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Owomoyela: NPD-Funktionäre verzögern Verfahren

Im Rechtsstreit mit Patrick Owomoyela setzen die NPD-Funktionäre auf eine Verzögerungstaktik. Alle Anträge auf eine Einstellung des Verfahrens wurden aber abgelehnt.

Im Strafprozess gegen drei NPD-Funktionäre hat der Dortmunder Fußball-Profi Patrick Owomoyela bekräftigt, Opfer einer rassistischen Hetz-Kampagne geworden zu sein, die ihn "beleidigt, beschämt und angegriffen" habe.

"In meinen Augen wurde mit meinem Abbild eine Kampagne geführt, die gegen mich als Menschen und gegen meine Hautfarbe sowie gegen andere Menschen mit meiner Hautfarbe gerichtet war", sagte der elfmalige deutsche Nationalspieler bei seiner etwa einstündigen Zeugenaussage vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten am Dienstag.

Owomoyela tritt in dem Prozess der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt und zwei weiteren Parteifunktionäre wegen Volksverhetzung in zwei Fällen (in einem Fall in Tateinheit mit Beleidigung) als Nebenkläger auf. Der Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters hatte im Jahr 2006 Strafanzeige gestellt, nachdem er im Vorfeld der Fußball-WM in Deutschland offenbar rassistisch beleidigt worden war.

Die NPD hatte auf der Titelseite ihres so genannten "WM-Planers" die Rückansicht eines Fußballers im Nationaltrikot mit einer fremdenfeindlichen Parole verbreitet. Dabei soll es sich um Owomoyelas Nationaltrikotnummer 25 handeln. "Den Teil der Nummer, den man auf dem Trikot nicht erkennen kann, konnte ich auf der Hose sehen. Ich habe mich sofort angesprochen gefühlt", sagte Owomoyela.

Die Verteidiger bestritten jedoch, dass tatsächlich der Außenverteidiger auf dem Flyer zu sehen sei. Stattdessen könne auch der Spieler mit der Nummer 26 (damals Sebastian Deisler) abgelichtet sein.

Owomoyela berichtete zudem, dass er nach Veröffentlichung des WM-Planers Angriffen aus der rechtsextremen Szene ausgesetzt gewesen war. "Damals gab es E-Mails, in denen ich aufgefordert wurde, das Land zu verlassen." Kurz vor Prozessbeginn hätten ihn solche Mails mit ähnlichen Inhalten erneut erreicht.

Laut Oberstaatsanwalt Jörg Raupach sei eine Freiheitsstrafe für die Angeklagten "durchaus möglich". Das Gesetz würde dann eine Spanne von drei Monaten bis zu fünf Jahren vorsehen. Das geforderte Strafmaß will die Staatsanwaltschaft jedoch erst nach dem Ende der Beweisaufnahme bekanntgeben. Am 7. April geht der Prozess mit weiteren Zeugenaussagen weiter. Die Richterin hält aber auch einen dritten Verhandlungstag für möglich.

Vor der Aussage von Owomoyela hatten die Anwälte der Angeklagten mit fünf Anträgen und zahlreichen Bitten um Unterbrechungen die Verhandlungen am Dienstag verzögert. "Das ist das übliche Prozess-Geplänkel. Ich habe diese Zermürbungstaktik erwartet", sagte Oberstaatsanwalt Raupach.

So forderten die Verteidiger die Einstellung, das Aussetzen sowie den Abbruch des Verfahrens sowie den Ausschluss von Owomoyela als Nebenkläger und stellten einen Antrag auf Befangenheit der Richterin. Alle fünf Anträge wurden abgelehnt.

Owomoyela hatte bereits 2006 eine einstweilige Verfügung gegen die NPD erwirkt, nachdem ein Gericht festgestellt hatte, dass es sich um eine in besonderem Maße herabwürdigende und rassistische Darstellungsweise handle. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte 2006 eine einstweilige Verfügung gegen die Neugestaltung des WM-Planers der NPD erwirkt, der eine gezeichnete deutsche Nationalmannschaft zeigte, bei der nur noch ein Spieler eine weiße Hautfarbe hatte. Alle anderen wurden in den Farben Rot, Gelb, Schwarz und Braun dargestellt.

© SID

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