Fußball Nationalmannschaft
DFB-Kicker "drückt der Schuh"

Vor der Feuertaufe von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwochabend gegen Schweden herrscht Chaos im DFB-Lager. Unter anderem fordern die Nationalspieler, in den Schuhen ihrer persönlichen Ausrüster zu spielen.

Die eigene Premiere als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft hat sich Joachim Löw wohl anders vorgestellt. Zuerst erreicht eine Absage nach der anderen den Klinsmann-Nachfolger, dann herrschen Dissonanzen mit dem Sportdirektor und jetzt droht auch noch ein Boykott der Spieler. "Wir müssen die Gegebenheiten so hinnehmen wie sie sind. Ich habe diese Probleme lieber jetzt als Anfang September, wenn die EM-Qualifikation losgeht und der Ernst des Lebens beginnt", kommentierte Löw relativ gelassen das Chaos vor dem ersten Saisonspiel des WM-Dritten am Mittwochabend in Gelsenkirchen gegen Schweden (20.45 Uhr/live in der ARD).

Dass vor dem Abflug der DFB-Auswahl am Dienstagvormittag von Berlin aus nach Dortmund sich die Lage innerhalb der Mannschaft wegen des so genannten "Schuhkriegs" dramatisch verschärft hatte, musste aber auch Teammanager Oliver Bierhoff einräumen.

"Bis jetzt ist noch keiner abgereist, wir gehen davon aus, dass das Spiel stattfinden wird. Aber was morgen ist, weiß ich auch nicht", sagte der ehemalige DFB-Kapitän fast mit ratloser Miene. Am Dienstagnachmittag hatten die WM-Helden Bierhoff in Anwesenheit von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in aller Deutlichkeit erklärt, dass sie in der seit Wochen ausverkauften Veltins-Arena nur auflaufen, wenn sie in den Schuhen ihrer persönlichen Ausrüster spielen dürfen.

Freie Schuhwahl für alle

"Diese Forderungen und Diskussionen gibt es ja schon seit Jahrzehnten und hat uns auch in den vergangenen zwei Jahren begleitet. Fakt ist diesmal aber, dass sich die gesamte Mannschaft für eine freie Schuhwahl ausgesprochen hat", erklärte Bierhoff, dass es sich diesmal um eine völlig andere Dimension handelt.

Die Spieler selbst hatten sich in dieser Angelegenheit zwar einen Maulkorb verpasst, eine Abreise von WM-Torschützenkönig Miroslav Klose sowie weiteren Profis, die persönlich einen anderen Vertragspartner als DFB-Ausrüster adidas haben, schien aber nicht ausgeschlossen.

"Die Spieler wollen spielen und sie werden spielen. Aber ich habe Verständnis dafür, dass die Schuhe für einen Fußballer wichtiger als die Trikots sind", sagte allerdings der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger, der ebenso wie sein Amtskollege Mayer-Vorfelder, der noch bis zum 8. September für die Belange der Nationalmannschaft zuständig ist, den ganzen Dienstag um eine einvernehmliche Lösung bemüht war.

Gespräche auf höchster Ebene

"Die Gespräche laufen auf höchster Ebene zwischen dem Verband, adidas und auch der Liga", sagte Bierhoff, der trotz seiner Tätigkeit für den DFB selbst noch bis zum 31. Juli bei seinem langjährigen Ausrüster Nike als Repräsentant unter Vertrag stand und sich deshalb beim DFB-Sponsor adidas nicht nur Freunde gemacht hat.

Bei adidas-Boss Herbert Hainer liefen am Dienstag in der Firmenzentrale in Herzogenaurach jedenfalls die Telefondrähte heiß, weil seit den Morgenstunden mit den Vertretern des DFB permanent verhandelt wurde.

Hainer hatte zwar schon während der WM mit Bierhoff über dieses brisante Thema gesprochen, ob die Traditionsmarke mit den drei Streifen, die erst kürzlich den Vertrag mit dem DFB bis 2010 verlängert hatte, aber einer Aufweichung des Vertrages hinsichtlich der Schuhe zustimmt, war mehr als fraglich. Die Konkurrenzfirmen Nike und Puma aber auch Lotto sollen ihrerseits ihren Exklusiv-Partnern lukrative Prämien in Aussicht gestellt haben, wenn sie sich erfolgreich gegen das Schuhmonopol bei der DFB-Auswahl zur Wehr setzen.

"Das ist natürlich vor allem für den Trainer eine schwierige Situation", meinte Bierhoff, der anstelle von Löw am Dienstag vor die Presse getreten war, "wir hoffen aber alle auf eine friedliche Einigung". Sollte diese nicht zustande kommen und die Situation am Spieltag noch eskalieren, würden Löw alle Improvisationskünste, die er bei seiner Feuertaufe wegen der vielen Absagen ohnehin unter Beweis stellen muss, nichts mehr helfen.

© SID

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