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Sachsen reagiert auf Gewalt mit 60 Spielabsagen

Die Regionalverbände haben in Sachsen für das kommende Wochenende mehr als 60 Spiele abgesetzt und damit ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt. Eine "zügige Anklage" versprach die Staatsanwaltschaft gegen drei Verdächtigte.

Drei Tage nach den schweren Fußball-Krawallen in Leipzig ist das erste deutliche Zeichen gegen die Gewalt gesetzt: Die zuständigen Regionalverbände haben in Sachsen für das kommende Wochenende mehr als 60 Spiele abgesetzt, die Sachsenliga und alle Partien im Bereich des Leipziger Fuballverbandes einschließlich seiner Kreisverbände werden nicht ausgetragen. Dies gab Klaus Reichenbach, Präsident des sächsischen Fußball-Verbandes (SFV), auf einer Pressekonferenz in der Sportschule Egidius Braun in Leipzig bekannt.

Obwohl DFB-Boss Theo Zwanziger noch mit der Roten Karte für den Skandalklub 1. FC Lok Leipzig zögert, kündigte das Sportgericht des sächsischen Fußball-Verbandes aber bereits eine "harte Linie" an. Dem Ex-Europacupfinalisten und jetzigen Sechstligisten droht nach den Krawallen laut Strafenkatalog sogar der Ausschluss aus dem Verband, eine Sperre oder der Entzug des Aufstiegsrechtes.

Zwanziger sprach zwar von "Mitnehmen und Integration als erstem Ziel", verwies bezüglich möglicher Sanktionen aber auf das zuständige sächsische Sportgericht. Dessen Vorsitzender Richter Stephan Oberholz (Leipzig) kündigte im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) an, dass er prüfen will, ob auch die Vorfälle nach dem Pokalspiel in das Urteil einbezogen werden können. Seiner Ansicht nach sei der 1. FC Lok auf Grund früherer Vorfälle aus tieferen Klassen zudem durchaus als vorbelastet einzustufen. Nach Möglichkeit soll noch im Februar verhandelt werden.

Klaus Reichenbach, Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV), gab die Spielabsagen auf einer Pressekonferenz in der Sportschule "Egidius Braun" in Leipzig bekannt. Der SFV folgte damit weitgehend der Empfehlung von Zwanziger. Gespielt wird nun aber doch in den Bezirksverbänden Dresden und Chemnitz.

1. FC Lok Leipzig droht Ausschluss

Reichenbach stellte klar, dass dem 1. FC Lok Leipzig ein Ausschluss aus seiner Spielklasse droht. "Wir müssen überlegen, ob wir es uns auf Dauer erlauben können, so einen Verein in so einer Spielklasse zuzulassen", erklärte Reichenbach: "Das muss auch den Fans klar werden, wenn sie das nicht akzeptieren, müssen wir den Verein in dieser Liga eliminieren."

Der DFB-Sicherheitsbeauftrage Helmut Spahn kündigte schnellstmöglich zudem neue Sicherheitsrichtlinien auch für die unteren Ligen an. Dabei würde es um bundesweite Stadionverbote und konsquente Anzeige durch die Vereine gegen die betroffenen Personen bei Verstoß gegen das Hausrecht gehen.

Staatsanwaltschaft verspricht "zügige Anklage"

Eine "zügige Anklage" versprach auch die Staatsanwaltschaft gegen drei Tatverdächtige. Laut des Sprechers der Leipziger Behörde, Staatsanwalt Ricardo Schulz, könne dies schon in ein bis zwei Wochen der Fall sein. Gegen drei Rowdies wird derzeit wegen schweren Landfriedensbruch ermittelt. Der Gesetzgeber sieht bei einer Verurteilung als Strafmaß eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor.

"Der Tatverdacht liegt vor, aber einen Haftgrund haben wir nicht gesehen", begründete Schulz die schnellen Freilassungen, die in der Öffentlichkeit für Empörung gesorgt hatten. Die drei Leipziger seien nicht vorbestraft und beruflich gebunden. Zwei weitere Personen, deren Personalien aufgenommen wurden, gehörten bereits nach Auffassung der Polizei nicht zum Täterkreis.

Oberbürgermeister Jung denkt über Stadionschließung nach

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, der Hausrecht für das marode Bruno-Plache-Stadion besitzt, konnte sich noch nicht zu harten Maßnahmen durchringen. "Wir denken über eine Schließung des Stadions mit Blick auf öffentliche Sicherheit und Ordnung nach", sagte er dem sid. Dies sei zwar keine Lösung, aber ein Instrument zum zeitweiligen Innehalten.

Zwanziger will prüfen lassen, ob die Satzung so verändert werden darf, dass der Deutschen Fußball-Bund (DFB) in solchen Fällen künftig direkt einschreiten kann. Der diesmal verantwortliche Oberholz wollte den konkreten Fall noch nicht bewerten. Schließlich würden die verschiedenen Berichte bisher nicht vorliegen, bis Donnerstag nächster Woche soll dies geschehen. Dann werde er den Termin der mündlichen Verhandlung festlegen.

Während der Partie hatte es Tumulte gegeben. Nach dem Abpfiff griffen dann rund 800 Gewalttäter in Stadionnähe die Polizei an, 36 Beamte wurden verletzt. Es fiel ein Warnschuss, ein Polizist wurde mit einer Schreckschusspistole verletzt.

Der Frust bei der Polizei sitzt tief. Entgegen der Eigendarstellung war der Klub keineswegs frei von Fehlverhalten. Matthias Kubitz, Chef der Polizei-Gewerkschaft in Sachsen, verwies auf völlig unzureichende Sicherheitskontrollen des Vereins. Einige Ordner stünden den Beamten bei Auswärtsspielen als Hooligans gegenüber, erklärte Kubitz. Da werde der Bock zum Gärtner gemacht.

© SID

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