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Hoyzer darf auf Bewährungsstrafe hoffen

Im Hoyzer-Prozess hat die Staatsanwaltschaft eine dreijährige Bewährungsstrafe für den Ex-Schiedsrichter gefordert. Für den Mitangeklagten Dominik Marks wurden dagegen zwei Jahre Haft ohne Bewährung beantragt.

Während Robert Hoyzer durchatmete und Ante Spania entspannt durch den Saal blickte, schaute Dominik Marks verstört zu Boden. Die Forderungen der Staatsanwaltschaft im Wett- und Manipulationsskandal am 9. Tag des Strafprozesses vor dem Berliner Landgericht riefen bei den Protagonisten unterschiedliche Reaktionen hervor. Während für Hoyzer lediglich eine dreijährige Bewährungsstrafe gefordert wurde, beantragten die Staatsanwälte für "Drahtzieher" Ante Sapina eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monate ohne Bewährung.

Freiheitsstrafe von zwei Jahren gegen Marks gefordert

Unerwartet hoch fiel die Forderung dagegen für den nicht geständigen Ex-Referee Marks (Stendal) aus, für den eine Freiheitstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung beantragt wurde. Für die ebenfalls Angeklagten Sapina-Brüder Filip und Milan wurden jeweils Bewährungsstrafen über drei Jahre gefordert. Zudem soll Milan Sapina eine Geldstrafe von 50 000 Euro bezahlen, während Filip Sapina eine Geldbuße über 2 500 Euro entrichten soll.

Hoyzers Anwalt Thomas Hermes plädierte ebenfalls für eine Bewährungsstrafe. "Die Höhe der Freiheitsstrafe sollte unter der Forderung der Staatsanwaltschaft bleiben und zur Bewährung ausgesetzt werden", sagte Hermes. Hoyzer sein kein Mittäter, sondern ein Gehilfe gewesen.

Anwälte von Ante Sapina fordern Freispruch

Ante Sapinas Anwälte forderten indes für ihren Mandanten Freispruch. "Es gibt keine Straftat, weil es keine Täuschung gab", begründete Anwalt Klaus Gedat die Forderung. Gemäß der damaligen Allgemeinen Geschäftsbedingungen des geschädigten Wettanbieters Oddset sei das Manipulieren von Fußball-Spielen nicht strafbar gewesen. Dies sei erst durch eine Änderung der Regularien im Sommer 2005 eingeleitet worden. Im Falle einer Verurteilung forderte der Anwalt eine zweijährige Bewährungsstrafe plus einer Geldstrafe.

Für Antes Brüder Filip und Milan Sapina plädierten die Rechtsbeistände ebenfalls auf Freispruch, da es keine Haupttat gegeben habe. Auch Ex-Schiedsrichter Marks ließ durch seine Anwältin auf Freispruch plädieren. Sollte doch eine Freiheitsstrafe verhängt werden, dürfe diese, so Anwältin Astrid Koch, nicht länger als ein Jahr dauern und müsse zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Urteile sollen am Donnerstag gesprochen werden.

Ante Sapina und Hoyzer konnten bei der Staatsanwaltschaft offenbar durch ihr Geständnis punkten: "Beide Angeklagten haben nicht nur ihr eigenes Fehlverhalten eingestanden, sondern darüber hinaus auch Aufklärungsarbeit geleistet", betonte Staatsanwalt Thorsten Cloidt. "Drahtzieher" Sapina wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug in allen elf Fällen vorgeworfen, Hoyzer beschuldigt die Staatsanwaltschaft des gewerbsmäßigen Betruges in drei Fällen, des bandenmäßigen Betruges in ebenfalls drei Fällen sowie der Verabredung zum banden- und gewerbsmäßigen Betruges in einem Fall.

Viel Kritik für Hoyzer

Ex-Schiedsrichter Hoyzer musste sich zuvor jedoch von der Staatsanwaltschaft viel Kritik gefallen lasse. Hoyzers "mediales Mitteilungsbedürfnis" hätte die Ermittlungen erschwert, betonte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Fätkinhäuer. Der Angeklagte sei durch Talk-Shows getingelt, habe Zeitungs-Interviews gegeben und habe sich auf Fußballplätzen ablichten lassen, um zu demonstrieren, wie er manipuliert habe. "Das war ein unseliges Treiben", kommentierte Fätkinhäuer.

Durch sein "offensives Vorgehen" seien andere Beteiligte eingeschüchtert worden, so Fätkinhäuer. So habe sich der ebenfalls vernommene Schiedsrichter-Assistent Felix Zwayer zunächst kooperativ gezeigt, sich durch die aus den Medien vernommenen Hoyzer-Aussagen anschließend zurückhaltender gezeigt. Auch der ebenfalls vor Gericht stehende Ex-Spieler Steffen Karl, mit dem als einziger Angeklagter der Hauptprozess am 22. November fortgesetzt werden soll, habe sich, nachdem er Hoyzers Aussagen in der Zeitung gelesen habe, laut Fätkinhäuer "wieder in sein Schneckenhaus zurückgezogen".

Marks in insgesamt drei Fällen beschuldigt

Für Marks muss die Forderung wie ein Schlag ins Gesicht gewirkt haben. Hatte der Wirtschafts-Prüfungs-Assistent jegliche Beteiligung an Spielmanipulationen abgestritten, wurde er in insgesamt drei Fällen der Beeinflussung beschuldigt. Erst durch seine Beteilugung sei, so die Staatsanwaltschaft, die "Bande perfekt gewesen", da er neben Hoyzer und Ante Sapina den dritten Mann ausgemacht habe, der für eine Bande im juristischen Sinne Voraussetzung sei. Auch seien die 40 000 Euro, die Ante Sapina Ende Januar 2005 Marks bezahlt habe, damit dieser sich einen Anwalt auswählen könne, ein sicheres Indiz für die Bandenbildung, so die Staatsanwaltschaft. Sollte das Gericht auf Bewährungsstrafe oder gar Freispruch für Marks entscheiden, will die Staatsanwaltschaft Hilfsbeweisanträge stellen.

© SID

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