Fußball-Nationalmannschaft
Vorwärts in die Vergangenheit

Allen Verletzungssorgen und Formschwächen zum Trotz: Nach der eher dürftigen Darbietung gegen Österreich will sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heute Abend gegen die Schweiz zurück in die Erfolgsspur hieven. Dabei verlangt Bundestrainer Löw gegen die Eidgenossen eine klare Leistungssteigerung – und baut auf alte Erfolgsrezepte.

BASEL. So sind sie die Schweizer. Zuverlässig wie ein Uhrwerk, wenn sie der deutsche Fußball braucht. Ob vor hundert Jahren, als sich die deutsche Nationalelf zum ersten Mal traute, gegen ein anderes Land zu spielen. Oder während des Zweiten Weltkrieges, als sich niemand mehr traute, gegen die Deutschen anzutreten. Heute Abend sind sie wieder zur Stelle, jetzt, wo die Deutschen nicht so recht wissen, wie es um ihren Fußball bestellt ist.

Sie wollen sich aufrichten an den Schweizern, zeigen, dass es auch anders geht als im Februar in Wien, als sie gegen Österreich zwar mit 3:0 gewannen, das aber so wenig überzeugend, dass seither kein einziges Wort mehr über dieses Spiel gefallen ist.

Spätestens im Wiener Prater war sichtbar, dass der deutschen Elf ihr Schwung aus den Anfangsspielen der EM-Qualifikation abhanden gekommen ist. Stattdessen ist sie einer gewissen Lethargie verfallen. „Was Körpersprache und Ausstrahlung angeht, sind wir zuletzt unter unseren Möglichkeiten geblieben“, sagt Joachim Löw, der Bundestrainer. Das müsse anders werden gegen die Schweiz. Er brauche dringend Erkenntnisse „über Spielverständnis, das Verhalten einzelner Mannschaftsteile, aber auch über den Fitness-Zustand und die Dynamik einzelner Spieler.“ Schließlich muss Löw am 16. Mai auf der Zugspitze verkünden, wer mit darf zum Alpenabenteuer, und wer zuhause bleiben muss.

Nur lasten Verletzungssorgen und Formschwächen auf allen Mannschaftsteilen. Und so ist es das erste Mal in seiner Amtszeit, dass es Löw nicht schafft, die Zweifel analytisch zu zerstreuen, hier im Konferenzsaal eines Hotels am Messeplatz. Lieber verliert er sich in der Vergangenheit, die er versucht, in die Zukunft zu projizieren. Eine Projektion, die im Tor beginnt. „Wir glauben an Jens Lehmanns Stärke“, sagt Löw. „Er hat eine gute EM-Quali gespielt“. Doch wenn es schlecht läuft, dann sind drei Länderspiele die einzigen Matches, die Lehmann bis zum EM-Anpfiff bestreiten darf. Aussetzer wie gegen Österreich sollte ihm also nicht noch einmal passieren. „Er hat vermehrt Einfluss zu nehmen auf die Abwehr mit Lautstärke und Dominanz“, fordert Löw, der immer wieder rechtfertigen muss, sich im Dezember auch auf Timo Hildebrand und Robert Enke festgelegt zu haben, wo sich doch René Adler (Bayer Leverkusen) und Manuel Neuer (FC Schalke 04) allwöchentlich zu Glanzparaden aufschwingen. Für beide sei die Tür nicht zu, sagte Löw und revidierte damit einen Entschluss: den, seine drei Torhüter bereits erwählt zu haben.

Auch in der Innenverteidigung scheinen zurzeit mehr Stellen vakant als besetzt. Zwar ist Per Mertesacker im Abwehrzentrum gesetzt, doch nicht einmal Löws Musterschüler vermochte es zuletzt, die Viererkette seines Klubs Werder Bremen zusammenzuhalten. Acht Gegentore hat Werder in den letzten drei Spielen kassiert. Weil sich aber Robert Huth das Kapselgelenk entzündet und die Heimreise nach Middlesbrough angetreten hat, bleiben Löw gegen die Schweiz nur Heiko Westermann und Arne Friedrich als Alternativen.

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