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Rolf Schafstall feiert seinen 70. Geburtstag

Rolf Schafstall war während seiner Trainerkarriere bekannt für seinen kompromisslosen Stil und galt als harter Hund. Zu seinem 70. Geburtstag schlägt der gebürtige Duisburger sanftere Töne an.

Konsequenz, kompromissloses Durchgreifen und eine manchmal recht autoritäre Gangart galten während seiner Trainerkarriere als die Markenzeichen von Rolf Schafstall, dessen richtiger Vorname eigentlich Rudolf ist. Der harte Hund wird heute 70 Jahre alt und hält sich mit täglichen Besuchen im Fitness-Studio in Form: "Das tut mir gut. Ich bin noch gut dabei."

Konsequenz konnte ihm in 50 Jahren, in denen er den Fußball in Deutschland als Spieler und Trainer auf seine ganz eigene Art beeinflusst hat, nie jemand absprechen. Nicht in seinen Glanzzeiten, in denen er den MSV Duisburg bis ins Uefa-Cup-Halbfinale führte, oder als er später beim VfL Bochum den "Unabsteigbar"-Mythos begründete. Aber auch nicht in den schweren Stunden, als er mit einem Rundumschlag gegen Ostdeutsche für Negativschlagzeilen sorgte.

"Darüber möchte ich nicht mehr reden. Ich habe damals dummes Zeug gemacht, das ich sehr bedaure", sagt er und gibt zu: "Ich verarbeite das teilweise immer noch." Er denke aber, dass das Positive in den Köpfen hängen bleibt.

Verfechter der "deutschen Tugenden"

Schafstall war als Trainer der Inbegriff des "harten Hundes", ein autoritärer und kompromissloser Vertreter seiner Zunft, der in seiner Jugend die in der Fußballersprache immer wieder gerne erwähnten "deutschen Tugenden" fast zwangsläufig verinnerlichen musste.

Er wuchs mit sieben Geschwistern im Schatten der Fördertürme in Duisburg Hamborn-Neumühl auf und arbeitete später als Gruben-Elektriker auf der Zeche Neumühl. So knochenhart wie sein Job war, spielte er auch Fußball. Als Abwehrspieler bei Hamborn 07 und des SSV Reutlingen machte er auch Weltklasse-Stürmern wie Helmut Rahn das Leben schwer.

Als Trainer-Assistent lernte er ab 1975 beim MSV Duisburg bei Willibert Kremer. Als der schon im März 1976 gehen musste, wurde Schafstall direkt zum Chef befördert und rettete den MSV vor dem Abstieg. In der Saison 1978/79 startete er mit den Meiderichern bis ins Uefa-Cup-Halbfinale durch, das die "Zebras" gegen den späteren Sieger Borussia Mönchengladbach verloren.

"Das war eines der Highlights meiner Trainerkarriere", sagt er, und fügt zu der Liste gleich noch seine erste Zeit beim VfL Bochum hinzu. Mit eiserner Hand und mit Hilfe von "Ziehsöhnen" wie Lothar Woelk, Michael "Ata" Lameck, Walter Oswald oder Heinz Knüwe hielt er den stets klammen Revier-Klub zwischen 1981 und 1986 auf Kurs und in der ersten Liga. "Ich habe die scheinbar unmöglichen Jobs geliebt. Das war für mich positiver Stress", sagt Schafstall. Trainer-Legende Max Merkel ernannte ihn in Bild 1984 zum Trainer des Jahres.

"Mit Assauer rede ich bis heute kein Wort mehr"

1986 ging er zum Revier-Nachbarn Schalke 04. Und auch dort - Konsequenz: Er stellte Präsident Hans-Joachim Fenne vor die Wahl: Entweder Manager Rudi Assauer verlässt den Verein, "oder ich tue es". Assauer ging. "Ich habe mit ihm bis heute kein Wort mehr gewechselt und lege auch keinen Wert darauf", sagt Schafstall.

Bei seiner ersten Rückkehr nach Bochum rettete er 1991 den VfL in einem zweimonatigen Kurzeinsatz vor dem Abstieg. Sein letzter Einsatz als Profi-Trainer führte ihn zum Ende der Saison 2001 auf seiner 16. Trainer-Station erneut zu "meinem Verein". Diesmal klappte es nicht mehr mit dem Klassenerhalt.

Vielleicht lag es daran, dass er mit dem Fußballgeschäft zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr viel anfangen konnte. "Überall zählt nur noch der Kommerz. Kaum jemand weiß noch, was Identifikation mit dem Verein bedeutet. Hinter jedem Spieler steht ein Berater, und alle wollen nur noch das Beste für sich selbst", meint Schafstall.

Stammgast beim VfL Bochum

Heute ist der begeisterte Hobby-Gärtner bei jedem Bochumer Heimspiel Gast auf der Ehrentribüne. Den Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Altegoer zählt er zu seinen Freunden. Zur Geburtstagsparty in sein Haus nach Krefeld kommt der VfL-Boss auch, aber sonst legt Schafstall Wert auf einen kleinen Kreis und wenig Tamtam - denn der harte Hund bellt heute lieber leise.

© SID

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