Fußball
Südafrika baut für die WM auf Memmingen

Deutsche Unternehmer planen und werkeln an den Stadien für die Fußball-WM 2010 kräftig mit. Ein Kraftakt für alle Beteiligten - doch die Arenen werden fertig, teilweise sogar früher als geplant. Als besondere Herausforderung stellt sich allerdings der Bau der Stadiondächer dar.

KAPSTADT. So früh wie in diesem Jahr ist der Winter an der Südspitze Afrikas schon lange nicht mehr eingebrochen. Fast horizontal peitscht der Nordwestwind den Regen über den Green Point Common, ein mit Sportplätzen gefülltes Grün zwischen Kapstadts Atlantikküste und der nahe gelegenen City. Dem nasskalten Biss des Windes merkt man deutlich seine antarktische Herkunft an. Immerhin hat das Extremwetter auch seine gute Seite: Einen besseren Härtetest hätten sich die Kapstädter für ihr neues WM-Stadion in Green Point kaum wünschen können.

Der Mann, der für die Montage seines hochmodernen Flachdachs verantwortlich ist, hat sein Büro gleich neben der Großbaustelle in einem schmucklosen Container: Seit 18 Monaten ist Christian Schlögl vom Memminger Familienunternehmen Pfeifer Seil- & Hebetechnik bereits im Land, um die Montage der komplizierten Dachstruktur zu überwachen. Hinter ihm stehen Regale voller Ordner, in denen der große logistische Aufwand akribisch festgehalten wird.

Pfeifer gehört weltweit zu den ganz wenigen Unternehmen mit der Expertise für derart komplexe Dachkonstruktionen aus Seilen und Kabeln. In Stuttgart, Hannover und Hamburg hat das Unternehmen bereits solche Stadiondächer montiert aber auch in Südkorea oder Nigeria. Als Vorreiter der Seiltechnik gilt jedoch nach wie vor das zu Beginn der Siebzigerjahre erbaute Münchner Olympiastadion. "Ringseile sind sehr wirtschaftlich, weil man nur wenig Material braucht" erklärt Schlögl. "Zudem können die Seile sehr hohe Lasten tragen."

In Kapstadt müssen die Seile das gesamte Dachgewicht halten - ein Stahlgerüst von 2600 Tonnen und die darauf geklemmten 10000 Glasscheiben mit einem Gewicht von 1500 Tonnen. Weitere 400 Tonnen Stahl wurden zusätzlich eingebaut, um dem vergleichsweise leichten Dach die notwendige Stabilität gegen den berüchtigten Südoster zu verleihen, der zu Sommerbeginn mit voller Wucht vom Tafelberg herabfällt. Durch die Extraladung sind die Gesamtkosten des Stadions inzwischen auf 400 Mio Euro gestiegen - der Preis liegt mehr als ein Drittel über dem ursprünglichen Voranschlag.

Dieser Südoster war es auch, der Stadiondesigner Robert Hormes vom deutschen Architektenbüro GMP und den Statikern von Schlaich Bergermann und Partner das größte Kopfzerbrechen bereitete. Schließlich steht das Stadion direkt am Rande des Windkanals vom Tafelberg, also an einer Stelle, wo viele Verwirbelungen auftreten. Schon deshalb kommt es beim Aufprall des Windes am 300 Meter langen Stadion zu unterschiedlichen Druck- und Sogwirkungen, die es auszugleichen gilt. Autofahrer kennen das Phänomen, wenn sie beim Überholen aus dem Windschatten eines Lastwagens treten.

Für Pfeifer selbst hat sich die WM am Kap lange vor ihrem Anpfiff gelohnt: Mit einem Auftragsvolumen von rund 42 Mio. Euro gehört das Kapstädter Dach zu den größten Projekten in der über 400-jährigen Firmengeschichte. In die gleiche Kategorie fällt nur noch das Stadiondach in Durban, das wegen seines mächtigen Bogens über der Arena in puncto Statik als schwierigstes unter den WM-Stadien gilt. Experten glauben sogar, dass sich seine Konstruktion an der Grenze des technisch Möglichen bewege.

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