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Neururer: Doping auch im Fußball der 80er Jahre

Wird nun auch der Fußball in Deutschland von einer Doping-Enthüllung überrascht? Ex-Coach Peter Neururer hat in einem Gespräch mit der Sport Bild Doping im Fußball Ende der 80er Jahre als "gang und gäbe" bezeichnet.

Der frühere Bundesliga-Trainer Peter Neururer hat Doping im Fußball Ende der 80er Jahre als "gang und gäbe" bezeichnet. "Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach", sagte Neururer der Sport Bild: "Das war überall bekannt und wurde praktiziert. Bis zu 50 Prozent haben das konsumiert. Nicht nur in der zweiten Liga."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte umgehend auf die Vorwürfe. "Wir haben einen Brief an Herrn Neururer geschrieben und ihn freundlich gebeten, Namen und Fakten zu nennen", erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger am Mittwochnachmittag. Schalkes Manager Andreas Müller sprach derweil von "einer absoluten Sauerei". Wenn Neururer was wisse, soll er Ross und Reiter nennen, so Müller gegenüber dem sid: "Da macht sich einer wichtig. Für mich kann ich total ausschließen, das bei mir so etwas passiert ist. Ich kann aber nicht beurteilen, was bei anderen war."

Neururer bezog sich auf seine Zeit beim damaligen Zweitligisten Schalke 04. "Auf Schalke habe ich das 1989/90 auch mitbekommen. Die damaligen Spieler von Schalke 04 kamen ja fast alle aus der Bundesliga in die zweite Liga." Unter den Dopingsündern seien auch ehemalige Nationalspieler gewesen, Neururer nannte aber keine Namen.

Matthias Herget, der nach 39 Länderspielen seine Karriere bei den Königsblauen beendete, bestritt auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid) die Einnahme unerlaubter Mittel. "Ich habe immer aus normaler Kraft meine Leistung gebracht, mal besser, mal schlechter", sagte der 51-Jährige, der für den VfL Bochum und Bayer Uerdingen 237 Bundesligaspiele und für Rot-Weiss Essen, Uerdingen und Schalke 196 Partien in der zweiten Liga absolvierte: "Ich habe nie solche Mittel genommen und auch nicht mitbekommen, dass es andere machten."

Der Vizeweltmeister von 1986 hält Doping im Fußball für wenig sinnvoll. "Durch Stimulanzien kann man vielleicht schneller laufen, aber man wird kein besserer Fußballer. Das ist Quatsch", sagte Herget. Neururer will die Wirkung des Aufputschmittels Captagon schnell erkannt haben: "Man sieht den Spielern den Konsum von Captagon an. Die Augen stehen anders. Der Spieler wird nicht mehr müde und neigt auf dem Platz zu Überreaktionen. Das war ein kompletter Wahnsinn, der da gemacht wurde."

Auch dem damaligen Schalker Masseur Gerard Kuipers ist "das ein oder andere aufgefallen. Die Spieler waren hochmotiviert und sind gerannt wie wahnsinnig", sagte Kuipers, der von 1968 bis 1999 Bundesliga-Profis beim MSV Duisburg und Schalke betreute, dem sid: "Da habe ich schon gefragt: Junge, wo hast du die Kraft her? Ich weiß nicht, ob das an Captagon lag."

Er habe "immer nach Mitteln gesucht, um die Spieler besser zu machen". Die Einnahme der Stimulans Captagon sei ihm aber "nicht aufgefallen. Das kann ich nicht bejahen". In 30 Jahren Bundesliga habe er aber Erfahrungen gesammelt, mit denen er ein Buch schreiben könnte. Der Masseur warf Neururer vor, nicht reagiert zu haben: "Wenn er gewusst hat, wer das genommen hat, hätte er einschreiten können. Aber er hat sie ja spielen lassen."

Der damalige S04-Präsident Günter Eichberg will von Doping nichts mitbekommen haben. "Mir ist nichts aufgefallen, ich habe nichts davon gehört, niemand hat darüber gesprochen", sagte der einstige "Sonnenkönig" dem sid: "Aber als Präsident kriegt man das ja nicht mit. Das Zeug kann sich jeder selbst besorgen und einschmeißen."

Neururer, der im November 1990 als Tabellenzweiter beim damaligen Zweitligisten Schalke entlassen worden war, sprach auch von anderen leistungsfördernden Mitteln. "Es gab auch andere Mittel: alle Ephedrine, die auch von den Radfahrern geschluckt werden. Das sind die Asthmamittel. Plötzlich hatte jeder Asthma, um das nehmen zu dürfen. Auch im Nasenspray sind zu 90 Prozent Ephedrine."

Zur damaligen Zweitliga-Mannschaft der Königsblauen gehörte auch Jens Lehmann. Der heutige Nationaltorwart vom FC Arsenal hatte in der Sport Bild ebenfalls über Doping im Fußball berichtet: "Als ich angefangen habe, mit 17 oder 18 Jahren, da habe ich so etwas gehört. Einige haben wohl, um spielen zu können, Captagon geschluckt." Im Team stand auch der heutige Schalke-Manager Müller.

Captagon stand bereits in den Achtziger Jahren auf der Dopingliste. Seit 1988 wurden Dopingkontrollen in der ersten und zweiten Bundesliga durchgeführt.

© SID

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