Fußball
Treue Fans stärken Finanzkraft der Bundesliga

Zuschauereinnahmen sind laut einer neuen Studie der wichtisgte Wachstumstreiber für deutsche Fußballklubs. Neben den Fans müssen sich die Vereine, die im europäischen Vergleich wirtschaftlich gut dastehen, aber aus gutem Grund auch stärker um die Sponsoren kümmern als früher. Als problematisch könnte sich zudem erweisen, dass die Gehälter schneller als der Umsatz steigen.

DÜSSELDORF. Der Mainzer Dom bekommt Konkurrenz. Ein "modernes Wahrzeichen unserer Stadt" will Harald Strutz, Präsident des Fußball-Klubs FSV Mainz 05, in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt errichten. 33 500 Zuschauer soll die 60 Mio. Euro teure neue Arena fassen - die Pläne hat der Bundesliga-Aufsteiger gerade vorgestellt. Vier steile, freistehende Tribünen sind geplant - britischer Stil, heißt es beim Klub. Die Vorfreude ist kaum zu bremsen: "Unsere Fans werden das Stadion lieben", sagt Klub-Manager Christian Heidel.

Ob das Publikum in der neuen Spielstätte auch Erstliga-Fußball zu sehen bekommt, ist zwar nicht sicher. Ab Januar 2011 wollen die Mainzer dort spielen - also erst in der übernächsten Saison. Doch selbst wenn der FSV in der Zwischenzeit wieder absteigt - langfristig soll die Arena helfen, den Verein in der Spitze des deutschen Fußballs zu etablieren. "Wir bleiben durch die Vermarktungsmöglichkeiten wirtschaftlich konkurrenzfähig", sagt Heidel.

Ein Stadion für die Zukunft: Neben den Mainzern investiert derzeit eine Reihe von Erstliga-Klubs in ihre Arenen. In Bremen, Leverkusen, Stuttgart und Hamburg wird umgebaut, aufgestockt und modernisiert. Mehr Platz für Fans können die Vereine gut gebrauchen. "Ticketverkäufe haben sich zuletzt als eine Hauptquelle für das wirtschaftliche Wachstum erwiesen", sagt Stefan Ludwig, Sport-Business-Experte des Beratungsunternehmens Deloitte. Einen großen Sprung bei den Gesamterlösen hat die Bundesliga aber zuletzt verpasst, so das Ergebnis der Studie "Annual Review of Football Finance" zur Saison 2007/08, die Deloitte am Donnerstag vorgestellt hat.

Zwar konnten die 18 deutschen Erstligaklubs ihre Zuschauerzahlen in der vorletzten Saison auf im Schnitt fast 40 000 pro Spieltag steigern und die Spieltagserlöse - im Wesentlichen Ticket-Einnahmen - um neun Prozent erhöhen. Auch bei den Sponsoring-Einnahmen legten sie um 14 Prozent zu. Doch insgesamt stieg der Umsatz aller Bundesligisten nur um 60 Mio. Euro auf rund 1,4 Mrd. Euro. Im Vorjahr gab es dank eines starken Zuwachses von 155 Mio. Euro bei den Einnahmen aus der TV-Vermarktung noch ein Gesamtplus von 15 Prozent. Anders in der Saison 2007/08: Bei den Fernsehgeldern - neben den Bundesliga-Rechten geht es auch um den DFB-Pokal und internationale Turniere - mussten die Klubs einen Rückgang um vier Mio. Euro hinnehmen.

Bundesliga schlägt sich wirtschaftlich gut

In den anderen großen europäischen Ligen hingegen waren die Erlöse aus den TV-Verträgen mit einem Anstieg um 17 Prozent und damit 521 Mio. Euro in der Saison 2007/08 die Haupttreiber für das Wachstum. Vor allem trugen die neuen Verträge der englischen Premier League mit den Sendern Sky, Setanta und BBC sowie der Top-Klubs der italienischen Serie A (AC Milan, AS Rom, Inter Mailand und Juventus Turin) mit Media Set dazu bei. Die italienischen Vereine nutzen dabei den Vorteil, die Übertragungsrechte an ihren Spielen in Eigenregie verkaufen zu dürfen. In Deutschland dagegen wird zentral vermarktet.

Trotzdem schlägt sich die Bundesliga gut: Zusammen mit der spanischen Primera División belegt sie in Europa beim Gesamtumsatz Rang zwei. Deloitte-Experte Ludwig nennt das "absolut befriedigend". Insgesamt erreichte der europäische Fußballmarkt einen Rekordumsatz von 14,6 Mrd. Euro - mehr als die Hälfte davon entfällt auf die fünf größten Ligen in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich.

Die Premier League konnte ihren Spitzenplatz weiter ausbauen: Sie nahm 2007/08 rund 2,4 Mrd. Euro ein. Dieses Niveau wird die Bundesliga in absehbarer Zeit nicht erreichen können - auch weil der aktuelle TV-Vertrag bis 2013 gilt. Ein weiteres Wachstum ist deshalb vor allem in den Bereichen möglich, die in der Verantwortung der einzelnen Klubs liegen. "Wenn allerdings eine zweite deutsche Mannschaft die Gruppenphase der Champions League überstehen sollte, wären gleich 15 bis 20 Millionen Euro mehr auf der Habenseite", sagt Ludwig.

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