Fußball Nationalmannschaft
Kapitän Ballack fehlt gegen die Elfenbeinküste

Michael Ballack fällt im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste wegen einer Reizung in der Kniefalte aus. Laut Bundestrainer Joachim Löw konnte der Kapitän zuletzt nicht trainieren.

Ein fahler Gesichtsausdruck und tiefe Augenringe zeugten von der Stimmung der vergangenen Tage. Trotz dieser äußerlichen Zeichen der Trauer lenkte Joachim Löw sechs Tage nach dem Selbstmord von Robert Enke mit klarer Stimme und voller Entschlossenheit den Blick auf das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in diesem Jahr am Mittwoch in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste (20.45 Uhr/live in der ARD).

"Wir müssen in die Normalität zurückkehren, auch wenn das nicht einfach fällt", sagte der Bundestrainer am Montag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Tragödie um den achtmaligen Nationaltorwart. "Robert Enke war nicht nur ein außergewöhnlich guter Torhüter, sondern auch ein außergewöhnlich guter Mensch", äußerte der 49-Jährige.

Löw, der am Samstag ein längeres Telefongespräch mit Robert Enkes Vater Dirk geführt hatte, stellte zudem deutlich heraus, dass es keine Selbstvorwürfe im Kreis der Nationalmannschaft geben dürfe: "Natürlich hinterfragt man nach einem solch schrecklichen Ereignis alles. Wir hatten aber alle keine Chance, Robert von diesem Vorhaben abzuhalten. Wir dürfen uns deshalb keine Vorwürfe machen."

Normalität soll einkehren

Der Mannschaft, die für die Absage des Chile-Länderspiels am vergangenen Samstag plädiert hatte, zollte Löw ein Lob. Mit Blick auf die Begegnung gegen die Elfenbeinküste sei nun aber die Zeit reif, wieder im Alltag anzukommen. "Wir haben die Tage der Trauer gebraucht, wollen nun aber zurück zur Normalität kommen", erklärte der Bundestrainer, der im ersten Vergleich mit den Ivorern trotz der widrigen Umstände eine "gute Leistung" seiner Mannschaft erwartet, "auch wenn diese sicherlich nicht leicht fällt".

Schließlich fehlt Löw Kapitän Michael Ballack. Der Chelsea-Star leidet an einer Reizung in der Kniefalte und verpasst damit das direkte Duell mit Didier Drogba, seinem Londoner Teamkollegen. "Auf Anraten der Ärzte habe ich entschieden, dass er nicht zum Einsatz kommen wird. Wir wollen kein Risiko eingehen, deshalb wird er auch nicht auf der Bank Platz nehmen", sagte Löw.

Kießling stürmt, Hunt vor Debüt

Wer den 33 Jahre alten Mittelfeldstrategen ersetzt, ließ der Coach offen. "Über die Personalfragen machen wir uns noch bis Dienstag Gedanken", sagte Löw, der sich lediglich schon darauf festlegte, dass der seit Februar nicht berücksichtigte und mit acht Treffern in der Bundesliga-Torjägerliste führende Leverkusener Stefan Kießling von Beginn an spielen wird.

"Das hat er sich verdient", sagte Löw über den Stürmer, der im vorletzten Test vor der WM-Nominierung im kommenden Mai ebenso alles in die Waagschale werfen muss wie der Bremer Aaron Hunt, der gegen die Ivorer wohl zu seinem Debüt kommen wird.

Stimmung gedämpft

Nach der ersten Trainingseinheit in der Düsseldorfer Arena, bei der am Montagvormittag erwartungsgemäß eine sehr gedämpfte Stimmung herrschte, will Löw in den nächsten ein bis zwei Tagen die Spieler genau beobachten. "Wir müssen es schaffen, nach den letzten Tagen wieder in den normalen Rhythmus zu kommen und nach vorne zu schauen. Ich gehe aber davon aus, dass jeder in der Lage sein wird, am Mittwoch zu spielen. Das Training hilft uns dabei", sagte der Bundestrainer.

Dass auch nach dem tragischen Tod von Enke in der Nationalmannschaft der Leistungsgedanke vorherrschen wird, stellte Löw aber trotz aller Bereitschaft zum Umdenken bei vielen Themen heraus: "Wir wissen auch, dass wir uns in einem Bereich bewegen, wo wir Leistung bringen müssen, wo von uns absolute Spitzenleistung verlangt wird. Der Konkurrenzkampf in der Nationalmannschaft wird auch weiter so sein wie bisher. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft."

Torwartfrage offen

Dies gilt nach wie vor auch in der Torwartfrage. Nachdem der Selbstmord von Robert Enke zynischerweise dafür gesorgt hat, dass die drei Schlussleute für die WM im kommenden Sommer in Südafrika quasi feststehen, geht der Kampf um die Nummer eins in die entscheidende Phase. Als Favorit gilt der Leverkusener Rene Adler, der wegen einer Augenentzündung diesmal nicht im Aufgebot steht.

Nach der Absage des Spiels gegen Chile, in dem der Bremer Tim Wiese erstmals von Beginn an auflaufen sollte, wird Löw gemeinsam mit Torwarttrainer Andreas Köpke die Planungen für das Match gegen die Elfenbeinküste noch einmal überdenken. "Wir haben noch nicht entschieden, welcher Torhüter spielen wird, sagte Löw, nachdem er eigentlich Lokalmatador Manuel Neuer frühzeitig den Einsatz auf Schalke versprochen hatte.

Zuschauerinteresse mäßig

Für die Torhüter wird der Auftritt in der WM-Arena von Gelsenkirchen, für den bis Montagmittag gerade mal 25 500 der insgesamt 54 000 verfügbaren Tickets verkauft waren, ohnehin sehr emotional. Denn auf der Ersatzbank wird ein Torwarttrikot von Robert Enke zwischen den Spielern an den Verstorbenen erinnern, wie Löw mitteilte. Zudem spielt die Mannschaft mit Trauerflor. Vor dem Anpfiff wird in einem fünfminütigen Film auf dem Videowürfel an Enke erinnert.

© SID

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