Fußball National
Zwanziger zieht ernüchternde Jahresbilanz

Mit einer ernüchternden Jahresbilanz hat Theo Zwanziger das Fußball-Jahr 2009 beendet. Neben dem Enke-Selbstmord beschäftigt den DFB-Boss unter anderem die Homophobie im Fußball.

Der Selbstmord von Nationalkeeper Robert Enke, der neue Wettskandal und der offenbar vergebliche Kampf gegen Homophobie im Fußball - DFB-Präsident Theo Zwanziger hat trotz der gelungenen Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika eine ernüchternde Jahresbilanz gezogen.

"Der Fußball steht gerade zum Jahresende hin unter dem Eindruck zweier Ereignisse. Da ist zum einen der Tod von Robert Enke, und da ist zum anderen natürlich auch der Wettskandal", sagte der DFB-Boss in einem gemeinsamen Interview des Kölner Stadtanzeigers und der Frankfurter Rundschau.

"Ich ringe noch immer um Worte"

Vor allem der Selbstmord von Hannovers Keeper Enke am 10. November lässt Zwanziger an Weihnachten nicht los. "Ich ringe noch immer um Worte, die erklären könnten, warum ein Mensch, der von den Fans und Kollegen so geschätzt wird wie Robert Enke, sich das Leben nimmt, weil er glaubt, nicht mehr Fußball spielen zu können", sagte Zwanziger.

Trotz der Tragödie ist Zwanziger eigenen Angaben zufolge aber nie davon ausgegangen, dass in der Fußball-Gesellschaft tatsächlich ein Umdenken stattfindet: "Ich habe jedenfalls nicht damit gerechnet, dass man nun im Fußball zur Mutter Teresa wird. Trotzdem erhoffe ich mir, dass der tragische Tod von Robert Enke nachdenklich stimmt. Aber ich bin auch Realist: Es wird unsere Gesellschaft allenfalls ganz, ganz wenig beeinflussen."

Stark beeinflusst hat den Fußball zum Jahresende der neuerliche Wettskandal. Kopfzerbrechen bereitet dem DFB-Boss, dass wie vor fünf Jahren im Fall Hoyzer offenbar erneut Referees in die Betrügereien verwickelt sind. "Leider ist auch, wie wir jetzt aktuell wissen, das Schiedsrichterwesen betroffen, was immer besonders schlimm ist, weil hier der Anspruch auf Unparteiischkeit beschädigt wird", sagte Zwanziger.

Allerdings weiß auch Zwanziger, dass die Manipulationen von angeblich 32 Spielen von der 2. Liga abwärts kaum nachzuweisen sind. "Was bleibt übrig? Manipulation in 32 deutschen Spielen wird kaum zu beweisen sein. Besorgniserregend ist - das habe ich beim Studium der Akten gemerkt - die ungeheure Kriminalität, die sich aus diesen organisierten Banden auf den Fußball hin auswirkt. Ich hätte das nicht für möglich gehalten, dass so minutiös strukturiert versucht wird, mittel- und langfristig Fußballklubs zu unterwandern", sagte Zwanziger.

Kampf gegen Homophobie

Ein wichtiges Anliegen ist dem DFB-Boss auch weiter der Kampf gegen Homophobie im Profifußball. Nach Angaben des 64-Jährigen gehen homosexuelle Profis allerdings auch aus finanziellen Gründen mit ihrer Neigung nicht an die Öffentlichkeit. "Ich habe in letzter Zeit mit einigen Leuten geredet, die in dieser Situation sind, und sie haben mir vermittelt, weshalb sie sich nicht outen wollen. Es hängt damit zusammen, dass für einen Homosexuellen im Fußball die persönlichen Bindungen, die Freude am Sport und auch das Geldverdienen verloren gehen können, wenn er sich outet", sagte Zwanziger.

Zwanziger hatte sich zuletzt für Outings homosexueller Fußballer ausgesprochen. Nach intensiven Gesprächen mit betroffenen Profis hat beim DFB-Boss aber ein Umdenken eingesetzt: "Der erste Homosexuelle, der sich im Profifußball outet, wird keinen leichten Weg zu gehen haben. Ich habe geglaubt, das kann nicht sein. Denn in Politik, Kunst und Kultur ist das ja gar kein Problem mehr. Auch der Amateurfußball geht inzwischen besser damit um. Aber der Profifußball ist da offenbar noch einmal fester gefügt."

© SID

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