Fußball
Remis in Bremen: HSV bleibt erster Bayern-Jäger

Der Hamburger SV geht als erster Bayern-Jäger in die Winterpause der Fußball-Bundesliga. Dank der glücklichen Hand von HSV-Trainer Thomas Doll holten die Hanseaten von der Elbe in einem packenden 83. Nordderby ein 1:1 (0:1).

dpa USBREMEN. In Bremen beschloss der Hamburger SV seine beste Bundesliga-Hinrunde seit 25 Jahren. HSV-Coach Thomas Doll genoss es in vollen Zügen, dass sein Team im 33. Pflichtspiel der laufenden Saison mit dem 1:1 (1:0) bei Werder Bremen die Reifeprüfung eindrucksvoll bestanden hatte.

Seine Mannschaft rettete nach den schwersten und schwärzesten 45 Minuten der Saison mit einem Kraftakt nach der Pause einen wertvollen Punkt und den zweiten Platz. Doll gönnte sich daraufhin ein versonnenes, fast wohliges Lächeln, als er seine frühzeitige Jahres-Bilanz mit nur einem Wort zusammenfasste: „Traumhaft.“

Der 39 Jahre alte Coach machte einen Moment Pause, ehe er seinem Fazit anfügte: „Wenn uns das einer vor einem Jahr prophezeit hätte, dann hätten wir gesagt: Träum weiter.“ Der Coach konnte es angesichts des Spitzenspiels von beeindruckender Intensität noch gar nicht recht fassen, dass sein HSV die nationale Nummer zwei hinter dem bayerischen Branchenprimus bleibt, nachdem wenige Tage zuvor schon der souveräne Schritt in die nächste Runde des lukrativen Uefa-Cups gelungen war. Zudem bedeuten 38 Punkte die zweitbeste Bundesliga-Startbilanz seit 1980/81: Damals wurden unter Branko Zebec - umgerechnet auf die heutige Drei-Punkte-Regel - 41 Zähler gesammelt.

„Für mich ist das ein ganz, ganz tolles Jahr“, schwärmte Doll schließlich. Gerade sein Realitätssinn und die Inflation von Trainer-Entlassungen ließen ihn die Situation genießen. Wenn er selber irgendwann bei den Hamburgern mal zur Disposition stehe, sagte er, „dann werde ich mich an dieses Jahr erinnern. Das kann mir keiner mehr nehmen.“

Derzeit ist Doll von solch einer Krisensituation weit entfernt. Dass er zusammen mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer eine Spitzenmannschaft aufgebaut hat, machte das Nord-Derby eindrucksvoll deutlich. „So eine Antwort in der zweiten Halbzeit zeugt von Klasse“, durfte Stefan Beinlich unwidersprochen sagen. Nach der 45-minütigen Offensiv-Demonstration der Bremer mit einem halben Dutzend Chancen drehten die Hamburger die Partie und glichen Werders Führung durch Johan Micouds Freistoß-Treffer (45.+1) durch den eingewechselten Mustafa Kucukovic (67.) aus.

„Vor ein paar Jahren wären wir hier sang- und klanglos untergegangen“, sagte Doll. Stattdessen „haben wir uns in der Pause an die großen Momente dieser Hinserie erinnert, auch an die Auswärtsspiele, die wir trotz Rückstands noch umgebogen haben“. In der Schlussphase waren gegen die merklich abbauenden Bremer mit etwas Glück sogar drei Punkte möglich. „Ein Sieg wäre allerdings des Guten zu viel gewesen“, meinte Beiersdorfer.

Bremen hat sich dagegen vorerst unfreiwillig aus dem Kampf um die Meisterschaft verabschiedet. Mit acht Punkten ist der Rückstand schon sehr groß.

„Es ist eine gewisse Enttäuschung da“, gab Manager Klaus Allofs zu und erklärte flugs seine Philosophie: „Die gibt es aber nur, wenn man das Gefühl hat, dass mehr drin ist.“ Beim Nord-Derby waren es vor allem die vergebenen Chancen der ersten Halbzeit, darunter ein von Micoud verschossener Foulelfmeter (39.), die schmerzten. „Wir spielen da brillant, aber holen letztlich nur einen Punkt“, meinte Allofs und erklärte in diesem Punkt die Bayern zum Vorbild: „Die machen auch drei Punkte, wenn sie mal nicht so toll spielen.“

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