Fußball Nationalmannschaft
Löw verbreitet keine "falschen Hoffnungen"

Nachdem Bundestrainer Löw für die Asien-Reise die Spieler ausgehen, ist der Einsatz von Keeper Enke wahrscheinlich. Zudem will Löw keinem Spieler "falsche Hoffnungen machen".

Bundestrainer Joachim Löw sucht weiter fieberhaft nach Alternativen für die Asien-Reise der deutschen Nationalmannschaft und will dabei nicht den gleichen Fehler wie Erich Ribbeck vor zehn Jahren machen. "Wir werden nur Spieler nominieren, die auch Perspektive hinsichtlich der WM 2010 haben. Ich will niemandem falsche Hoffnungen machen, indem ich ihn als Notnagel für diese Tour mitnehme", sagte Löw dem Express.

Der frühere Teamchef Ribbeck war im Juli 1999 nach zahlreichen Absagen mit einem B-Team zum Konföderationen-Cup nach Mexiko gereist und nach drei blamablen Vorstellungen gegen Brasilien (0:4), USA (0:2) und Neuseeland (2:0) sang- und klanglos ausgeschieden. Die peinlichen Auftritte des dreimaligen Welt- und Europameisters in Mexiko grenzten an Rufschädigung, die Nationalmannschafts-Karrieren von Spielern wie Heiko Gerber, Horst Heldt oder Ronald Maul waren nach zwei Einsätzen direkt nach dem Turnier wieder beendet.

Einsatz von Enke immer wahrscheinlicher

Im Kader stand damals auch schon Keeper Robert Enke, der nach dem Sieg mit Hannover 96 gegen den 1. FC Köln (2:1) derzeit kaum noch die Relegation fürchten muss und deshalb wohl als einziger der vier für die WM 2010 in Frage kommenden Torhüter vom 26. Mai bis zum 3. Juni mit nach Asien reisen kann. Denn die Konkurrenten Rene Adler (Bayer Leverkusen) und Tim Wiese (Werder Bremen) treffen am 30. Mai im DFB-Pokal-Finale in Berlin aufeinander, Schalkes Schlussmann Manuel Neuer weilt bei der U21 zur Vorbereitung auf die EM 2009 in Schweden (15. bis 29. Juni).

Trotz seiner bei der Asien-Reise exponierten Stellung darf sich der zuletzt starke Enke mit Blick auf die WM 2010 aber nicht zu sicher fühlen. Denn Bundestrainer Joachim Löw stärkte Pokalheld Wiese den Rücken und bescheinigte dem Lautsprecher eine gute Entwicklung. "Tim hat im letzten halben Jahr enorme Fortschritte gemacht. Er hat sich ganz klar gesteigert", sagte Löw im aktuellen Sportstudio des ZDF.

Eine Absage erteilte Löw den Comeback-Plänen von Kevin Kuranyi. Der Stürmer von Schalke 04 hatte sich nach seinem spektakulären Rausschmiss aus der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im vergangenen Oktober zuletzt Hoffnungen auf eine Begnadigung gemacht. "Bisher stehen im Angriff nur Mario Gomez und Lukas Podolski für die Asien-Tour zur Verfügung. Kevin spielt in diesen Überlegungen dennoch keine Rolle. Mein Standpunkt ist unverändert", sagte Löw.

Akute Personalnot

Der Bundestrainer muss bei den Spielen gegen China in Shanghai (29. Mai) und in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (2. Juni) neben den drei Torhütern Adler, Wiese und Neuer auch auf die Pokalfinalisten Simon Rolfes, Patrick Helmes und Stefan Kießling (Leverkusen) sowie Per Mertesacker, Torsten Frings und Clemens Fritz (Bremen) verzichten. Für die Vorbereitung auf die U21-EM werden auch Marko Marin, Alexander Baumjohann (beide Borussia Mönchengladbach), Andreas Beck (1 899 Hoffenheim), Serdar Tasci, Sami Khedira (beide VfB Stuttgart) und der Bremer Mesuit Özil abgestellt.

Zudem stehen die Ausfälle von Kapitän Michael Ballack, der am 30. Mai mit dem FC Chelsea das englische Pokalfinale gegen den FC Everton bestreitet und Verteidiger Christoph Metzelder (Real Madrid), für den die Saison in Spanien erst am 31. Mai zu Ende geht, fest.

Als Alternativen im Tor kommen Roman Weidenfeller und Dennis Eilhoff in Frage, die Rückkehr von Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann ist wohl kein Thema. "Joachim Löw, Andreas Köpke, Hansi Flick uns ich sind uns einig. Ich gehe nicht davon aus, dass Lehmann bei der Asienreise dabei ist", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff dem Sport-Informations-Dienst (SID) und fügte an: "Jens provoziert halt ganz gerne. Er weiß, wie er sich in der Öffentlichkeit positionieren kann."

Hoffnungen auf ein Comeback im DFB-Team können sich auch Dortmunds Sebastian Kehl, Hannovers Christian Schulz und die zuletzt ebenfalls nicht mehr berücksichtigten Jermaine Jones (Schalke 04) und Robert Huth (FC Middlesborough) machen.

© SID

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