Fußball Nationalmannschaft
Hierarchie im Nationalteam auf dem Prüfstand

Der von Bundestrainer Löw geschürte Konkurrenzkampf hat die Hierarchie der DFB-Auswahl ordentlich durcheinandergewirbelt. Es geht um nicht weniger als die Teilnahme an der WM 2010.

Die alten Hasen Michael Ballack und Torsten Frings fürchteten zuletzt um ihren Stellenwert und setzten sich verbal zur Wehr, doch die jungen Wilden in der deutschen Nationalmannschaft wollen sich mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika entsprechend in Position bringen. Zum Jahresende hat der von Bundestrainer Joachim Löw offen geschürte Konkurrenzkampf die Hierarchie bei der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ordentlich durcheinandergewirbelt.

"Eine klare Hierarchie gibt es nicht mehr. Das hat sich zuletzt gewandelt. Spieler wie Lahm, Hitzlsperger, Rolfes und Schweinsteiger sind im Verein Führungsspieler geworden und übernehmen jetzt auch in der Nationalmannschaft Verantwortung", sagte Teammanager Oliver Bierhoff und unterstrich: "Das verlangen wir auch. Denn im modernen Fußball verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern, und nicht nur auf einen Führungsspieler oder den Kapitän."

Seit dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien in Wien im Juni hat kaum noch ein Nationalspieler seinen Platz im Kader sicher. Die Struktur des Teams verändert sich stetig. Beim Klassiker gegen England am Mittwoch in Berlin standen gleich neun Spieler im 20-köpfigen Aufgebot, die bei der EM noch nicht mit dabei waren.

Lob für Jermaine Jones

Darunter Tim Wiese, dem lange Zeit kaum einer den Sprung zur Nationalmannschaft zugetraut hatte. Oder Jermaine Jones, der gegen die "Three Lions" erstmals in der Startelf steht und ebenfalls um einen Platz im zentralen Mittelfeld kämpft.

"Er hat sich in den jüngsten Trainingseinheiten hervorragend präsentiert und sehr engagiert gezeigt. In der Vergangenheit hat er sich immer sehr sportlich verhalten. Ich freue mich persönlich, dass er in so einem tollen Spiel eine Chance erhält", meinte Bierhoff.

Jones zählt wie Simon Rolfes, Thomas Hitzlsperger, Bastian Schweinsteiger und Piotr Trochowski zu den Gewinnern der letzten Monate. Die harte Hand von Löw traf nach der spielerisch mageren Euro 2008 dagegen zunächst den einst gesetzten Christoph Metzelder. Derzeit beim spanischen Topklub Real Madrid weit entfernt von einem Stammplatz, war der Innenverteidiger für Löw auch beim Länderspiel gegen England am Mittwoch in Berlin erneut keine Alternative. "An erster Stelle steht das Leistungsprinzip. Alles andere wäre ja Schwachsinn, auch wenn man manchmal einen Spieler damit verletzt", erklärte Bundestrainer Löw.

Auch Torsten Frings wähnte sich zuletzt im falschen Film, als er bei den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales im Oktober nicht mehr über die Rolle des Ergänzungsspielers hinauskam. Für das letzte Länderspiel des Jahres wurde Frings nicht nominiert. Im kommenden Jahr muss sich der Bremer wieder für einen Platz im Kader anbieten.

Rolfes, Hitzlsperger, und Lahm Ranking-Aufsteiger

Dagegen sind im teameigenen Ranking Rolfes und Hitzlsperger sowie Philipp Lahm in den vergangenen Monaten deutlich aufgerückt. Rolfes (Bayer Leverkusen) und Hitzlsperger (VfB Stuttgart) übernehmen zudem in der Bundesliga Verantwortung als Kapitäne ihrer Vereine. "Mit ihrer Entwicklung bin ich in diesem Jahr hochzufrieden", meinte Löw.

Auch im kommenden Jahr will Löw wieder einige Neulinge an die Nationalelf heranführen. Dabei wird der Fundus an potenziellen Nationalspielern für die sportliche Leitung offenbar immer größer. Für den Klassiker gegen England nominierte der 48-Jährige in Marvin Compper, Tobias Weis und Marcel Schäfer gleich drei mögliche Debütanten.

Zudem gaben nach der EM Rene Adler und Serdar Tasci ihr Debüt, Trochowski und Heiko Westermann schwangen sich nach null EM-Minuten in den vergangenen vier Monaten zu Stammspielern auf. Und auch Jones, Patrick Helmes und Marko Marin, die alle in letzter Minute aus dem EM-Kader flogen, sind auf dem besten Weg, sich einen festen Platz im DFB-Kader zu erkämpfen.

© SID

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