Fußball National
Reporter-Legende Michel 87-jährig gestorben

Der bekannte deutsche Fußball-Kommentator Rudi Michel ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Allein fünfmal kommentierte der Journalist das Finale der WM.

Deutschlands Fußball-Stimme ist für immer verstummt. Rudi Michel, über Jahrzehnte via TV-Mikrofon populärer Begleiter von Mill. von Fußballfans bei zahlreichen Großereignissen, ist bereits am Montag in Baden-Baden im Alter von 87 Jahren gestorben. Dies teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) 24 Stunden später mit.

Wo die deutsche Nationalmannschaft war, da war auch Rudi Michel nie weit. Als Jungredakteur schon Augenzeuge des "Wunders von Bern", als Endspielkommentator beim unvergesslichen Wembley-Tor live dabei - ein erfüllteres Leben als Sportjournalist kann es eigentlich gar nicht geben.

Weit hinaus über seinen "Unruhestand", wie der gebürtige Pfälzer die Zeit nach seinem offiziellen Dienstende 1988 beim damaligen Südwestfunk nannte, wirkte der gelernte Bankkaufmann an vielen Publikationen mit, engagierte sich für die Sepp-Herberger-Stiftung und war ein gern gelesener Gastkommentator. "Ein glänzender Botschafter des deutschen Fußballs", würdigte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger Michel in einer ersten Stellungnahme.

Dabei brachte der Opernliebhaber, jahrzehntelanger enger Freund von DFB-Ehrenspielführer Fritz Walter, dem DFB-Team selten Glück, wenn er am Mikrofon saß. "Manchmal nannte ich mich früher selbst den "Niederlagensprecher"", erinnerte sich Michel anlässlich seines 85. Geburtstags.

Die wohl spektakulärste deutsche Fußball-Niederlage 1966 im WM-Endspiel gegen England war für den Vollblutjournalisten Ärgernis und Bewährungsprobe zugleich: "Das Wembley-Tor war die schwierigste Minute in meiner Reporterlaufbahn. Ich habe immer nur daran gedacht, wie ich aus dieser Situation wieder herauskomme. Mache ich die Nation verrückt oder verweise ich auf die sportlich-faire Haltung unserer Mannschaft?"

Michel entschied sich, ganz seinem Naturell entsprechend, Schiedsrichter und Linienrichter zu schonen und sich jegliche Hetze zu verkneifen, "obwohl es auch mich sehr geschmerzt hat, diese Niederlage zu ertragen".

1954 und 2006 als markante Punkte

Weit positiver erlebte er das WM-Endspiel 1954 gegen Ungarn in der Schweiz mit, ebenso die WM-Endrunde 2006 in Deutschland: "Bern hatte für die deutsche Gesellschaft einen unbeschreiblichen Stellenwert, man war wieder wer. 2006 hat es der Fußball geschafft, in der Welt ein positives Deutschlandbild zu entwickeln." Erst danach, mit 85 Jahren, ging Michel "wirklich in Pension."

Und verfolgte dennoch kritisch und oft wohl auch kopfschüttelnd, dass sich seine kaum noch zu zählenden Nachfolger und Nachahmer in den Stadien Europas oft mehr sich selbst feiern als den von ihm so geliebten Fußball. Den Michel trotzdem nicht vergötterte und schon gar nicht, wie heutzutage fast schon schlimmer Brauch, marktschreierisch anpries.

Ein letztes Zeichen der ihm eigenen Bescheidenheit hat Rudi Michel sogar noch nach seinem Tod gesetzt: Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin sendete sein alter Haussender SWR keinen der sonst üblichen Nachrufe. Er empfinde so etwas als unangemessen, ließ er seinen einstigen Arbeitgeber wissen. Demütiger kann man kaum abtreten.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%