Fußball Nationalmannschaft
"Schuhgipfel" des DFB noch in dieser Woche

Bevor die deutsche Nationalmannschaft am Samstag gegen Irland in die EM-Qualifikation startet, soll der Schuhstreit beim WM-Dritten beigelegt werden. Die DFB-Spitze will dem Mannschaftsrat eine Lösung präsentieren.

Das Ende des Schuhstreits ist in Sicht. Rechtzeitig bevor die deutsche Nationalmannschaft zum ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Irland am kommenden Samstag in Stuttgart (20.45 Uhr/live in der ARD) antritt, soll das Problem gelöst sein. Bis spätestens Donnerstag will das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem Mannschaftsrat um die Wortführer Jens Lehmann und Miroslav Klose im Teamquartier in Stuttgart einen Kompromiss unterbreiten, um anschließend den Fokus ganz auf die Spiele gegen Irland und vier Tage später in San Marino legen zu können.

"Wir haben einen Lösungsvorschlag erarbeitet und hoffen, dass die Spieler zustimmen. Wir dürfen uns die Sympathien mit den Fans nicht verscherzen. Die Nationalspieler müssen erkennen, dass sie nicht eine Rolle spielen dürfen, die mit Geldgier und anderen Dingen einhergeht. Das Thema muss bis spätestens Donnerstag vom Tisch, damit nur noch das Sportliche im Vordergrund steht", sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Zwanziger: "Wir werden eine Lösung finden"

Zwanziger wird gemeinsam mit dem am 8. September scheidenden DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und wahrscheinlich auch Schatzmeister Heinrich Schmidhuber die Verhandlungen mit dem Mannschaftsrat führen, dem außer Lehmann und Klose noch Kapitän Michael Ballack, Bernd Schneider und Torsten Frings angehören. "Wir werden eine Lösung finden", sagte Zwanziger.

Vor dem ersten Länderspiel unter dem neuen Bundestrainer Joachim Löw gegen Schweden (3:0) in Gelsenkirchen vor zwei Wochen hatten die Nationalspieler einstimmig einen Boykott der Partie in Betracht gezogen, falls in Zukunft nicht die freie Schuhwahl eingeführt werde. Nur in Österreich und Deutschland herrscht noch das Schuhmonopol, in den anderen Ländern können die Nationalspieler ihr "wichtigstes Handwerkszeug" (Zwanziger) selbst wählen.

Metzelder: "Wir wollen uns wohlfühlen"

"Weltweit hat nur noch Österreich keine freie Schuhwahl, deshalb ist das längst überfällig. Wir wollen in den Schuhen spielen, in denen wir uns wohlfühlen", sagte Dortmunds verletzter Verteidiger Christoph Metzelder, der wie Lehmann und Klose bei Nike unter Vertrag steht und mit dem Bruch des Schuhmonopols auf zusätzliche Einnahmen hoffen darf. Klose hätte bei der WM laut seines Beraters Alex Schütt zwei Mill. Euro extra verdienen können, wenn er in Nike-Schuhen aufgelaufen wäre. DFB-Ausrüster adidas soll den deutschen Spielern angeblich jeweils "nur" 50 000 Euro für das Turnier überwiesen haben.

"Es geht nicht ums Geld. Es geht um die Gesundheit", meinte Lehmann, der bei der WM nach einer Woche Training in den Schuhen des DFB-Ausrüsters eigenen Angaben zufolge "körperliche Probleme" bekommen hatte. Der FC Arsenal hatte dem 36 Jahre alten Torhüter nach der Rückkehr von der WM sogar dazu geraten, wegen des Schuhmonopols beim DFB seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft zu erklären.

Lehmann sehr offensiv

Für den Verband hat der Zoff um die Schuhe vor dem Krisengipfel im Ländle allerdings ein Geschmäckle. Die offensiven Aussagen von Lehmann und die damit einhergehende Diskreditierung von DFB-Sponsor adidas sind vor allem Zwanziger ein Dorn im Auge: "Für mich ist enorm wichtig, dass unser langjähriger Partner keinen Schaden nimmt. Schließlich ist adidas der beste Ausrüster, den man sich denken kann. Zudem muss der DFB wirtschaftlich gut dabei herauskommen."

In Frankreich widersetzten sich die Spieler bereits 1997 gegen ein entsprechendes Schuhdiktat. Vor einem Länderspiel polierten sie ihre Stiefel mit schwarzer Schuhcreme so gründlich, dass die drei weißen Streifen nicht mehr sichtbar waren.

Während die Nationalspieler wie vor dem Schweden-Spiel beim Treffen in Stuttgart noch immer das Thema Schuhe in ihren Köpfen haben, stand für den neuen Bundestrainer-Assistenten Hans-Dieter Flick am Dienstag das erste "Beschnuppern" mit den DFB-Stars auf dem Programm. "Ich freue mich sehr auf die Aufgabe. Ich werde mich gleich tausendprozentig einbringen und Joachim Löw ein guter Zuarbeiter sein", meinte Flick vor dem ersten Qualifikationsspiel der DFB-Elf für ein großes Turnier seit knapp drei Jahren.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%