Fußball Nationalmannschaft
Adlers Absturz geht weiter

Joachim Löw hat Rene Adler nach seiner Verletzungspause wieder ins DFB-Team berufen. Auf einen Einsatz muss der 25-Jährige aber mindestens bis zum Spiel gegen Schweden warten.

Anfang August wartete Rene Adler vergeblich auf den Anruf von Joachim Löw, Ende der Monats meldete sich der Bundestrainer dann doch noch beim Torwart von Bayer Leverkusen. Nachdem Löw auf den 25 Jahre alten Keeper für das erste Saison-Länderspiel in Dänemark verzichtet hatte, wurde Adler nach seiner langen Verletzungspause für die beiden EM-Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Belgien und gegen Aserbaidschan berufen.

"Darüber freue ich mich sehr, aber irgendwann will ich auch wieder für Deutschland spielen," sagte der gebürtige Leipziger kurz nach seiner Einladung. Dass es frühestens im November beim Freundschafts-Länderspiel in Göteborg gegen Schweden wieder beim WM-Dritten zwischen den Pfosten stehen wird, hatte er sicher nicht gedacht.

Trotz der verpassten WM, auf die er wegen eines Rippenbruchs verzichten musste, hatte sich Adler gute Chancen ausgerechnet, seinen zuvor erreichten Status als Nummer eins zu bestätigen. Doch spätestens seit Mittwoch weiß er, dass sich auf absehbare Zeit mit der Reservistenrolle begnügen muss, gleichgestellt mit dem Bremer Tim Wiese. Löw hatte bis kurz vor dem Anpfiff in Brüssel noch offen gelassen, ob Wiese oder Adler als Reservetorwart gegen Belgien auf der Bank sitzt. Klar war aber, dass Adler eines der beiden Spiele nur von der Tribüne aus verfolgen musste. Am Freitag im König-Baudouin-Stadion musste er in den sauren Apfel beißen.

Neuer etablierte sich in Südafrika

Für Rene Adler ein brutaler Absturz, nachdem Löw ihn vor der WM zur Nummer eins gemacht hatte. Da Neuer aber in Südafrika die Gunst der Stunde genutzt hatte, entschied sich Löw in Absprache mit Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, dem Schalker Schlussmann auch in der EM-Qualifikation für 2012 das Vertrauen zu schenken. Und dass Wiese, der sich trotz seiner manchmal impulsiven Art am Kap äußerst loyal verhalten hatte, ebenfalls einen kleinen Vorsprung hat, ist Adler bewusst.

"Ich muss das akzeptieren, die beiden waren ja auch bei der WM dabei", sagte er zerknirscht, als er von seiner Nichtnominierung für das Dänemark-Spiel erfahren hatte. "Bei allem Respekt vor den anderen Torhütern - in Zukunft geht es nur um die Frage Adler oder Neuer", meinte zwar Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, aber Löw sieht das anders.

Und das nicht erst seit der 3:6-Heimschlappe der Werkself am vergangenen Sonntag im Prestigederby gegen Borussia Mönchengladbach, als Adler bei drei Gegentoren eine schlechte Figur gemacht hatte. Dies habe für seine Entscheidung keine Rolle gespielt, versicherte Löw.

Deutschlands Torhüter-"Luxusproblem"

Der Bundestrainer stellte zudem klar, dass Deutschland in Sachen Torhüter ein "Luxusproblem" habe, was für Adler die Sache aber nicht leichter macht. Zwar verlor der Bayer-Keeper nach der Bekanntgabe der neuen Hierarchie im deutschen Tor kein Wort, aber innerlich muss es in dem ehrgeizigen Ballfänger brodeln, auch wenn der Bundestrainer mit Blick auf die Wochen vor der WM meinte: "In zwei Jahren passieren ja viele Dinge." Dass Neuer aber im Normalfall die nächsten Jahre die deutsche Nummer eins ist, betonte Löw ebenso: "Es waren Manuels erste wichtige Länderspiele, und er hat seine Sache ausgezeichnet gemacht", begründete Löw den Wechsel und fügte an: "Wir gehen davon aus, dass er seine Leistung weiter bringen wird."

Adler muss sich entsprechend in sein Schicksal fügen. Er weiß selbst am besten, dass Torleute mehr als Feldspieler von Verletzungen oder Sperren ihrer Konkurrenten profitieren. Im Februar 2007 absolvierte er für den gesperrten Jörg Butt, der im Sommer kurioserweise für Adler ins WM-Aufgebot gerückt war, sein erstes Bundesligaspiel für Bayer gegen Schalke 04. Nach einer überragenden Leistung verdrängte er Butt als Stammtorhüter.

Nachdem der frühere Junioren-Nationalspieler 2008 neben Jens Lehmann und Robert Enke in den EM-Kader berufen worden war, debütierte er am 11. Oktober 2008 im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (2:1) bei der A-Mannschaft. Enke, der sich im vergangenen Jahr das Leben nahm, hatte sich kurz zuvor im Training verletzt.

© SID

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