Fußball National
Hoyzer sieht sich als von Ante Sapina verführt

Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer hat im Prozess um den Wettskandal mit seinen Einlassungen begonnen. Der 26-Jährige präsentierte sich dabei als Opfer der Verführungen Ante Sapinas.

Eine tränenreiche Entschuldigung des Hauptangeklagten Ante Sapina und der Beginn der Einlassungen von Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer standen im Mittelpunkt des vierten Prozesstages im Wett- und Manipulationsskandal in Berlin. Der 26-jährige Hoyzer bestätigte am Donnerstag vor dem Landgericht im Wesentlichen den in der Anklageschrift dargestellten Sachverhalt.

Der ehemalige Referee präsentierte sich in seinen Einlassungen als Verführter, der überredet wurde, sich an den Spielmanipulationen zu beteiligen. Dabei saß Hoyzer, anders als Ante Sapina, ohne seine beiden Rechtsanwälte rechts und links neben sich vor Richterin Gerit Kramer. "Zuerst möchte ich den in der Anklageschrift dargestellten Sachverhalt bestätigen", erklärte Hoyzer. Sie enthalte zwar kleinere Fehler, doch auf die wolle er später zu sprechen kommen.

Sapina unter Tränen, Hoyzer souverän

Am Morgen hatte der mutmaßliche Drahtzieher Ante Sapina schluchzend erklärt: "Ich möchte mich in aller Form beim deutschen Fußball entschuldigen, dessen Ruf so kurz vor der WM Schaden genommen hat." Zugleich sandte er eine Entschuldigung in Richtung der Mitangeklagten und denen, die verdächtigt worden sind. "Es tut mir Leid, was ich da angerichtet habe und dass ich die Dimensionen nicht erkannt habe."

Hoyzer wirkte bei seinen Einlassungen gut vorbereitet und hochkonzentriert. Der ehemalige Schiedsrichter schilderte ausführlich, wie es zum Kontakt mit Ante Sapina und dessen Brüdern Milan und Filip über deren als Schiedsrichter tätigen Cousin Tomislav Cirko gekommen sein soll. Zudem erklärte er, wie ihm erstmals bewusst wurde, dass im Cafe King gewettet würde.

Ante Sapina habe seinem Cousin im Beisein von ihm - Hoyzer - auffallend unauffällig einen Wettschein gezeigt. Die Zurückhaltung, mit der das geschehen sei, habe sein Aufmerksamkeit erweckt: "Ante zeigte den Schein so, als ob ich es nicht sehen sollte." Was er dann aber auf Nachfrage sehen durfte, sei für ihn "nicht zu begreifen gewesen. Ich erinnere mich, dass auf dem Schein ein Gewinn von 47 000 Euro stand". Er habe das Gefühl gehabt, dass Ante Sapina ihn als "zukünftigen Geschäftspartner" gesehen hätte.

Hoyzer betonte im Gegensatz zu seinem ehemaligen Freund Sapina, die beiden seien keine "Gleichgesinnten" gewesen. Vielmehr vermittelte Hoyzer den Eindruck, er hätte zur Manipulation überredet werden müssen, die Sapinas hätten seine Schwächen ausgenutzt. "Geld spielte immer eine wesentliche Rolle bei den Sapinas, meine ich, und ab einem gewissen Zeitpunkt auch bei mir", sagte Hoyzer. Die Manipulation seien laut Hoyzer irgendwann zu einem offen ausgesprochenem Thema geworden: "Nicht nur mit Ante, sondern auch mit Filip und Milan."

Filip und Milan Sapina hatten am Vormittag über ihre Anwälte ihre Einlassungen abgegeben und dabei betont, die Dimension der Aktivitäten ihres Bruders nicht überschaut zu haben. Sie selbst hätten nur gelegentlich gewettet.

Rocca angeschuldigt

Robert Hoyzer erhob in seiner Einlassung schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten von Sachsen Leipzig, Christian Rocca. Der habe ihn über seinen Vater gebeten, die von ihm geleitete Regionalliga-Partie Chemnitzer FC gegen Sachsen Leipzig am 29. November 2003 (1:1) zu manipulieren. Doch er habe abgelehnt. "Das Spiel wurde definitiv nicht manipuliert." Trotzdem habe er eine "Bareinzahlung in Höhe von 500 von Herrn Rocca wenige Zeit später erhalten". In einem nachfolgenden Telefonat habe Rocca ihm erklärt, dass sei ein Weihnachtsgeschenk.

© SID

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