Fußball Nationalmannschaft
DFB-Frauen mit junger Mannschaft zum Algarve Cup

Nationaltrainerin Silvia Neid hat aus der Not eine Tugend gemacht und für den heute startenden Algarve Cup viele junge Spielerinnen berufen. Fünf Stammkräfte fallen aus.

Am Dienstagvormittag lief bei den deutschen Fußballerinnen die Aktion "Jugend forscht" an: Beim ersten Training der Nationalmannschaft in Portugal vor dem Auftaktspiel des Algarve Cups heute gegen EM-Gastgeber Finnland (14.15 Uhr MEZ/live im ZDF) begrüßte DFB-Trainerin Silvia Neid gleich sieben Spielerinnen im Team des Weltmeisters, die 20 Jahre oder jünger sind.

Die Verjüngungskur war von Neid in dieser drastischen Form allerdings nicht beabsichtigt. Die Trainerin musste auf den Ausfall der fünf verletzten Stammkräfte Birgit Prinz, Kerstin Stegemann, Ariane Hingst, Annike Krahn und Simone Laudehr reagieren. Beim Europameister, der am Dienstagmorgen kurz nach Mitternacht sein Sporthotel in Albufeira bezogen hat, wird deshalb ein knappes halbes Jahr vor der EM (23. August bis 10. September) kräftig experimentiert.

"Wir werden viel ausprobieren"

"Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber wir spielen nicht ergebnisorientiert", sagte Neid vor den Gruppenspielen gegen Finnland, China (Freitag) und Schweden (Montag/alle um 14.15 Uhr MEZ live im ZDF) sowie dem abschließenden Platzierungsspiel am 11. März: "Wir werden viel ausprobieren und die Möglichkeit nutzen, vor allem die jungen Spielerinnen zu testen. Es ist wichtig zu sehen, wie sie auf hohem Niveau mit dem Tempo zurechtkommen."

Da Neid verstärkt auf Talente setzt, sah Petra Wimbersky keine sportliche Zukunft mehr für sich. Die 26-Jährige vom deutschen Meister 1. FFC Frankfurt erklärte ihren vorläufigen Rücktritt aus dem Nationalteam. "Trotz meiner 70 Länderspiele habe ich gespürt, dass ich in den perspektivischen Planungen der Trainerin keine entscheidende Rolle spiele", sagte die Weltmeisterin, die schon bei den Olympischen Spielen 2008 nicht dabei war und die für den Algarve Cup nur auf Abruf bereitstehen sollte.

Anstatt mit Wimbersky plant Neid mittlerweile eher mit den U20-Nationalspielerinnen Kim Kulig, Nicole Banecki, Bianca Schmidt und Katharina Baunach, die bei der zurückliegenden U20-WM Bronze holten. Die `jungen Wilden' könnten sich mit starken Auftritten in Portugal ihr EM-Ticket sichern. Schließlich hat die Trainerin des Rekord-Europameisters (sechs Titel) angekündigt, dass es bei der Nominierung nur auf die Leistung ankommen werde.

"Nur die Besten fahren zur EM - egal, ob alt oder jung", sagte Neid, die bei allen Planungen hinsichtlich der kontinentalen Titelkämpfe bereits die WM 2011 im Auge hat. "Die Jungen haben nun die Chance, sich zu zeigen und die Herausforderung anzunehmen. Wir schauen dabei natürlich auch schon in Richtung Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland", äußerte die 44-Jährige, die den behutsamen Umbruch der Mannschaft, die am vergangenen Mittwoch mit einem 1:1 gegen China ins EM-Jahr gestartet war, weiter voranbringen will.

"Finnland ist kampfstark, robust und kopfballstark"

Um die Nachwuchskräfte im Wettkampf unter die Lupe nehmen zu können, kommen Neid die völlig unterschiedlichen Gegner gerade recht. "Finnland ist kampfstark, robust und kopfballstark. Die Chinesinnen sind in der Abwehr diszipliniert und wendig. Schweden ist spielerisch stark, hat ein starkes Offensivtrio und ist zudem sehr zweikampfstark. Da ist vor allem unsere Abwehr gefordert', analysierte die 111-malige Nationalspielerin die Kontrahentinnen.

Außer den vier Teams in der deutschen Gruppe nehmen acht weitere Mannschaften an der 16. Austragung des Turniers teil. Neben dem Gastgeber sind Olympiasieger USA, Norwegen, Dänemark, Island, Polen, Wales und Österreich vertreten.

© SID

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