Fußball Spanien
Real blamiert sich im Pokal bis auf die Knochen

Real Madrid hat sich in der spanischen Copa del Rey geradezu lächerlich gemacht. Der Rekordmeister ging im Hinspiel beim Drittligisten AD Alcorcon mit 0:4 (0:3) unter.
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Ganz Spanien lacht nach einer nahezu beispiellosen Pleite über die Galaktischen von Real Madrid. "Real erlebt die wohl schlimmste Schande der Geschichte. Alcorcon, Drittligist mit einem Etat von 1,2 Mill. Euro, überrennt Real", schrieb die Madrider Sporttageszeitung Marca nach dem 0:4 der teuersten Mannschaft aller Zeiten im Königspokal-Hinspiel beim Drittligisten Alcorcon. Und die Konkurrenz von Sport aus Barcelona titelte genüsslich: "Die Galaxie kracht in sich zusammen."

Es war in der Tat kaum zu glauben, was sich am Dienstagabend in dem zwölf Kilometer von Madrid entfernten Vorort abspielte. Real, das 252 Mill. Euro in neues Personal investiert hat, spielte zwar ohne die Stars Cristiano Ronaldo, Kaka oder Iker Casillas. In Neuzugang Karim Benzema sowie erfahrenen Profis wie dem ehemaligen Hamburger Rafael van der Vaart, Nationalspieler Christoph Metzelder, Guti, Ruud van Nistelrooy oder Raul hatte Real aber immer noch exquisites Personal auf dem Platz - und blamierte sich dennoch.

"Wir bitten die Fans um Entschuldigung. Aber es ist noch nicht vorbei", sagte Stürmerstar Raul. Metzelder bekam in mehreren Blättern die Note sechs und von Marca noch eine vernichtende Bewertung: "Ein Desaster über 90 Minuten. Er war einer der schlechtesten auf dem Platz." Zur Pause führte der Tabellenfünfte der Segunda Division B, Gruppe zwei, nach Treffern von Borja Perez und Ernesto Gomez sowie einem Eigentor von Alvaro Arbeloa mit 3:0. Mit seinem zweiten Treffer machte Perez in der zweiten Halbzeit die Sensation perfekt.

Nach einer schwarzen Woche mit dem 2:3 in der Champions League gegen den AC Mailand, dem 0:0 bei Sporting Gijon und nun der Blamage in Alcorcon steigt der Druck auf Coach Manuel Pellegrini. "Geh jetzt!", forderte Marca. Der Chilene denkt jedoch gar nicht daran. "Ich habe nicht darüber nachgedacht, ich denke nicht darüber nach - und werde auch nicht darüber nachdenken", sagte Pellegrini über den möglichen vorzeitigen Abschied, gab aber auch zu: "Es ist peinlich. Ich habe dafür keine Erklärung. Wer so verliert, hat keine Argumente mehr."

Valdano: "Lektion und Demütigung

Peinlich berührt war Reals Sportdirektor Jorge Valdano. "Ich weiß, wie sich die Anhänger von Real fühlen müssen. Wir haben eine Lektion und eine Demütigung hinnehmen müssen. Aber diese Niederlage muss auch als Startpunkt für einen Neuanfang dienen", sagte er: "Wir müssen zusammenstehen. Und da schließe ich auch den Trainer ein."

Pellegrini durfte wie kein Real-Trainer zuvor Geld ausgeben: 94 Mill. Euro für Ronaldo, 65 Mill. für Kaka, 35 Mill. für Benzema und 30 Mill. für Xabi Alonso. 1,2 Mill. Euro beträgt der Jahres-Etat Alcorcons, die Jahresgehälter der Spieler liegen zwischen 5 000 und 50 000 Euro - das von Ronaldo bei 12,5 Millionen. Aber Real hat ja noch die Chance auf ein "Wunder" im Rückspiel am 10. November.

Zu sicher sollte sich Pellegrini aber nicht fühlen: Schon im vergangenen Jahr blamierten sich die Königlichen im Königspokal, als sie am Drittligisten Real Union Irun scheiterten. Damals war Bernd Schuster Trainer - und wurde wenig später entlassen.

© SID

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