Fußball Nationalmannschaft
Ballack: „Werden Aufgaben gemeinsam anpacken“

Monatelang hat der Disput zwischen Kapitän Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw sowie Teammanager Oliver Bierhoff die Fußball-Nation in Atem gehalten - zwei Tage vor dem Auftakt ins Länderspiel-Jahr 2009 wurde endgültig ein Schlussstrich unter die leidige Geschichte gesetzt.

"Das Thema ist völlig abgehakt, die Probleme längst ausgeräumt", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Länderspiel am Mittwoch (20.30 Uhr/live in der ARD) in Düsseldorf gegen Norwegen demonstrativ und klammerte auch bei seiner "Neujahrsansprache" an das Team die Querelen des letzten Jahres bewusst aus.

Auch Bierhoff und Ballack waren um eine lockere Atmosphäre bemüht. "Es gibt keine Probleme mehr. Das erkennt man auch an den Aussagen von Michael. Unser Verhältnis ist völlig entspannt. Wir haben uns beim Treffpunkt sogar herzlich begrüßt", betonte Bierhoff nach der Vorstellung der neuen Datenbank für die DFB-Auswahl.

"Es ist nichts hängengeblieben"

"Es ist nichts hängengeblieben", erklärte auch Kapitän Ballack am Montag in Düsseldorf. Er bereue zwar nichts von seiner Kritik, "aber ich habe niemandem geschadet. Wir werden weiter alle an einem Strang ziehen, die Aufgaben gemeinsam anpacken und versuchen, unsere Spiele zu gewinnen."

Allerdings hat Löw klare Erwartungen an den 32 Jahre alten Ballack, aber auch an Routinier Torsten Frings, die beide mit ihrer öffentlichen Kritik die zuvor heile Welt der Nationalmannschaft gehörig ins Wanken gebracht hatten. "Gerade diese Führungsspieler brauchen gute Leistungen, um diesen Status aufrechtzuhalten. Und sie müssen zeigen, dass sie in der Lage sind, vor allem in schwierigen Situationen die jungen Spieler mitzureißen, sie zu führen und ein starker Rückhalt zu sein", sagte Löw.

Dass Ballack nicht erneut Öl ins Feuer gießen wollte, verdeutlichte vor dem Norwegen-Spiel auch seine diplomatische Antwort auf die Frage, mit wem er am Mittwoch am liebsten im Mittelfeld zusammenspielen würde. "Ich habe keine Wünsche. Das ist Sache des Trainers, da muss man abwarten", sagte der 89-malige Nationalspieler, der sich zuletzt immer wieder für seinen Kumpel Frings stark gemacht hatte.

WM-Quali hat oberste Priorität

Vielmehr hob Ballack, der zuletzt im November beim 1:2 gegen England gefehlt hatte, die sportlichen Ziele für dieses Jahr ohne Welt- oder Europameisterschaft hervor: "Oberste Priorität hat die Qualifikation für die WM. Wir haben gut begonnen, aber noch nichts erreicht. Wir wollen die nächsten Monate so angehen, dass wir alle Spiele gewinnen wollen."

Dabei sieht er als "Highlight" vor allem den Doppelspieltag im Oktober mit den Qualifikationsspielen zur WM 2010 in Südafrika in Russland (10.10.) und gegen Finnland (14.10.). "Das wird entscheidend sein", meinte der DFB-Kapitän, nahm aber gleichzeitig seine Kollegen für den Test gegen die Norweger in die Pflicht: "Man schielt zwar auf die Qualifikation, darf aber auch die Hausaufgaben nicht vergessen. In solchen Spielen ist 100-prozentiges Engagement gefragt. Ich muss mir die Frage stellen, warum ich mir in so einem Spiel den Arsch aufreißen muss."

Seine konkreten Vorstellungen machte auch Löw den 20 in Düsseldorf versammelten Nationalspielern deutlich. Es sei eine Einstimmung auf die Frage "nach unserer Zielsetzung. Über allem steht die WM-Qualifikation, doch es geht auch um die Weiterentwicklung unseres Spiels". Dabei heizte der Bundestrainer auch noch einmal den Konkurrenzkampf an: "Das ist ein wichtiger Punkt in unserem Konzept. Dem unterliegt jeder Spieler, egal welchen Alters."

Özil und Beck können auf Einsatz hoffen

Gegen Norwegen sollen die Neuen Mesut Özil von Werder Bremen und Andreas Beck (Hoffenheim) den Etablierten Druck machen. Assistent Hansi Flick kündigte bereits an, dass angedacht sei, "beide spielen zu lassen. Wir wollen sehen, wie sie sich präsentieren". Ob Beck und Özil sogar zur Startformation gehören, wollte Flick aber noch offen lassen.

Löw machte auf jeden Fall deutlich, dass er auch künftig nicht davor zurückschrecken würde, einen etablierten Spieler wie etwa Frings auf die Bank zu setzen: "In meiner Trainerzeit habe ich immer nur Entscheidungen getroffen, von denen ich in dem Moment absolut überzeugt war. Und dabei bleibt es. Entscheidend ist die Form."

Diese werde auch darüber entscheiden, wer am Mittwoch zwischen den Pfosten steht. Dabei muss sich der Bundestrainer zwischen dem zuletzt schwächelnden Rene Adler und Tim Wiese entscheiden.

© SID

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