Fußball-Skandal in Italien
Nationaltrainer Lippi wird befragt

Nationaltrainer Marcello Lippi wird verhört, Pavel Nedved droht mit Karriere-Ende - der Skandal um Juventus Turin zeiht immer weitere Kreise. Die "alte Dame" hofft in Italiens Fußball-Skandal auf einen Interims-Direktor.

HB ROM. Carlo Sant'Albano aus der Agnelli-Gruppe, zu der auch Juve gehört, soll den Rekordmeister in ein ruhigeres Fahrwasser führen und ein neues Management zusammenstellen.

In Rom wurde Lippi von der Staatsanwaltschaft befragt. Der Nationaltrainer, der Juve bis 2004 coachte, gehört allerdings nicht zu den Beschuldigten im Skandal um verschobene Erstliga-Spiele und illegale Wetten. Die Behörden wollen aber herausfinden, ob Lippi vom Hauptverdächtigen, dem früheren Juve-Manager Luciano Moggi, unter Druck gesetzt wurde, bestimmte Spieler in die "Squadra Azzurra" zu berufen.

Lippi hat bislang einen solchen Versuch der Einflussnahme bestritten. "Ich bin von Moggi nie unter Druck gesetzt worden", sagte er. "Ich habe bei den Untersuchungen nichts zu befürchten und habe auch noch nie an Rücktritt gedacht." Lippis Sohn Davide arbeitet für die Spielervermittlung GEA von Moggis Sohn Alessandro, dessen Wohnung in Neapel am Donnerstag von der Polizei durchsucht wurde.

Der Skandal belastet auch die Profis: Juve-Star Pavel Nedved erwägt sogar das Karriere-Ende, falls sein Club zwangsabsteigen müsste. "Es wird viel über einen Zwangsabstieg in die Serie B geredet. Ich muss abwarten, wie sich die Situation entwickelt", sagte der tschechische Nationalspieler der "Gazzetta dello Sport". "Nach der WM ist alles möglich. Ich werde bald 34 und weiß noch nicht, ob ich dann noch Lust habe, Fußball zu spielen."

Unterdessen will der Verein Sant'Albano als Interimsdirektor einsetzen. Der Generaldirektor von Ifil, der Holding der Agnelli- Gruppe, zu der auch der Turiner Club gehört, soll ein neues Management zusammenstellen. Die bisherige Führung, Manager Moggi und Geschäftsführer Antonio Giraudo, war im Zuge der Ermittlungen zurückgetreten.

Am Donnerstag durchsuchte die Polizei auch die Juventus-Zentrale und die Wohnungen der Spieler Fabio Cannavaro und Zlatan Ibrahimovic. Der italienische Fußballverband suspendierte neun Schiedsrichter sowie zwei Offizielle, die in der vergangenen Saison für die Schiedsrichteransetzungen zuständig waren.

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