Fußball Nationalmannschaft
Löw hat für WM "einen hohen Preis bezahlt"

Nach der Weltmeisterschaft 2006 hat Bundestrainer Joachim Löw offenbar noch Monate unter den psychischen Belastungen des Turniers gelitten. Er habe deshalb nach der WM bei einem externen Coach um Rat gesucht, zunächst mehrmals pro Woche. Auch heute helfe ihm dieser noch gelegentlich, "auf mich selbst zu blicken", sagte Löw in der Wochenzeitung Die Zeit.

Er habe "einen hohen Preis bezahlt für diese WM", so der 47-Jährige weiter. Er habe das Ereignis "nie richtig verarbeiten" können. Das habe ihn über Monate verfolgt, besonders nachts, in den Träumen. "Man fragt sich, warum man gewisse Dinge nicht bewusster wahrgenommen hat, im sportlichen aber auch im zwischenmenschlichen Bereich? Warum man oft nicht genießen konnte, die Siege zum Beispiel, die Stimmung?", meinte der Nachfolger von Jürgen Klinsmann.

Zwischen den Trainern untereinander aber auch zu manchen Spielern seien enge emotionale Bindungen entstanden. Alles habe unter einem enormen Druck gestanden: "Kaum hat man sich über einen Sieg wie gegen Polen riesig gefreut, musste wieder Druck aufgebaut werden. Wir freuen uns in der Kabine, gut, dann gehen wir zum Bus, und schon sind die Gedanken: Klar, das war gut, aber wie können wir es besser machen? Nie nachlassen, niemals nachlassen. Wahnsinn", erklärte Löw.

In seiner Arbeit als Trainer habe er "irgendwann verstanden, dass man seine Ideen niemals gegen, sondern nur mit den Spielern durchsetzen kann". Es reiche nicht, den Spielern zu sagen, was sie zu tun haben, "sie wollen wissen, warum sie es tun sollen. Und sie haben ein gutes Recht, das zu erfahren". Manche Trainer beschränkten sich auf Hinweise wie: "du bist zu wenig aggressiv" oder "du bewegst dich zu wenig". Für Löw eine unzureichende Anweisung: "Ich bewege mich zu wenig, was heißt das? Wohin muss ich mich bewegen? Das ist die Frage."

© SID

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