Fußball Nationalmannschaft: Löw hat keine Ambitionen auf Vogts-Nachfolge

Fußball Nationalmannschaft
Löw hat keine Ambitionen auf Vogts-Nachfolge

Berti Vogts muss sich keine Sorgen machen, dass DFB-Coach Joachim Löw ihm eines Tages den Job wegnimmt. "Auch 2022 bin ich noch nicht bereit, nach Aserbaidschan zu gehen", so Löw.

Berti Vogts konnte am Ende aufatmen. Nicht über das Ergebnis im EM-Qualifikation der Nationalmannschaft Aserbaidschans, die in Köln mit 1:6 gegen den WM-Dritten Deutschland unter die Räder gekommen war, sondern über eine Aussage von Bundestrainer Joachim Löw. Der unterstrich auf Nachfrage eines aserbaidschanischen Journalisten, dass er selbst in zwölf Jahren noch nicht für den Posten als Auswahlcoach in der Kaukasus-Republik infrage kommt: "Auch 2022 bin ich noch nicht bereit, nach Aserbaidschan zu gehen", sagte der 50-Jährige schmunzelnd und hatte zuvor hochgerechnet, wie alt er denn in einem Dutzend Jahren sein wird. Ex-Bundestrainer Vogts sitzt also kein vermeintlicher Konkurrent im Nacken.

Der jetzt 63-Jährige hat allerdings noch sehr viel Arbeit mit seiner Mannschaft. Vogts hatte zwar im Vorfeld des Spiels erklärt, dass er in Köln gegen den dreimaligen Welt- und Europameister mit seinem ersatzgeschwächten Team chancenlos sei, aber so chancenlos wie in der Realität hatte er sich das wohl nicht ausgemalt. "Das war eine Lehrstunde und Fortbildung für meine Mannschaft. Deutschland spielt in einer anderen Liga und ist die vielleicht beste Mannschaft der Welt", schwelgte der Europameister-Coach von 1996, der durchaus gerne wieder in die Dienste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) treten möchte.

Im vergangenen Herbst hatte der Weltmeister von 1974 allerdings seinen Vertrag in Aserbaidschan um zwei Jahre verlängert. Vogts sieht sich beim 105. der Fifa-Weltrangliste weniger als Trainer, denn als "Entwicklungshelfer" in Sachen Fußball. "Das 'deutsche Auto' schonte seinen ehemaligen Fahrer nicht", titelte Apa-Sport aus Aserbaidschan.



"Haben zu passiv gespielt"

Das Vogts-Team wirkte vor allem physisch überfordert, war nach ordentlichem Beginn nach spätestens einer halbe Stunde aber platt. "Wir haben zu passiv gespielt. Meine Mannschaft hat ein gewisses Potenzial, aber wir müssen uns im taktischen Bereich anders präsentieren", analysierte der 96-malige Nationalspieler, der in zwei Wochen ein Trainingslager anberaumte, um die Defizite abzustellen.

Dass der Fastenmonat Ramadan seinen muslimischen Kickern möglicherweise die Kraft geraubt hatte, war für den Coach kein Thema. "Ich will das nicht als Entschuldigung gelten lassen. Ich verlange von meiner Mannschaft einfach mehr." Vogts hatte erwartet, dass seine Spieler "viel aggressiver nach vorne spielen". Vergeblich ruderte Vogts am Spielfeldrand mit den Armen und forderte seine Mannen auf, Deutschland in der Defensive mehr zu fordern.

Das Fehlen der beiden besten Innenverteidiger, so Vogts, war ein nicht zu kompensierendes Handicap. Mit dem halben Dutzen Gegentore waren die Vogts-Schützlinge noch gut bedient. Der erste eigene Treffer überhaupt gegen Deutschland war nur möglich, weil Nationaltorhüter Manuel Neuer nach einem Eckball patzte und sich den Ball quasi selbst ins Netz boxte.

Die Medien in Aserbaidschan waren bedient. Vesti schrieb: "Die Deutschen zerschlagen Aserbaidschan." Aserisport kommentierte: "Unser Team kassierte eine Klatsche." Schlusswort von Vogts, für den es nach dem 0:4 vor Jahresfrist in Hannover, wieder nichts in seiner Heimat mit Aserbaidschan zu holen gab: "Ich verlange, dass meine Mannschaft anders gegen einen Gegner auftritt, auch wenn er Deutschland heißt."

Zunächst mal konnte sich Vogts aber im heimischen Korschenbroich von dem Sechserpack erholen. Seine Mannschaft flog alleine in die Heimat zurück.

© SID

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