Fußball Serie A
Mourinho in der Opera buffa

Italiens Fußballliga hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr in eine Komische Oper verwandelt. Inter Mailands neuer Trainer soll die Serie A nun nach Möglichkeit aus der Krise führen.

BERLIN. Noch ein Tag steht bis zum Anpfiff der italienische Serie A aus. Gleichwohl hat Trainer José Mourinho mit seinem neuen Verein Inter Mailand bereits das erste Pflichtspiel bestritten – und seinen ersten Titel auf dem Apennin gewonnen. Im Finale des italienischen Supercups besiegte Meister Inter am Montag Pokalsieger Roma (6:5 n. E.), was Mourinho zu schwelgerischem Lob veranlasste: „Alle sprechen abfällig vom italienischen Fußball und kritisieren, dass er nicht spektakulär genug ist. Heute haben wir die Kritiker mit vier schönen Toren widergelegt.“

Dabei verblüffte weniger der Inhalt der Aussage, zu der sich vor jedem Saisonstart irgendein Trainer oder Funktionär in Italien hinreißen lässt, sondern dass sie von Mourinho stammt. Als er 2004 beim FC Chelsea antrat, stellte er die Dinge gleich klar: „Ich möchte nicht arrogant erscheinen, aber ich habe die Champions League gewonnen. Ich bin etwas besonderes.“ An der Stamford Bridge wurde er den Beinamen „The Special One“ nie mehr los. Bei seiner Vorstellung als Nachfolger des geschassten Roberto Mancini, der zuvor mit Inter dreimal in Folge die Meisterschaft gewann, klangen plötzlich ganz andere Töne an: Er habe nie etwas besonderes sein wollen und bewundere die italienischen Fußballtaktiker, von denen er hoffe, viel zu lernen.

Sicher, es gibt auch noch die kleinen Spitzen. In Richtung von Andreij Schewtschenko, der unter Mourinho kaum zum Einsatz in der Premier League kam. „Er war ohnehin nicht meine erste Wahl.“ Oder zu Claudio Ranieri (70), Trainer bei Juventus Turin und Mourinhos Vorgänger bei Chelsea. „Er ist zu alt, um eine Siegermentalität zu entwickeln.“ Dennoch scheint sich Mourinho gerade neu erfinden zu wollen. Deshalb verwies er nach dem Triumph auf Mancini, dem er den Titel widmete. Und plötzlich wird der große Polarisierer des Fußballs gemocht.

Aber ist seine Einschätzung des „Calcio“ ernst zu nehmen? Eine gefühlte Ewigkeit trennt die fußballerische Gegenwart Italiens von den frühen Neunzigern, als Italiens kickende Stars zu Göttern verklärt wurden und die spielerische Klasse des „Calcio“ das Interesse ausländischer Fußballfans auf sich zog. Gleichwohl haben die Vereine der Serie A mit 390 Millionen Euro diese Saison so viel Geld in Neuverpflichtungen investiert, wie seit 2001 nicht mehr; gerade mal 18 Millionen Euro weniger als die englische Premier League und 120 Millionen mehr als die spanische Primera División. Und weil sich davon immerhin 110 Millionen Euro auf die Vereine Lazio, Neapel, Sampdoria Genua und Palermo verteilen, weckt dieses Faktum die Hoffnung, dass diese Saison ausgeglichener ausfallen könnte, als ihre Vorgänger.

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