Fußball Nationalmannschaft
Frings schluckt "bittere Pille" und schweigt

Im Nationalteam hat Torsten Frings seinen Stammplatz verloren, will seine Situation aber nicht kommentieren. Trotz des Lobes von Joachim Löw scheint seine Zukunft ungewiss.

Von der unumstrittenen Führungskraft zum Ersatzspieler: Für Torsten Frings kam der Qualifikations-Doppelpack der deutschen Nationalmannschaft gegen Russland und Wales einer Demontage gleich. Wie lange sich der 31 Jahre alte Bremer mit dieser Rolle noch abfinden wird, ist unklar. Ein Rücktritt nach 78 Länderspielen (10 Tore) erscheint derzeit nicht ausgeschlossen.

"Trotz des Siegs ist bei ihm die Enttäuschung natürlich groß. Ich hoffe, dass Torsten bei uns bleibt und keine verkehrte Entscheidung trifft", sagte Teammanager Oliver Bierhoff nach dem 1:0 (0:0) in Mönchengladbach gegen Wales bereits vieldeutig.

Immerhin ließ sich Frings nicht zu einer Kurzschlussreaktion a la Kevin Kuranyi hinreißen. Der Schalker hatte aus Enttäuschung über seine Nichtberücksichtigung für den Kader im Duell gegen Russland am vergangenen Samstag in Dortmund das Stadion zur Halbzeit verlassen und war nach Hause gefahren. Bundestrainer Joachim Löw kündigte daraufhin an, den Angreifer nicht mehr nominieren zu wollen.

Frings verliert Dreikampf gegen Hitzlsperger und Rolfes

Frings ist allerdings für Löw im erbitterten Dreikampf mit Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes um den Posten neben Kapitän Michael Ballack derzeit offensichtlich nur noch die Nummer drei. Gegen Wales saß er 90 Minuten frustriert auf der Bank und durfte sich im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Rolfes (26) nicht einmal warmmachen.

Schon beim 2:1-Erfolg gegen Russland in Dortmund stand der Vize-Welt- und Europameister gerade einmal sechs Minuten auf dem Platz. Der ehrgeizige Frings wollte sich nach beiden Spielen zu seiner Situation nicht äußern.

Ballack berichtete nach einem Gespräch mit seinem Kumpel jedoch, dass Frings sehr unzufrieden sei. Zumal die Entscheidung von Löw, in beiden Spielen dem Stuttgarter Hitzlsperger (26) den Vorzug zu geben, "auch für mich überraschend kam", wie Ballack betonte: "Torsten ist immer noch ein Topspieler und Leistungsträger in Bremen. Aber man muss das akzeptieren, auch wenn es mir für Torsten leid tut. Wir waren immer ein gutes Gespann."

Bierhoff lobt den Charakter von Frings

Die Worte des langjährigen Weggefährten von Frings klangen fast schon wie ein Abgesang, auch wenn Bierhoff und Löw den Mittelfeldspieler mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika angeblich noch längst nicht abgeschrieben haben. "Ich habe mit Torsten noch einmal über grundsätzliche Dinge gesprochen und ihm meine Wertschätzung mitgeteilt. Er hat trotz dieser für ihn nicht befriedigenden Situation bei uns nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert", sagte der Bundestrainer am Mittwochabend.

Frings müsse "diese Pille jetzt mal schlucken. Er weiß aber, dass ich weiter auf ihn setze." Auch Bierhoff sprach von einer "Momentaufnahme" und lobte die "tolle Einstellung" des Routiniers, der ein "wichtiger Charakter" für das Team sei.

Worte, von denen sich der Bremer momentan nicht allzu viel kaufen kann. Nachdem er in den ersten drei Spielen nach der Euro noch wegen Verletzungen gefehlt hatte, musste Frings gegen Wales und Russland mit der undankbaren Rolle als Ersatzspieler vorlieb nehmen, obwohl er nach eigener Aussage topfit war.

© SID

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