Fußball
Nürnberger Ärger statt Freude über die Spitze

Es war ein merkwürdiges Bild: Die Anzeigetafel wies den 1. FC Nürnberg als neuen Tabellenführer aus, die enttäuschten „Club“-Spieler verließen jedoch mit hängenden Köpfen den Rasen.

dpa NüRNBERG. Es war ein merkwürdiges Bild: Die Anzeigetafel wies den 1. FC Nürnberg als neuen Tabellenführer aus, die enttäuschten „Club“-Spieler verließen jedoch mit hängenden Köpfen den Rasen.

Statt sich über die Ablösung des FC Bayern München auf dem ersten Tabellenrang der Fußball-Bundesliga zu freuen, saß der Frust bei den weiter ungeschlagenen Nürnberger Profis nach dem knapp verpassten Sieg ziemlich tief - und Trainer Hans Meyer war verärgert. „Die Spieler machen, was sie wollen. Wir haben uns selbst Dauerdruck erzeugt durch Ballverluste und schlechtes Stehen“, kritisierte der Coach nach dem 1:1 (1:0) gegen den FSV Mainz 05 seine Truppe.

Dabei hatte der Nachmittag für Meyer so erfreulich angefangen, denn zunächst spielte nur der Gastgeber. „Das war seit langer Zeit ein Spiel zu Hause, mit dem ich unglaublich zufrieden war“, lobte der Trainer, doch die Gedanken an die zweite Halbzeit lösten beim 63-Jährigen noch Kopfschütteln aus. „Unfassbar, wie wir den Mainzern in einer naiven Art und Weise Räume angeboten haben. Wir wählen immer wieder die aktive Form. Aber Du darfst nicht aktiv spielen, wenn du einer weniger bist“, meinte Meyer und sprach damit den Knackpunkt des Spiels an: Die Rote Karte für Jaouhar Mnari in der 43. Minute wegen einer Notbremse. „Wir haben ihn gezwungen, Foul zu spielen“, nahm der Trainer den Tunesier in Schutz und tadelte seine Defensivabteilung.

Bis zum Platzverweis für den sehr ballsicheren Mittelfeldakteur Mnari war Nürnberg die klar bessere Mannschaft, wenngleich der verschossene, von Schiedsrichter-Debütant Marc Seemann zu Unrecht verhängte Strafstoß von Robert Vittek (28.) schon einen kleinen Bruch im bis dato attraktiven „Club“-Spiel verursacht hatte. Zu diesem Zeitpunkt führten die spielfreudigen Franken gegen eine zeitweise desolate Mainzer Truppe durch Jan Polak (24.). „Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Fußball gespielt. Das war das Problem. Und wenn wir schon die Sachen dabei haben, dann können wir auch Fußball spielen. Das haben wir in der zweiten Halbzeit auch gemacht“, schilderte FSV-Coach Jürgen Klopp, der mit der Einwechslung des 1:1-Torschützen Christof Babatz (85.) eine glückliche Hand bewies.

Klopp meckerte über die erste Spielhälfte, Meyer moserte über Durchgang zwei - letztlich sahen aber beide Seiten die Punkteteilung als gerecht an. „Wir haben es uns selbst zuzuschreiben“, sagte FCN-Sportdirektor Martin Bader. „Aber das sind Lernprozesse, die die Mannschaft durchmachen muss: Mit zehn Mann zu spielen und die eigene Überlegenheit besser auszunutzen.“

Nürnberg muss also weiter lernen, die Mainzer wollen auf dem zweiten Durchgang aufbauen und schöpfen Hoffnung daraus, dass Nationalverteidiger Manuel Friedrich wieder an Bord ist. „Man hat ihm die Pause nicht angemerkt. Er hat ein paar gute Bälle gespielt“, lobte Klopp einen seiner Musterschüler und nach der zweiten Spielhälfte auch die ganze Mannschaft, die ebenso wie die Franken nach sechs Spieltagen vier Unentschieden auf dem Konto hat. „Vier Mal nicht gewonnen und wir sind trotzdem oben, das ist schon stark, aber es ist alles eng“, sagte Meyer in halb ironischem und halb warnendem Unterton: Nur fünf Punkte trennen sein Team von einem Abstiegsplatz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%