Fußball Nationalmannschaft
Löw will an Metzelder festhalten

"Er muss wieder regelmäßige Einsätze haben", sagte Joachim Löw. Trotzdem will der Bundestrainer an Metzelder festhalten: "Er gehört weiter zu den Führungsspielern in unserem Team."

Christoph Metzelder befindet sich in einem großen Dilemma. Wegen mangelnder Spielpraxis hat der 27-Jährige bei der deutschen Nationalmannschaft seinen Stammplatz verloren und Besserung ist nicht in Sicht. "Er muss wieder regelmäßige Einsätze haben", fordert Bundestrainer Joachim Löw, der allerdings genau weiß, dass der einstige Musterschüler im DFB-Team bei seinem Klub Real Madrid diese Vorgaben zumindest bis zum Winter kaum erfüllen kann.

Nur noch Verteidiger Nummer sechs in Madrid

Zwar hatte sein Vereinscoach Bernd Schuster ihm noch gegen Ende der Vorbereitung große Hoffnungen auf einen Stammplatz gemacht, derzeit ist Metzelder hinter Pepe, Fabio Cannavaro, Gabriel Heinze, Sergio Ramos und Marcelo offenkundig nur noch die Nummer sechs in der Verteidigerriege des spanischen Rekordmeisters und Titelverteidigers. Der ehemalige Dortmunder, der auch beim Saisonstart der Primera Divison beim 1:2 bei Deportivo La Coruna keine Rolle spielte, kann sich aller Voraussicht nach bis zum nächsten Transferfenster nur in der B-Elf von Real beweisen, was seine weitere Karriere in der Nationalelf gefährdet.

Löw will allerdings vorerst weiter an Metzelder festhalten, der sich während der zehn Tage im Kreis der Nationalmannschaft weder zu seiner aktuellen Situation noch zu seinen Zukunftsplänen geäußert hat. "Er ist zwar im Moment nicht erste Wahl, gehört aber weiter zu den Führungsspielern in unserem Team. Es ist wichtig, dass wir Christoph stark machen, denn er wird auch in den nächsten Jahren ein ganz wichtiger Spieler für uns sein", betonte der Bundestrainer in Helsinki.

"Die Zeiten haben sich geändert"

Der 47-malige Nationalspieler ist im DFB-Team gegenüber den auch im Europacup geforderten Serdar Tasci (VfB Stuttgart) und Heiko Westermann (Schalke 04) ins Hintertreffen geraten. Eine ungewohnte Situation für Metzelder, an die er sich aber gewöhnen muss. "Die Zeiten haben sich geändert", sagte auch Löw-Assistent Hansi Flick und meinte damit, dass die Meriten aus der Vergangenheit nicht mehr viel zählen.

In der DFB-Auswahl brechen für den gebürtigen Westfalen, der bei den WM-Endrunden 2002 und 2006 zu den herausragenden Spielern zählte, harte Zeiten an. Dabei musste sich "Metze" bereits während der Euro in Österreich und der Schweiz ein dickes Fell zulegen. Denn das einstiger Vorzeigeduo Metzelder und Per Mertesacker, der nach seiner Meniskus-Operation zu Wochenbeginn wieder ins Mannschaftstraining bei Werder Bremen eingestiegen ist, wackelte einige Male bedenklich und musste sich den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Schnarch und Schleich" gefallen lassen.

"Darauf bin ich schon sehr stolz"

"Meine spanischen Teamkollegen bei Real haben mir dagegen viel Respekt vor meiner persönlichen Leistung entgegengebracht. Ich war monatelang verletzt, habe mich rangekämpft und bei der EM alle Spiele gemacht. Darauf bin ich schon sehr stolz", hatte Metzelder seinen Kritikern entgegnet, bevor er in den Urlaub ging und sich auf seine zweite Saison bei den "Königlichen" freute.

Die Voraussetzungen schienen günstig, nachdem er in der Saison zuvor für den spanischen Rekordmeister nur auf 704 Ligaminuten sowie einen Einsatz im Pokal und drei Einsätze im Europacup gekommen war. "Christoph ist auf einem sehr guten Weg. Er läuft nach seiner Fußverletzung wieder richtig rund und bringt alle Voraussetzungen mit, um Stammspieler bei Real zu werden", erklärte Schuster noch vor drei Wochen, ehe er es sich anders überlegte.

Dass er auch in der Nationalelf auf dem Abstellgleis verschwinden könnte, hätte Christoph Metzelder zu diesem Zeitpunkt wohl nicht gedacht, vor dem Liechtenstein-Spiel hatte er sogar erklärt: "Ich gehe davon aus, dass ich spiele." Doch auch da sah er sich getäuscht.

Wechsel im Winter?

Nachdem der Karriereknick des früheren BVB-Kapitäns offensichtlich ist, wird Metzelder sich Gedanken machen müssen, ob er im Winter einen Vereinswechsel vornimmt. Löw hat ihm öffentlich noch keinen Rat gegeben. Eines ist aber klar: Trotz der hohen Wertschätzung durch den Bundestrainer kann sich Metzelder nicht darauf verlassen, dass Löw wie vor der Euro im Fall Jens Lehmann auf dem Weg nach Südafrika noch einmal einem Spieler einen Sonderstatus gewährt.

© SID

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