Fußball Nationalmannschaft
Klinsmann lässt Vorwürfe nicht auf sich sitzen

Der zuletzt kritisierte Jürgen Klinsmann will sich trotz seines Fehlens beim WM-Teamworkshop nicht "mangelnden Einsatz" nachsagen lassen. Im sid-Interview äußert sich der Bundestrainer zu den jüngsten Vorwürfen.

Verständnis für "die Situation vom Franz" zeigt Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach der Kritik von Beckenbauer, dem Chef des WM-OK. Doch "mangelnden Einsatz" will sich der Wahl-Kalifornier nicht nachsagen lassen und wehrt sich im sid-Interview gegen diesen Vorwurf.

sid: "Franz Beckenbauer hat Sie scharf attackiert, weil Sie dem WM-Teamworkshop in Düsseldorf ferngeblieben sind. Was sagen Sie zu dieser Kritik?"

Jürgen Klinsmann: "Wegen des Workshops habe ich Verständnis für die Situation vom Franz. Wir kennen ihn ja - die WM ist sein Baby, er ist der Chef des Organisationskomitees und arbeitet mit viel Engagement, Enthusiasmus und Herzblut. Wir konzentrieren unser Engagement und unseren Enthusiasmus eben auf die Vorbereitung der Mannschaft und haben eine Arbeitsteilung. Wenn sich die Gemüter beruhigt haben, können wir das gerne bei einem Kaffee besprechen."

sid: "Beckenbauer hat zudem gefordert, dass Sie in der Hauptzeit vor der WM permanent in Deutschland sein müssten und nicht über längere Zeit in Ihrer Wahlheimat Kalifornien..."

Klinsmann: "Das ist ja das alte Lied, obwohl man gar nicht bemerkt hat und offenkundig auch nicht wahrhaben will, wie sich alles verschoben hat: Zwischen Bundesliga-Rückrundenstart und dem 3. März habe ich von fünf Wochen drei in Deutschland verbracht, war bei fünf Bundesligaspielen, zwei Champions-League-Spielen, habe Schalke beim Training besucht und in den USA den WM-Gegner Costa Rica im Spiel gegen Südkorea beobachtet. Mangelnden Einsatz lasse ich mir nicht nachsagen. Ich habe immer gesagt, dass ich 2006 mehr Zeit in Deutschland verbringen und in der entscheidenden Phase hier sein werde. Ich denke nicht, dass ich einen Plan abliefern muss, wann ich wo bin. Wichtig ist, dass wir eine klare Linie haben und jeder weiß, welche Rolle er auszufüllen hat."

sid: "Nach der 1:4-Niederlage in Italien fiel die Kritik an der Mannschaft aber auch am Bundestrainer sehr deftig aus. Inwieweit ärgert Sie diese Kritik, inwieweit ist sie noch ein größerer Ansporn für die kommenden Wochen?"

Klinsmann: "Mich stört nicht die Kritik am Spiel, an der Spielweise und am Auftreten. Aber mich stören Leute, die sich profilieren wollen an einem schwachen Auftritt unserer Nationalmannschaft. Es gibt jedoch heutzutage viele Wichtigtuer, die lange gewartet haben und jetzt ihre Plattform finden."

sid: "Was bedeutet Ihnen, dass Ihnen nach dem Italien-Spiel wichtige Personen im deutschen Fußball wie DFB-Präsident Theo Zwanziger, Uli Hoeneß und andere Leute der Liga den Rücken gestärkt haben und damit Solidarität gezeigt haben?"

Klinsmann: "Das ist natürlich enorm wichtig. Wir haben in jedem Bereich - DFB, DFL, Bundesliga-Trainer und-Manager - kompetente Ansprechpartner. Wir haben einen guten Kontakt und regelmäßigen Austausch mit den wichtigen Leuten im DFB und in der Liga. Und wer die Hintergründe kennt, äußert sich auch differenziert. DFB und Liga halten zusammen - und das ist ja sicherlich das Wichtigste."

sid: "Sehen Sie nach dem Rückschlag gegen Italien und den Entwicklungen der vergangenen Tage Anlass, an Ihrem Konzept grundsätzlich oder in Nuancen doch etwas zu ändern?"

Klinsmann: "Wir sind ja keine Betonköpfe, sondern haben schon bewiesen, dass gerade wir offen sind für jede Verbesserung. Wir sind die Ersten, die sich immer wieder selbst hinterfragen und Überlegungen anstellen. Aber wir haben den jetzigen Weg ja nicht eingeschlagen, weil er spektakulär war, sondern weil sich alle nach der verkorksten EM einig waren, dass nur ein neuer Weg den von allen gewünschten Erfolg bringen kann."

sid: "Ist es richtig, dass Sie den künftigen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer für das Italien-Spiel ausladen wollten, wie eine große Sonntagszeitung berichtet hatte?"

Klinsmann: "Nein, dass ist so nicht richtig - wenn wir ihn ausgeladen hätten, wäre er ja nicht in Florenz gewesen. Wir haben nur darauf aufmerksam gemacht, ob dies in der jetzigen Phase wichtig ist für seinen neuen Job. Wenn die Mitreise wichtig ist für die Aufgabe, haben wir kein Problem damit."

© SID

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