Fußball National
"Ungewohnte Aufgabe" für Daum bei Behinderten-WM

Genau 50 Tage nach der "großen" WM erfolgt heute in Duisburg der Anstoß zum Turnier der Menschen mit geistiger Behinderung. Unterstützt wird die Veranstaltung unter anderem von Christoph Daum und Rudi Völler.

Für Christoph Daum war der neue Job "eine Selbstverständlichkeit". Auf den Stuhl der "echten" Nationalmannschaft hat er es zwar nicht geschafft, aber bei der 4. Fußball-WM der Menschen mit geistiger Behinderung nimmt der derzeit vereinslose Motivator als Assistenzcoach neben Cheftrainer Willi Breuer Platz. "Er geht diese ungewohnte Aufgabe mit großer Begeisterung an und wird uns sicherlich helfen", erklärte Breuer vor dem heutigen Eröffnungsspiel in Duisburg (12.15 Uhr) sichtlich stolz. Denn 50 Tage nach der "großen" WM gibt sich die deutsche Fußball-Prominenz nun beim kleinen Bruder ein Stelldichein.

Unterstützung auch von Völler und Calmund

Neben Daum haben auch Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler und Bayer Leverkusens früherer Geschäftsführer Reiner Calmund ihre Unterstützung zugesagt. Beide wollen mit vollem Einsatz dazu beitragen, dass die 4. WM des Weltverbandes Inas-FID ein Erfolg wird. Ein Bronzeguss von Völlers rechtem Fuß wurde im Vorfeld bereits medienwirksam versteigert, "Calli" rührte bei den Sponsoren und als Repräsentant gewohnt wortgewaltig die Werbetrommel für die "andere Nationalelf".

Denn der Bekanntheitsgrad des Behindertensports lässt immer noch zu wünschen übrig. Trotz der über 24 000 kostenlosen Karten, die für das Auftaktduell mit Japan in der MSV-Arena verteilt wurden. "Soviel Interesse, meine Spieler wissen kaum, wie sie damit umgehen sollen", erklärt Breuer. Und Kapitän Guido Skorna, der zuletzt den Sprung zum Verbandsligisten Rhenania Eschweiler geschafft hat, ergänzt: "Wir sind es gewohnt, vor nur 100 oder 200 Zuschauern zu spielen. Ich habe richtige Bauchschmerzen."

Die Magenprobleme werden auch nicht davon verschwinden, dass sich zwei besondere Ehrengäste angesagt haben: Bundespräsident Horst Köhler wird die Eröffnungsformel sprechen, ehe Schlagerbarde Guildo Horn ein Ständchen bringt.

Doch die Nervosität seiner Schützlinge ist Breuers geringstes Problem, er muss einen völlig heterogenen Kader zu einer Einheit formen. "Einige Spieler sind bei Vereinen in den regulären Spielbetrieb integriert, andere spielen nur in ihren Einrichtungen Fußball. Und im Training muss alles doppelt und dreifach erklärt werden, bis sie es verstehen." Und das meint Breuer nicht im geringsten böse.

Breuer: "Wir wollen ins Halbfinale"

Maximal 75 darf der Intelligenzquotient der Nationalspieler betragen - die Weltgesundheitsorganisation WHO kontrolliert. Dieses Handicap bringt eine ganz andere Art der Trainingsarbeit mit sich. Taktiktafeln sind beinahe ausgeschlossen, die Abstimmung der Viererkette nimmt extrem viel Zeit in Anspruch.

Breuer erklärt alles mit Engelsgeduld und formuliert das Turnierziel: "Wir wollen ins Halbfinale. Das haben wir bei allen Weltmeisterschaften erreicht", sagte Breuer, der als Jugendtrainer beim 1. FC Köln auch Lukas Podolski formte. Neben der Begegnung mit Japan trifft die deutsche Elf in der Vorrunde auf Nordirland (4. September, Lippstadt) und Russland (7. September, Bielefeld). Das Finale wird am 16. September in der Leverkusener Bayarena ausgetragen. 16 Nationen kämpfen in 48 Spielen und 41 Städten um den begehrten Titel, Titelverteidiger und Topfavorit ist England.

© SID

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