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"Radi" Radenkovic feiert seinen 75. Geburtstag

Petar Radenkovic gehörte zu den berühmtesten Bundesliga-Spielern seiner Zeit. Heute wird "Radi" 75 Jahre alt - Lust zum Feiern verspürt der ehemalige Torhüter allerdings nicht.

Er war der wohl größte Spaßvogel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga, doch ausgerechnet an seinem 75. Geburtstag überwiegt bei Petar Radenkovic das Gefühl der Trauer. "Meine Frau Olga ist im Januar an Krebs gestorben, ich kann ihren Tod nur langsam verarbeiten", erzählt der frühere Torwart von 1 860 München, "deshalb feiere ich meinen Geburtstag am Donnerstag auch nur im engsten Familienkreis."

Besonders die Umstände des Todes seiner Olga, mit der "Radi" 53 Jahre verheiratet war, bedrücken ihn noch immer. "Das Schlimmste war, dass ich ihr nicht helfen konnte und zuschauen musste, wie sie starb. Wir sind jahrelang von Klinik zu Klinik gefahren - erfolglos. Einen so tollen Menschen zu verlieren und dann allein zu sein, das muss man erst mal verkraften", sagte er der Münchner AZ.

Maier: "Ein Pionier"

Doch wenn es einer schafft, da sind sich seine Freunde sicher, dann der "Radi", der Paradiesvogel, der das Torwartspiel in den 60er Jahren revolutionierte und die Fans mit seinen Ausflügen verzückte. "Du warst deiner Zeit 20 Jahre voraus, ein Pionier", schreibt ihm Sepp Maier vom Lokalrivalen Bayern München zum 75. Als erster Keeper in Deutschland spielte Radenkovic auch im Sommer mit Handschuhen, er selbst meint: "Ich war eben der erste moderne Torhüter der Welt."

Vor allem aber war er anders als die anderen. Der Sohn eines Folkloresängers war der erste Entertainer im deutschen Fußball. Mit seinen Ausflügen ("Ich hätte auch als Feldspieler mithalten können") bot er etwas, was die Fans von einem Torwart nicht kannten und wurde so zum vielleicht populärsten Spieler der jungen Bundesliga. Seinen Trainer Max Merkel trieb er damit allerdings ein ums andere Mal zur Verzweiflung. "Partisan" oder "Genie zwischen den Pfosten" nannte der Österreicher seinen Torwart - je nach Stimmung.

Die "Löwen"-Kultfigur Radenkovic - er holte mit 1 860 DFB-Pokal, Meisterschale und stand 1965 im Europapokalfinale - wäre allerdings fast beim FC Bayern gelandet. Im Herbst 1960 kam der 26-Jährige, der 1956 mit Jugoslawien Olympia-Silber holte, zum Probetraining zu den Roten. Doch die schickten den "Jugo" weg, wie sich Maier erinnert. "Mit Tränen in den Augen" sei er davongeschlichen, sagt Radenkovic. Über Wormatia Worms kam er 1962 zurück nach München - zu den Blauen.

215 Bundesligaspiele für 1 860

Bis 1970 bestritt der selbstsichere Schlussmann ("Bin i bestes Torwart von Welt") 215 Bundesligaspiele für Sechzig, und mit seiner Platte "Bin i Radi, bin i König" avancierte er auch neben dem Platz zum Star. Rund 400 000 Scheiben wurden verkauft, das reichte für Platz fünf in den Charts - vor den Beatles und den Rolling Stones. "Ach, mein Lied", sagt Radenkovic, "das ist am Tag zehnmal im Radio gelaufen." Mit "Radi und Radieschen" hatte er einen weiteren Hit.

Noch heute ist Radenkovic tief in München verwurzelt. Seine Töchter leben dort, er selbst ist gern gefragter Experte, wenn es wieder einmal darum geht, die neueste Krise des Zweitligisten 1 860 zu erklären. In der Münchner Arena hat der ehemalige Gastronom eine Loge, sein Haus in Unterhaching aber will der Delegationsleiter der serbischen Nationalmannschaft nun verkaufen und nach Belgrad ziehen. "Für mich alleine ist das einfach zu groß", sagt er traurig.

© SID

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