Fußball Nationalmannschaft
Flick: "Im Team hat jeder seine Aufgaben"

Als Assistent von Bundestrainer Joachim Löw agiert Hansi Flick bei der EM meist im Hintergrund. "Ich kann damit sehr gut leben. Bei uns im Team hat jeder seine Aufgaben", so Flick.

Hansi Flick hat es nicht leicht in diesen EM-Tagen. Jeweils einen Tag vor den Spielen muss der Assistent in Stellvertretung von Bundestrainer Joachim Löw live vor den Medien und einem Millionen-Publikum vor dem Fernseher in Tenero den Bericht zur Lage der deutschen Nationalmannschaft abgeben. Mit einem freundlichen "Hallo" begrüßt der 148-malige Bundesligaprofi stets seine Zuhörer, ehe er sich mit Plattitüden eine halbe Stunde über die Zeit retten muss.

Im Gegensatz zu seinem Chef, der diese Aufgabe bei der WM vor zwei Jahren souverän gelöst hatte, darf Flick rein gar nichts verraten, was von Interesse wäre. Zum x-ten Mal muss er an solchen Vormittagen wiederholen, dass die Mannschaftaufstellung erst den Spielern und dann der Öffentlichkeit präsentiert werde. Man spürt förmlich, dass dem 43-Jährigen, der auch in der Halbzeit vor die Kameras treten muss, dieser Teil seiner Arbeit keinen Spaß bereitet.

"Ich kann damit sehr gut leben"

Ansonsten hat der frühere Kölner und Münchner Profi, der ebenso wie Löw nie selbst das Nationaltrikot getragen hat, kein Problem mit der Rolle des Assistenten. "Ich kann damit sehr gut leben. Bei uns im Team hat jeder seine Aufgaben, seine Freiheiten. Das ist für mich wichtig. Wie das nach außen rüberkommt, ist zweitrangig", erklärt der viermalige deutsche Meister, den der Bundestrainer am 23. August 2006 als seinen Co-Trainer präsentiert hatte.

"Er ist für mich der ideale Partner. Wir haben die selbe Philosophie, denken in vielen Dingen ähnlich. Und genauso wichtig ist, dass wir auch mal verschiedene Meinungen haben, über die wir kontrovers diskutieren können", berichtet Löw. So war der Bundestrainer dem Ratschlag Flicks gefolgt, 26 statt der von Löw zunächst vorgesehenen 23 Spieler mit ins Trainingslager nach Mallorca zu nehmen.

Diese Dinge bringt Flick selbst aber nicht ans Tageslicht, dafür ist der gebürtige Heidelberger viel zu bescheiden. Immerhin betont er, dass er bei Bundesligaaufsteiger 1 899 Hoffenheim selbst schon als Cheftrainer gearbeitet habe. Das dies zunächst in der 4. Liga war und der Dorfverein damals trotz des Aufstiegs in die Regionalliga unter seiner Regie vergleichweise noch wenig mediales Interesse weckte, sagt er nicht. Auch seine erste Trainerstation beim FC Bammeltal lässt er unerwähnt.

Dafür schwärmt Flick von der guten partnerschaftlichen Zusammenarbeit bei der Nationalmannschaft, wo den Trainern von vielen anderen Experten der Rücken frei gehalten werde und man sich voll auf seine wesentliche Aufgabe konzentrieren könne. Für ihn selbst zählen Spielbeobachtungen und vor allem die Erstellung der hochprofessionellen Datenbank dazu, die Löw und seinen Mitstreitern alle Informationen über ihre Nationalmannschafts-Kandidaten liefert.

Löw: "Ein absoluter Experte"

"Er ist ein absoluter Experte, auf sein Urteil kann ich mich verlassen. Bei ihm stimmt die fachliche und die menschliche Seite", äußert Löw über seinen verlängerten Arm, den vor zwei Jahren Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Franz Beckenbauer vom österreichischen Klub RB Salzburg losgeeist hatten, wo er damals gemeinsam mit Lothar Matthäus ebenfalls als Assistent und zudem als Sportkoordinator unter Chefcoach Giovanni Trapattoni tätig war.

Seine eigenen Vorstellungen konnte er unter dem Italiener aber nicht so einbringen wie jetzt. "Moderne Trainingslehre ist für mich kein Fremdwort. Ich habe als Trainer immer versucht, offensiv zu spielen", sagt er und freut sich, dass er ausgerechnet im Nationalteam seine fußballerische Ideologie verfolgen kann, nachdem er bereits in Hoffenheim ein bundesweit viel beachtetes Jugendkonzept entwickelt hatte.

Dass er eines Tages selbst die Zügel bei der Nationalmannschaft in der Hand hält, ist für Hansi Flick kein Thema, würde bei seiner Karriereplanung aber auch nicht verwundern: "Ich bin jemand, der immer einen Schritt nach dem anderen gemacht hat. Erst habe ich den B-Schein gemacht, dann trainiert, dann den A-Schein gemacht und dann wieder trainiert, bevor ich den Fußballlehrer gemacht habe. Schritt für Schritt..."

© SID

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