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Hoyzer-Urteil: Druck von DFB und Politik

Am Freitag wird am BGH in Leipzig das Urteil im "Fall Hoyzer" verkündet. Von Freispruch bis Gefängnisstrafe ist für den Ex-Schiedsrichter alles möglich. Im Vorfeld haben alle Beteiligten bereits klar Stellung bezogen.

Einen Tag vor der Urteilsverkündung im "Fall Hoyzer" haben der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Politik nochmals die Säbel rasseln lassen - doch wenn der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshof BGH Wett- und Manipulationsskandal am Freitag (10.00 Uhr) in Leipzig seine Entscheidung verkündet, ist für den Ex-Schiedsrichter und die übrigen Beschuldigten alles möglich: Ein Freispruch erster Klasse, der Gang hinter Gitter oder in die erneute juristische Verlängerung.

"Auf den Ausgang möchte ich nicht wetten", sagte Oberstaatsanwalt Hartmut Schneider von der Bundesanwaltschaft, der die Verfehlungen Hoyzers als "Gaunerei" bezeichnete. Mit seiner Freispruch-Forderung im Revisionsverfahren hatte Schneider die Wogen erneut hochschlagen lassen und vor allem bei DFB-Präsident Theo Zwanziger Unverständnis hervorgerufen.

Zwanziger: "Freispruch wäre Schlag ins Gesicht für Ehrliche"

Für den promovierten Juristen Zwanziger wäre ein Freispruch Hoyzers "ein Schlag ins Gesicht" für alle ehrlichen Menschen. "Ein Freispruch wäre beschämend. Damit würden die Jugendlichen in die Orientierungslosigkeit geführt", meinte der DFB-Boss vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung.

Auch der Bundestagssportausschuss-Vorsitzende Peter Danckert sprach sich deutlich gegen einen Freispruch Hoyzers aus. "Das wäre ein ganz schlechtes Signal. Es würde suggerieren, dass alles ein strafloser Jungenstreich war", erklärte der SPD-Politiker und hielt Schneider entgegen: "Ich wette, dass Hoyzer nicht mit einem Freispruch davonkommt."

Das Gericht um Senatschef Clemens Basdorf steht am Freitag auf jeden Fall im Rampenlicht. Bei der Bestätigung des Urteils müsste Hoyzer zwei Jahre und fünf Monate hinter Gitter. Drahtzieher Ante Sapina war vom Landgericht Berlin wegen Betruges zu zwei Jahren und elf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ex-Schiedsrichter Dominik Marks, Ex-Profi Steffen Karl sowie die Sapina-Brüder Filip und Milan waren mit Bewährungsstrafen belegt worden.

Verfahrens-Rückgabe nach Berlin möglich

Prozessbeobachter halten es jedoch auch für möglich, dass das Verfahren ans Berliner Landgericht zurückverwiesen und dann mit Hoyzer als Haupttäter neu eröffnet werden könnte. Laut Basdorf könne es sich um "Betrug der manipulierenden Schiedsrichter zum Nachteil des DFB" handeln. Oder um mittelbaren Betrug an den Zuschauern, die Tickets für ein faires Spiel bezahlt haben. Unabhängig vom Ausgang des Revisionsverfahren werden die Urteile des DFB-Sportgerichts auf jeden Fall weiter Bestand haben.

Knackpunkt des Verfahrens ist die Frage, ob eine so genannte tatbestandliche (konkludente) Täuschung vorliegt. Nach Ansicht der Berliner Richter hatte Ante Sapina mit dem Kauf jedes Wettscheines dem Wettbüro unausgesprochen versichert, keine Manipulation im Schilde zu führen. Ein Freispruch-Argument lautet, dass Sapina zwar getrickst, aber mit dem Kauf der Wettscheine trotzdem hohes Risiko nebst unsicherem Ausgang in Kauf genommen habe. Hoyzer habe mit seinem Handeln lediglich Sapinas Gewinnchance verbessert.

© SID

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