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Urteilsverkündung gegen Hoyzer und Co. steht bevor

Nach der abgeschlossenen Beweisaufnahme im Wettskandal sollen die Beteiligten um Ex-Referee Robert Hoyzer am kommenden Donnerstag ihr Urteil erfahren. Das Verfahren gegen Ex-Profi Steffen Karl wird jedoch fortgesetzt.

Die im Wettskandal involvierten ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer und Dominik Marks sowie die als Drahtzieher geltenden Ante Sapina und seine Brüder Milan und Filip werden aller Voraussicht nach am kommenden Donnerstag ihre Urteile empfangen. Das Verfahren gegen Ex-Profi Steffen Karl, der als einziger der sechs Angeklagten nicht geständig war, wird hingegen gesondert fortgesetzt und soll ab dem 22. November (10 Uhr) im Landgericht weiter verhandelt werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor beantragt, auch den Fall Marks gesondert zu verhandeln, da dieser in seiner Stellungnahme am 8. Prozesstag einen undeutliches Bild von seiner Beteiligung im Wettskandal gezeichnet habe. Marks gab zu, insgesamt 36 000 Euro von Ante Spani erhalten zu haben, allerdings nie ein Spiel manipuliert zu haben. "Das war ein juristischer Slalom nach dem Motto "Wasch mich, mach mich aber bitte nicht nass"", hatte der Staatsanwalt süffisant angemerkt. Richterin Gerti Kramer ließ sich jedoch nicht beeindrucken und gab dem Antrag nicht statt.

Beweisaufnahme bei Hoyzer und den Sapina-Brüdern ist abgeschlossen

Während im Falle Hoyzer und der Sapina-Brüder die Beweisaufnahme abgeschlossen ist, deutete die Staatsanwaltschaft an, im Falle Marks so genannte Hilfsbeweisanträge stellen zu wollen. Das scheint auch nötig, blieben die Aussagen von Marks doch äußerst diffus. Der frühere Referee aus Stendal bestätigte, dass Ante Sapina ihm für die Regionalliga-Partie Hertha BSC Berlin Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure (2:1) am 11. August 2004 6 000 und für die Zweitliga-Partie Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg (0:3) am 3. Dezember 2004 30 000 Euro gezahlt habe.

"Für mich kam ein Spieleingriff weder in der Form frei erfundener Entscheidungen noch eine einseitige Auslegung von 50:50-Entscheidungen nicht in Frage", beteuerte der gelernte Wirtschaftsprüfer-Assistent in der von seiner Anwältin verlesenen Einlassung. Fragen des Gerichts gestattete Marks nicht, wie seit Beginn des Prozesses starrte er meist unbeteiligt vor sich hin. Er ließ darauf hinweisen, dass seine berufliche Zukunft auf dem Spiel stünde und er um seine wirtschaftliche Zukunft bangen müsse.

"Wir hoffen, dass wir mit einer Bewährungsstrafe hinkommen", meinte seine Anwältin Astrid Koch. Den Vorwurf des Gerichts des bandenmäßigen Betruges sah Koch nicht gegeben: "Ich weiß nicht, wo hier eine Bande gewesen sein soll." Nicht bestätigen wollte Marks, ob es eine zusätzliche Zahlung von 40 000 Euro von Ante Sapina gegeben habe. Sapina wies am Donnerstag erneut auf die Zahlung hin.

Drahtzieher Ante Sapina hofft auf reduziertes Strafmaß

Der kroatische Drahtzieher des Skandals kann unterdessen auf ein reduziertes Strafmaß hoffen. "Eine erhebliche Minderung der Schuldfähigkeit ist nicht auszuschließen", meinte der Berliner Suchtexperte Dr. Werner Platz, der als Gerichtspsychiater Ante Sapina in sieben Sitzungen untersucht und eine durch die Spielsucht entstandende "große Persönlichkeitsveränderung" festgestellt hatte. Sapina habe keine tragfährigen Beziehungen zu anderen Menschen mehr führen können. Ein in diesem Fall typischerweise bei Spielsüchtigen auftretendes hohes Maß an Kreativität habe dazu geführt, so Platz, dass zu dem Wettspielen schließlich das Manipulieren von Fußballspielen gekommen sei.

Das Verfahren gegen Steffen Karl steuert keinem raschen Ende entgegen. Wie sein Anwalt Andreas Bartholome mitteilte, werden zusätzliche Beweisaufnahmen und Zeugenbefragungen nötig. "Ich denke da an einige Spieler wie Torsten Bittermann und Markus Ahlf", sagte der Jurist. Jetzt müssen die Spiele mit Karl-Beteiligung gründlich angeschaut und analysiert werden, ob eine Manipulation vorgelegen habe.

© SID

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