die Fassungslosigkeit gelöst und man habe dann in Hamburg noch gefeiert.

Peinliche Pleite gegen Offenbach

Die erste große Fete erlebte Bernd Cullmann mit dem FC 1971. "Die hätte nie stattfinden dürfen", erklärt der Jubilar. In der Tat. Köln stand im DFB-Pokal-Finale gegen Kickers Offenbach - und verlor gegen den damaligen Zweitligisten sensationell mit 1:2. Cullmann: "Alles war vorbereitet - und offenbar nicht mehr zu stoppen. Wir kehrten mit der Bahn im Salonwagen zurück nach Köln. Dann wurden wir auch noch in offenen Wagen vom Bahnhof zum Geißbockheim gefahren - und auf dem Weg von den Leuten beschimpft!"

Heute kann Bernd Cullmann darüber lachen, schließlich gewann er mit Köln 1977, 1978 und 1983 dreimal den Pott. 1984 musste er seine Karriere wegen Fußproblemen beenden. Bei beiden Großzehen sind mittlerweile die Grundgelenke enfernt. Nach der aktiven Laufbahn war Cullmann zunächst als Repräsentant für adidas tätig, Anfang der 90er Jahre rückte er in den FC-Vorstand auf und war von 1993 bis 1996 Manager. In der gleichen Tätigkeit war er auch ein Jahr beim MSV Duisburg (1999/2000) beschäftigt. Seit 2000 ist Bernd Cullmann als Spielerberater tätig, gemeinsam mit seinem langjährigen Partner und Freund Wolfgang Fahrian.

Fußball spielt Cullmann schon seit Jahren nicht mehr, fit hält er sich auf dem Fahrradtrainer. Und er sitzt bei jedem FC-Heimspiel auf der Tribüne des Kölner WM-Stadions, von wo aus er auch seinen Filius jahrelang beobachten konnte. Sohn Carsten absolvierte als Profi 189 Punktspiele für den FC.

© SID

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