Fußball Nationalmannschaft
Innenverteidigung macht Löw Sorgen

Bundestrainer Joachim Löw bangt für das Spiel der DFB-Elf gegen China heute in Shanghai um die Abwehrspieler Arne Friedrich und Heiko Westermann. Löw hat aber einen Notfallplan.

Am Vormittag noch bester Laune, am Nachmittag mit Sorgenfalten: Bundestrainer Joachim Löw machte ein Wechselbad der Gefühle durch, denn beim Abschlusstraining der deutschen Nationalmannschaft für das erste Länderspiel einer DFB-Auswahl in China heute (14.00 Uhr Mesz/live in der ARD) fehlten zu seinem Leidwesen die beiden Innenverteidiger Arne Friedrich und Heiko Westermann. Auch Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger (Rückenprobleme) brach die Einheit ab, sein Einsatz soll aber nicht gefährdet sein.

"Die Lage beunruhigt mich nicht"

Der Berliner Friedrich musste wegen Schmerzen an seinem im April operierten linken Knie passen, der Schalker Westermann schonte sich wegen seiner am Vortag erlittenen Fersenverletzung. "Die Lage beunruhigt mich nicht. Ich glaube, dass alle spielen können. Auch bei Westermann bin ich optimistisch. Sollte aber bei einem das Risiko zu groß sein, dann lasse ich ihn draußen. Dann spielen eben die Neuen, das ist gut, schließlich müssen sie auch ihre Erfahrung sammeln", sagte Löw nach dem Training.

Einen Notfallplan hat der Nationalcoach allerdings in der Schublade. Er ließ Neuling Christian Träsch im Trainingsspiel auf der für diesen ungewohnten Position als Innenverteidiger auflaufen. Sollten Friedrich und Westermann ausfallen, müsste der Bundestrainer improvisieren, da außer Robert Huth kein gelernter Innenverteidiger mehr zur Verfügung steht. Eine Dreierkette schloss Löw indes aus.

Geringes Interesse bei öffentlichem Training

Dabei hatte sich der Bundestrainer wenige Stunden zuvor trotz des prall gefüllten Terminplans seiner Mannschaft mit Regenerationsprogram im Hotel, dem öffentlichen Training vor nur 1 000 chinesischen Fans im riesigen Shanghai Stadium am Nachmittag und der für den Abend terminierten Repräsentantenrolle der Nationalspieler bei einem feierlichen Gala-Abend noch optimistisch gezeigt. "Das ist kein Problem. Ich denke, dass wir in der Lage sind, ein gutes Spiel zu zeigen", sagte der 49-Jährige. Wenige Stunden später hatte sich die gute Laune des Bundestrainers sichtlich verschlechtert.

Der Bundestrainer, der in der Nacht aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden während des Champions-League-Finales zwischen dem FC Barcelona und Manchester United (2:0) gegen 4.00 Uhr Ortszeit eingeschlafen war, wurde wegen der aktuellen Probleme erneut um den Schlaf gebracht.

Am Vormittag hatte er sich noch optimistisch und mitteilungsfreudig präsentiert. Bis auf wenige Ausnahmen verriet der 49-Jährige entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten, mit welcher Startelf er in die Begegnung mit dem 97. der Fifa-Weltrangliste gehen wollte. Am Nachmittag musste er sich Alternativen überlegen.

Löw setzt auf Huth

Klar ist dennoch, dass Löw vorwiegend auf die erfahrenen Akteure seines 17-köpfigen Verlegenheits-Kaders setzt, darunter auch Rückkehrer Huth, der das bislang letzte seiner 17. Länderspiele während der WM 2006 bestritt. "Er hat bei der Nationalmannschaft immer gute Leistungen gezeigt und macht zudem einen sehr austrainierten Eindruck", sagte der Bundestrainer über den 24-Jährigen vom englischen Premier-League-Absteiger FC Middlesbrough.

Im Tor wird trotz seiner Kopfverletzung Robert Enke stehen. "Es besteht keine Gefahr. Er hat keine Schmerzen und auch keine Angst in den Zweikämpfen. Er kann ohne Probleme spielen und soll das ganze Spiel machen", sagte Löw. Der Schlussmann von Hannover 96 hatte sich am vergangenen Wochenende eine Platzwunde am Kopf zugezogen und musste mit zwölf Stichen genäht werden, deshalb wird er mit einem Spezialverband spielen.

Gomez und Podolski bilden den Sturm

Den Angriff bilden der künftige Münchner Mario Gomez und Köln-Rückkehrer Lukas Podolski. Als einziger der insgesamt fünf Neulinge war zunächst in der Startformation Christian Gentner vom deutschen Meister VfL Wolfsburg eingeplant. Träsch, Torwart Manuel Neuer, Cacau und Tobias Weis müssen sich voraussichtlich noch gedulden.

Wer für den fehlenden Michael Ballack gegen China die Kapitänsbinde trägt, ließ Löw offen. Kandidaten sind Schweinsteiger, Lahm und auch Friedrich. "Ich würde mich freuen, in einem so großen Land wie China die Mannschaft aufs Feld führen zu dürfen", sagte Lahm. Ebenso wichtig ist dem Münchner aber, dass die deutsche Elf gegen China eine überzeugende Leistung abliefert. "Wir haben eine starke Mannschaft und wollen den deutschen Fußball gut repräsentieren", sagte der 25-Jährige.

© SID

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