Fußball Nationalmannschaft
Enke meldet Ansprüche an, Wiese ist nur Notstopfen

Robert Enke meldet deutliche Ansprüche auf die Nummer eins im Deutschen Tor an. Bundestrainer Joachim Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke wollen sich aber noch nicht festlegen.

Robert Enke ist nicht dafür bekannt, öffentlich Forderungen zu stellen. Nun hat der Anwärter auf die Nummer eins im Deutschen Tor seine Zurückhaltung abgelegt. Trotz der großen Konkurrenz will sich der 30-Jährige bis Mitte September einen entscheidenden Vorteil im Kampf um die Nummer eins in der deutschen Nationalmannschaft verschaffen. "Wenn ich mal zwei, drei Spiele hintereinander spiele und dann möglichst gut, wird das meine Chancen sicherlich verbessern", sagte der Schlussmann vor dem Länderspiel des Vize-Europameisters gegen Belgien und formulierte zugleich seine eigenen Ansprüche: "Ich will die Nachfolge von Jens Lehmann antreten."

Dass er bei diesem Unterfangen nun besonders im Fokus steht, wurde dem Keeper von Hannover 96, der auch in den beiden WM-Qualifikationsspielen am 6. September in Liechtenstein und 10. September in Finnland auf einen Einsatz hofft, bereits nach dem 0:3 zum Bundesliga-Auftakt bei Schalke 04 bewusst, als er von den Kritikern sein Fett abbekam. "Ich habe das zwar anders gesehen, aber damit kann ich leben, wenn man mir eine Teilschuld an der Niederlage gibt", sagte Enke und demonstrierte an der Seite von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke ein dickes Fell.

Löw sucht Mischung aus Kahn und Lehmann

Der Europameister von 1996 hielt sich aber ebenso wie Bundestrainer Joachim Löw mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika mit Prognosen noch zurück. "Dafür ist es jetzt noch zu früh. Wir haben viele gute Torhüter zur Auswahl", meinte Löw, dem als künftige Nummer eins eine Mischung aus Oliver Kahn und dem nach der EM zurückgetreten Lehmann vorschwebt: "Stark auf der Linie und gut mitspielen können."

Dieser moderne Torwarttyp wird in den kommenden Monaten gesucht. "Es ist jetzt unsere Aufgabe, bis zur WM 2010 die drei besten Torhüter zu finden. Die Tür ist für jeden offen - in alle Richtungen", erklärte Köpke, der in seinem Haus in Nürnberg einen Aktenordner stehen hat, in dem alle Stärken und Schwächen der Kandidaten sowohl im sportlichen als auch im menschlichen Bereich vermerkt sind. Bei der Bewertung der Torleute verlässt sich Köpke aber nicht nur auf seinen eigenen Eindrücke, sondern auch auf Expertisen der Sporthochschule in Köln.

Enke und Adler nicht im Europapokal - Vorteil für Neuer, Hildebrand und Wiese?

"Diese Zusammenschnitte sind sehr hilfreich", berichtete der 46-Jährige, der zudem klarstellte, dass Enke und der zurzeit verletzte Leverkusener Rene Adler wegen ihrer guten Trainingsarbeit während der EM einen Bonus hätten. Dies kann aber schnell verbraucht sein, denn "die aktuellen Leistungen in der Bundesliga und im Europacup werden genau registriert". Apropos Europacup: Enke und Adler können sich im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern Manuel Neuer, Timo Hildebrand oder auch Tim Wiese international mit ihren Klubs nicht präsentieren.

Dass müsse aber kein Nachteil sein, versicherte Köpke. Er und Löw wollen einige Zeit ins Land gehen lassen, ehe sie sich festlegen. "Wenn wir eine Nummer eins gefunden haben, dann werden wir dieser auch bedingungslos den Rücken stärken", kündigte der Bundestorwartrainer an, "wir wissen aber noch nicht, wann das sein wird."

Bei Wiese lässt Löw Gnade walten - Aussprache mit Hildebrand steht bevor

Festgelegt hat sich die sportliche Leitung, dass künftig bei längeren Zusammentreffen der DFB-Auswahl drei Torleute nominiert werden sollen. Dann könne man sich besser ein Bild machen, wie Köpke erklärte. Dass der Bremer Wiese, der für das Belgien-Spiel nachnominiert worden war, ebenso wie der vor der EM ausgemusterte Hildebrand eine weitere Chance bekommen, wollte Köpke nicht ausschließen. "Uns haben einige Äußerungen von Timo nicht gefallen", sagten Löw und Köpke, die in der kommenden Woche mit dem Keeper vom FC Valencia eine Aussprache planen. Erst danach kommt der frühere Stuttgarter wieder in Betracht.

Bei Wiese, der den Bundestrainer ebenfalls schon öffentlich an den Pranger gestellt und Kollegen miesgemacht hatte, ließ Löw mangels Alternativen Gnade vor Recht ergehen. Dass er aber nur ein Notstopfen ist, sollte dem Bremer bewusst sein. Mehr Hoffnungen darf sich da schon der Schalker Neuer machen, wenn er denn nach seiner Verletzung wieder eingreifen kann. "Vielleicht sind die jungen Torhüter nicht mehr so belastbar wie früher", scherzte Köpke angesichts der Ausfälle von Neuer und Adler. Dies wäre wieder ein Pluspunkt für Enke.

© SID

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