Fußball National
Krawalle in Leipzig haben Konsequenzen

Nach den Krawallen rund um ein Pokalspiel des 1. FC Lok Leipzig drohen Politiker und Polizei nun mit weitreichenden Konsequenzen. Eine Sonderkommission ermittelt bereits und auch Sachsens Kabinett wird tagen.

Die Krawalle in Leipzig haben wohl weitreichende Konsequenzen: Nach den brutalen Auseinandersetzungen nach einem Pokalspiel des 1. FC Lok Leipzig am Samstag ermittelt die 13-köpfige Kriminalpolizei-Sonderkommission "Fußball" zwar fieberhaft, und weitere Festnahmen sollen bevorstehen, doch die Politik hält sich mit konkreten Maßnahmen noch zurück.

DFB-Boss Theo Zwanziger kann sich einschneidende Maßnahmen vorstellen. Der 61jahre alte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hält Partien vor leeren Rängen für möglich und kann sich "auch Stadien vorstellen, in denen kein Fußball mehr gespielt wird".

Polizei mahnt schlechte Einlasskontrollen an

"Geisterspiele" des in der sechsten Liga dümpelnden Ex-Europacupfinalisten 1. FC Lok Leipzig oder ein Zwangsumzug in das auf höchstem Sicherheitsstandard befindliche Zentralstadion sind erste Schlagwörter. Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erörterten dies am Montag per Telefon. Jung, der Hausrecht für das marode Bruno-Plache-Stadion besitzt, verfügte aber keine Stadionsperre.

Wie der sid erfuhr, wurde auf höchster Fußball-Ebene eine Absage von Lok-Spielen für die nächsten Wochen in Erwägung gezogen. Zwanziger sieht die Vereine in der Verantwortung: "Wenn es nicht gelingt, diese radikalen Gruppen von anderen zu trennen, dann wird es dort keinen Fußball mehr geben."

Der Chef der Polizei-Gewerkschaft GdP, Konrad Freiberg, kritisierte am Montag den 1. FC Lok. Es seien so viel Feuerwerkskörper im Stadion gewesen, dass von Einlasskontrollen kaum die Rede gewesen sein konnte. Dem Fußballmob sei offensichtlich auch nicht klar, dass Polizeibeamte, wenn sie an Leib und Leben bedroht werden, von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen können. Freiberg mahnte rasche Lösungen an: "Wir können nicht künftig zu jedem Kreisklassespiel mit mehreren Hundertschaften anrücken. Wenn Fußball zur Tarnung von Mordlust wird, ist dieser Sport bald am Ende."

Keine Haftbefehle gegen die festgenommenen Personen

Der sächsische Staatskanzleichef Hermann Winkler (CDU) verlangt "schnelle Prozesse und eine harte Hand des Gesetzes", die ersten fünf vorläufig festgenommenen Personen waren allerdings am Sonntag bereits wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte keine Haftbefehle beantragt. Winkler will Maßnahmen "am besten noch vor dem nächsten Lok-Spiel". Dies findet am kommenden Sonntag statt. "Geredet wurde genug. Bei solchen Idioten helfen keine Sozialisierungsprogramme", meinte Winkler.

Laut Polizeirat Mario Luda werde seit Samstag "intensiv ermittelt", weitere Straftäter sind so ins Visier gekommen. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er keine konkreteren Angaben machen. Derzeit wird Videomaterial gesichtet, szenekundige Beamte ermitteln im Umfeld. Auch nach Ansicht der Polizei ist die Mithilfe des Vereins notwendig. "Wir hoffen, dass die Vereinsführung erkennt, dass es notwendig ist, richtig mit uns zusammenzuarbeiten", sagte Luda.

Buttolo sieht "zuerst die Vereine in der Verantwortung"

Jung drohte mit Geisterspielen, falls der Verein das Problem nicht offensiver angeht: "Im schlimmsten Fall ist auch denkbar, dass der 1. FC Lok in Zukunft seine Spiele vor leeren Rängen austragen muss." Sprecher Andreas Schumann vom Innenministerium: "Es müssen Fragen erörtert werden ob man beispielsweise den 1. FC Lok zwingen kann, im Zentralstadion zu spielen. Auch, ob Schaulustige belangt werden können." Das sächsische Kabinett will sich am Dienstag mit dem Thema befassen.

Buttolo sieht "zuerst die Vereine in der Verantwortung", regelmäßig würden sich diese von den Chaoten öffentlich distanzieren, aber gleichzeitig nicht einmal für ordentliche Stadionkontrollen sorgen können. Nach Ansicht von Sachsens Fußball-Präsident Klaus Reichenbach liegt die Bestrafung in der Kompetenz der Sportgerichtsbarkeit. Der Schiedsrichter hatte die Partie wegen des Zündens von Feuerwerkskörpern mehrfach unterbrechen müssen.

Nach der Pokalpartie des Bezirksligisten 1. FC Lok und dem Fünftligisten Erzgebirge Aue II (0:3) im maroden Bruno-Plache-Stadion war es zu einem regelrechten Angriff von rund 800 Gewalttätern auf die Polizei gekommen. Insgesamt wurden 36 Polizisten sowie sechs Zivilpersonen verletzt und 21 Fahrzeuge beschädigt. Ein Zivilbeamter musste in akuter Notlage sogar einen Warnschuss abgeben.

© SID

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