Fußball Nationalmannschaft
Bierhoff: "Dies ist keine Lustreise"

Vor der Asien-Reise der Nationalmannschaft erklärt Manager Oliver Bierhoff im SID-Interview die Vermarktung des deutschen Fußballs "mit der Nationalmannschaft als Aushängeschild".

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff spricht im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) über Asiens Relevanz für den deutschen Fußball, die Ausfälle von Ballack und Klose im deutschen Team und den Wert der anstehende Reise für Südafrika.

SID: "Oliver Bierhoff, wie groß ist die Bedeutung des asiatischen Marktes für den deutschen Fußball?"

Oliver Bierhoff: "Dieser Markt ist auch für den deutschen Fußball sehr wichtig. Wir haben im Vergleich zur Premier League in Asien Aufholbedarf. Wir wollen den deutschen Fußball weltweit gut repräsentieren. Die Auslandsvermarktung ist auf jeden Fall ein Punkt, in dem noch Steigerungsmöglichkeiten da sind."

SID: "Was muss passieren, dass der deutsche Fußball in Asien im Vergleich zur Premier League aufholt?"

Bierhoff: "Es darf keiner glauben, dass es mit einer Aktion getan ist. Es bedarf vieler Aktionen vor Ort, wir müssen präsent sein, auch mit der Nationalmannschaft als Aushängeschild des deutschen Fußballs. Die Liga hat mit der Gründung ihrer eigenen Gesellschaft für die Auslandsvermarktung einen wichtigen Schritt gemacht und damit auch ein deutliches Signal gesetzt."

SID: "Ist das ausreichend?"

Bierhoff: "Ganz wichtig neben der Zugängigkeit des Fußballs durch die TV-Vermarktung ist natürlich der sportliche Aspekt. Die Bundesliga hat jetzt schon den großen Vorteil von Top-Stadien, die immer ausverkauft sind. Vielleicht gelingt es unseren Vereinen noch, durch die Verpflichtung des ein oder anderen international bekannten Spieler weitere Anreize zu schaffen und die Attraktivität der Liga damit weiter zu erhöhen."

SID: "Was ist in Shanghai und Dubai geplant, um auf den deutschen Fußball aufmerksam zu machen?"

Bierhoff: "Wir bestreiten nicht nur die beiden Länderspiele. Wir organisieren gemeinsam mit der Liga in beiden Ländern einen Empfang, an dem wichtige Gäste und Geschäftspartner dabei sein werden. Wir wollen die Kontakte weiter pflegen, sei es bei der Fernsehvermarktung oder beim Merchandising. Wir wollen als Nationalmannschaft dazu beitragen, dass die Bundesliga in Asien noch interessanter wird."

SID: "Werden auch die Nationalspieler bei den Empfängen dabei sein?"

Bierhoff: "Auch wenn die Empfänge jeweils am Abend vor dem Länderspiel sind, werden unsere Nationalspieler nach dem Abschlusstraining zu der gemeinsamen Gala von DFB und DFL kommen. Die Spieler sollen den Gästen vorgestellt werden, wir wollen uns zeigen. Dies soll ein klares Zeichen sein, wie wichtig uns die Reise ist und dass wir uns der Verpflichtung auf jeden Fall bewusst sind. In China werden außerdem die dort sehr populäre Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann und der in Asien seit der WM 2002 bei den Fans hoch im Kurs stehende Oliver Kahn als Mitglieder unserer Delegation an dem Empfang teilnehmen."

SID: "Wie wichtig wäre es für das Image in Asien, die komplette Mannschaft zur Verfügung zu haben?"

Bierhoff: "Wir haben natürlich einige Ausfälle. Aber wir können immer noch ein sehr attraktives Team aufbieten, mit dem wir auch in einem wichtigen WM-Qualifikationsspiel gute Siegchancen hätten. Es sind bis auf Miroslav Klose alle Stammspieler der Nationalmannschaft dabei, die bei den Bundesligateams von Platz eins bis acht unter Vertrag stehen. Natürlich ist das Fehlen von Kapitän Michael Ballack sowie der Leverkusener und Bremer ein Verlust, aber wir können immer nur wiederholen, dass dies bei der Planung der Länderspiel-Reise von Anfang an klar war."

SID: "Wie schwer wiegt der Ausfall von Ballack?"

Bierhoff: "Das tut natürlich weh. Er ist unser Kapitän und Aushängeschild. Aber wir haben mit einem Schweinsteiger, einem Lahm, einem Podolski oder auch einem Gomez junge Spieler dabei, die in Asien für Begeisterung sorgen können."

SID: "Welchen Wert hat die Reise für Bundestrainer Joachim Löw?"

Bierhoff: "Der Wert ist besonders für die jungen Spieler groß. Ich kenne das von meiner aktiven Zeit, aber auch von der Asienreise unter Jürgen Klinsmann. Diese Reisen werden häufig im Vorfeld kritisiert. Aber im Nachhinein ist es einfach so, dass solche Reisen die Teams zusammengeschweißt und geprägt haben. Ich denke, dass diese Erfahrungen für die Spieler sehr wichtig sind. Es ist natürlich auch eine gute Möglichkeit für die Spieler, sich international außerhalb Europas zu präsentieren. Einige, die das erste Mal dabei sind, haben zudem die Chance, sich für weitere Einsätze und die WM zu empfehlen."

SID: "Oft hat es bei Länderspielen nach der Saison unliebsame Überraschungen gegeben. Sehen Sie die Gefahr bei dieser Reise?"

Bierhoff: "Die Gefahr besteht, wenn wir lustlos und ohne Engagement in diese Reise und in die Spiele gehen. Wir werden den Spielern aber von Anfang an klarmachen, dass dies keine Lustreise ist, dass wir den deutschen Fußball gut vertreten und trotz aller Reisestrapazen Euphorie und Spaß zeigen müssen."

SID: "Planen Sie für die Spieler auch ein kulturelles Programm?"

Bierhoff: "Die Zeit ist natürlich sehr knapp. Aber wir wollen den Spielern dennoch Land und Kultur näherbringen. Wir werden jeweils kurzfristig entscheiden, welches Angebot wir unseren Spielern für die Freizeit-Gestaltung machen."

SID: "Wie wichtig ist die Reise auch mit Blick auf Südafrika?"

Bierhoff: "Joachim Löw will den ein oder anderen Spieler noch einmal genau beobachten und Gespräche führen. Die Jungs sollen Erfahrungen sammeln."

© SID

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