Fußball Nationalmannschaft
Löw erwartet "äußerst schwieriges Spiel"

Volle Konzentration auf das Spiel in Helsinki. DFB-Trainer Löw erwartet heute ein schweres Match und will sich auch nicht vom Streit zwischen Ballack und Bierhoff ablenken lassen.

Der "Kaiser" in Sorge, der Bundestrainer genervt und nur der Präsident demonstrativ gelassen: Der Dauerzoff zwischen Manager Oliver Bierhoff und Kapitän Michael Ballack wird für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika offenbar zu einer immer größeren Belastung. Vor dem ersten Härtetest des Vize-Europameisters in der WM-Qualifikation gegen Finnland heute (19.35 Uhr Mesz/live im ZDF) in Helsinki forderte Franz Beckenbauer DFB-Präsident Theo Zwanziger auf, einen "Friedensgipfel" einzuberufen, um das lästige Thema so schnell wie möglich zu beenden.

"Wenn ich sehe, wie zwischen Kapitän und Nationalelf-Manager weiter die Giftpfeile hin- und herfliegen, muss ich klar sagen: Freunde, so geht"s nicht weiter! Es ist geradezu tödlich, wenn die Sache immer weiter schwelt. Solche Unstimmigkeiten - ob unterschwellig wie zuletzt mit Sticheleien oder offen wie nach dem EM-Finale - kann sich die Nationalmannschaft auf Dauer nicht erlauben", schrieb der frühere DFB-Teammanager, der auch Bundestrainer Joachim Löw mit am Tisch sehen will, in seiner Bild-Kolumne.

Zwanziger weist Forderung nach "Friedensgipfel" zurück

Zwanziger wies die Forderung allerdings umgehend zurück. "Dieses Thema sollte auf der sportlichen Ebene geklärt werden. Ich sehe von meiner Seite keinen weiteren Handlungsbedarf, denn dieses Trio braucht kein Machtwort", sagte der DFB-Boss dem Sport-Informations-Dienst (sid) und berichtete, dass er "mit den beteiligten Personen beratend" gesprochen habe, für ihn sei die Angelegenheit damit zunächst erledigt. Der 63-Jährige vertraut darauf, "dass diese drei Persönlichkeiten, die in der Vergangenheit viel für den deutschen Fußball geleistet haben, den Konflikt persönlich lösen werden".

Einig sei er sich mit Beckenbauer darüber, dass im Gegensatz zur öffentlichen Darstellung der vergangenen Tage glaubwürdig versichert werde, dass sowohl Bierhoff als auch Ballack und Löw mit Blick auf die WM 2010 an einem Strang ziehen. "In dieser Beziehung bin ich aber in gar keiner Weise aufgeregt, weil ich den betroffenen Personen vertraue", sagte der DFB-Präsident.

"Unsere Konzentration gilt nur dem Finnland-Spiel"

Der Bundestrainer kochte das Thema kurz vor dem Match beim Geheimfavoriten der Gruppe vier bewusst herunter. "Für mich ist das seit vergangenen Donnerstag überhaupt kein Thema mehr, und ich versichere, auch nicht für die Mannschaft. Unsere Konzentration gilt nur dem Finnland-Spiel", erklärte Löw und zog damit zunächst einen Schlussstrich unter diese Angelegenheit.

Löw, der mit seinem Trainerstab in den vergangenen Tagen den 6: 0-Auftaktsieg in Liechtenstein genau analysiert hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass trotz vieler positiver Dinge "noch nicht alle Spieler in hervorragender Form sind", deutete für Mittwoch personelle Umstellungen an. Aller Voraussicht nach wird Rückkehrer Andreas Hinkel für den in Vaduz auffällig schwachen Bremer Clemens Fritz auf die rechte Seite der Viererkette rücken.

Neue Chance für Miroslav Klose

Der ebenfalls seit Wochen unter Form spielende Miroslav Klose erhält dagegen wohl eine neue Bewährungschance, da der Bundestrainer bei seinem Interims-Kapitän zumindest im Training eine deutliche Verbesserung registriert hat. "Ich werde mit Miro noch einmal sprechen. Grundsätzlich ist das Vertrauen zu ihm sehr groß. Dass er noch nicht die Form hat, die wir von ihm kennen, ist uns bewusst", sagte Löw, der im mit knapp 40 000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion wie gewohnt mit einer kontrollierten Offensive zum Erfolg kommen will.

"Uns erwartet ein äußerst schwieriges Spiel, da die Finnen vor allem in der Defensive hervorragend organisiert sind. Sie haben in der Abwehr eine fast perfekte Organisation und einen Fighting Spirit, mit dem sie schon andere große Nationen vor Probleme gestellt haben. Sie werden uns das Allerletzte abverlangen", erklärte Löw und lobte den Gegner, der die DFB-Auswahl auf dem Weg zur WM-Endrunde 2002 durch ein 2:2 zu Hause und vor allem ein 0:0 im letzten Gruppenspiel in Gelsenkirchen in die Play-offs gezwungen hatte.

Einzige Niederlage gegen Finnland im Jahr 1923

Dass die in 20 Vergleichen bislang einzige Niederlage (1:2) gegen das Suomi-Team vom 12. August 1923 in Dresden datiert, hat für Löw nur statistischen Wert. Genauso wie die Tatsache, dass die deutsche Nationalelf in einer WM-Qualifikation auswärts noch nie verloren hat.

© SID

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