Fußball National
"Uns Uwe" wird 70

Hamburgs populärster Ehrenbürger, Uwe Seeler, feiert heute seinen 70. Geburtstag. Dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft wird von "seinem" Hamburger SV ein Fest mit 500 Gästen bereitet.

Uwe Seeler feiert heute seinen 70. Geburtstag und Freunde und Fans wollen "Uns Uwe", wie ihn alle liebevoll nennen, gratulieren. Darunter Menschen, die er nie kennengelernt hat, für die der Hamburger aber ein Idol war und ist dank seiner bodenständigen Art. Zahlreich sind seine Verdienste und Auszeichnungen, aber der "Dicke" ist stets normal geblieben, mag ein Bierchen oder zwei und schnackt mit jedem. "Popularität war nie ein Grund abzuheben", sagt er, "es ist mein Naturell, mich mit allen Leuten zu unterhalten."

Seine Wurzeln als Sohn eines Hafenarbeiters hat er nie vergessen. Von seiner Mutter bekam er den Hintern versohlt, wenn beim Buffen mal wieder die Schuhe kaputt gegangen waren. "Damals haben wir ja nicht mit Fußbällen gespielt, sondern das waren Ostereier", erinnert er sich an seine Anfänge. Mit neun Jahren wurde er von seinem Vater Erwin, ebenfalls in Hamburg ein Fußballstar, beim Hamburger SV angemeldet und hat den Klub nie verlassen.

Bis heute fiebert er auf der Tribüne mit, wenn "seine" Mannschaft spielt und leidet in dieser Krisenzeit. Steter Einsatz, auch wenn es mal nicht so lief, und Vereinstreue, dafür stand Seeler und das vermisst er manchmal bei der heutigen Profigeneration. "Teilweise sind mir die Spieler zu mutlos, da muss man mehr beißen", meint der ehemalige Torjäger, "der eine oder andere scheint diese Fähigkeit nicht mitzubringen."

Populärste Hsvler seit 1 887

500 Gäste sind zur Geburtstagsfeier heute morgen eingeladen, die der Verein für seinen bekanntesten und beliebtesten Spieler im luxuriösen VIP-Zelt an der Arena ausrichtet. "Er ist der größte und populärste Hsvler seit der Vereinsgründung 1 887", sagt Aufsichtsratschef Udo Bandow, der eine Laudatio auf Seeler halten wird.

Es wird ein Stelldichein der deutschen Fußball-Prominenz, alle wollen sie dabei sein und dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft die Hand drücken. Von DFB-Präsident Theo Zwanziger bis zum alten Spezi Franz Beckenbauer. Seine Kumpels von den "Schneeforschern", vor allem aber die drei Töchter mit ihren Familien und natürlich Ehefrau Ilka, mit der er seit 1959 glücklich verheiratet ist.

Wünsche? Hat er eigentlich keine mehr. Außer Gesundheit. "Das ist das Wichtigste, wenn man eine Sieben vorneweg schreibt", sagt der "Dicke", "ich möchte gesund und munter noch viele schöne Jahre haben und noch viel erleben." Optimistisch nach vorne zu schauen war halt stets seine Art und Seeler ist tatsächlich ein glücklicher Mensch, der in der Rückschau voller Überzeugung erklärt: "Ich bin zufrieden damit, wie ich in meinem Leben entschieden habe. Ich würde alles wieder genau so machen."

Also auch das Millionen-Angebot von Inter Mailand ablehnen, über das 1961 drei Tage lang die ganze Stadt diskutierte, zitterte und hoffte, dass Uwe "uns" bleiben würde. 1,5 Mill. Mark hätte er in drei Jahren verdienen können. Doch darum ging es ihm nicht allein. Seeler war und ist ein anderer Charakter, als viele der heutigen Kick-Söldner. "Sie sind nicht der Typ, der in einem anderen Land zurecht kommt", erklärte ihm Bundestrainer Sepp Herberger, und Seeler glaubte dem "Chef".

"Hamburg schönste Stadt der Welt"

Von 1995 bis 98 war er sogar Präsident des Vereins. Ein Fehler, wie er heute sagt. Immerhin hat er den Bau des Stadions mit eingeleitet, vor dem ein fünf Meter hoher Abdruck seines rechten Fußes als Denkmal steht. "Hamburg ist für mich die schönste Stadt der Welt", erklärt er seine Heimatverbundenheit. Deutscher Meister wurde er 1960, hat an vier Weltmeisterschaften zwischen 1958 und 72 teilgenommen und insgesamt 72 Länderspiele bestritten.

Seeler war dreimal Fußballer des Jahres (1960, 64, 70), ist seit 1972 Ehrenspielführer der Nationalmannschaft und wurde 1970 als erster Sportler mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seit drei Jahren ist er als einziger Sportler auch Ehrenbürger seiner Heimatstadt Hamburg.

Am 7. November ist er bei Bundespräsident Horst Köhler in Berlin eingeladen. Regierung und Bürgerschaft der Hansestadt ehren ihren wohl beliebtesten Sohn am 13. November mit einem Empfang für 20 Gäste im Gästehaus des Senats. "Er hat die Menschen nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen begeistert, sondern auch durch seine Bodenständigkeit und sein soziales Engagement beeindruckt", erklärte Bürgermeister Ole von Beust.

© SID

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