Fußball U21
U21 bei EM-Generalprobe unter Druck

Im letzten Test vor der EM spielt die deutsche U21 heute gegen Weißrussland. Es geht um Wiedergutmachung nach der Pleite von Ahlen und um die letzten freien Plätze im EM-Kader.

Kampf um die Plätze im EM-Kader, Kampf um Wiedergutmachung, Kampf gegen zweieinhalb Monate Frust bis zum EM-Start: Auch wenn es nur ein Testspiel ist, steht für die deutschen U21-Fußballer bei der EM-Generalprobe heute (19.00 Uhr/live im DSF) gegen Weißrussland einiges auf dem Spiel. In der möglicherweise ausverkauften Paderborner Arena will der von 14 Ausfällen geplagte Nachwuchs zeigen, dass die höchste Niederlage ihrer Geschichte am vergangenen Freitag gegen das B-Team der Niederlande (0:4) nur ein Ausrutscher war.

"Wir werden unsere Beurteilungen nicht nur von einem Spiel abhängig machen", sagt Trainer Horst Hrubesch: "Manchmal ist eine solche Niederlage heilsamer als tausend Worte. Nach Dienstag werden wir wissen, wo wir wirklich stehen. Ich erwarte aber eine Reaktion von der Mannschaft, denn es ist wichtig, mit einem positiven Erlebnis in die Pause zu gehen." Aufgrund des Saison-Endspurts ist vor der EM in Schweden (15. bis 29. Juni) kein weiteres Testspiel mehr möglich.

Hrubesch fordert Boxer-Mentalität

Nachdruck verlieh der Coach deshalb der von ihm und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer immer wieder gestellten Forderung nach Führungspersönlichkeiten. "Die fehlende Aggressivität war gegen Holland der entscheidende Punkt", meint Hrubesch: "Wenn man einem Boxer andauernd ins Gesicht schlägt, muss er sich auch mal wehren und darf sich nicht ergeben."

Nahezu alle Jung-Profis ergaben sich gegen die Niederlande jedoch wehrlos in ihr Schicksal. "Benedikt Höwedes übernimmt immer Verantwortung", sagt Hrubesch über seinen Kapitän und nimmt weitere Spieler ausdrücklich in die Pflicht: "Aber da müssen ihm auch mal andere wie Jerome Boateng oder Daniel Schwaab zur Seite springen."

Hrubesch: "Uns fehlen einfach die Variationsmöglichkeiten"

Besonders auf dem Prüfstand steht auch Alexander Baumjohann. Das von Borussia Mönchengladbach zu Bayern München wechselnde Offensiv-Talent enttäuschte beim Comeback im DFB-Junioren-Bereich und der Premiere in der U21 auf ganzer Linie. "Ich habe mit ihm gesprochen. Er wird spielen und er weiß, was er tun muss", sagte Hrubesch: "Ich bin sicher, dass wir am Dienstag einen ganz anderen Baumi sehen werden."

Auflaufen wird der 22-Jährige wieder auf der etwas ungewohnten Position als hängende Spitze. "Uns fehlen einfach die Variationsmöglichkeiten", sagt der Coach. "Deshalb wollten wir bei diesem Termin bei einigen noch mal ganz genau hinschauen, ob es reicht für eine EM-Teilnahme", meint Hrubesch, verspricht aber, dass sich bei der peinlichen Darbietung gegen die Holländer niemand endgültig aus dem Kader gespielt hat.

Im Gegenteil: Obwohl dem etatmäßigen Ersatztorhüter Florian Fromlowitz schon im Vorfeld eine Bewährungschance und dem Dortmunder Marcel Schmelzer - wohl als Einwechselspieler - sein Debüt versprochen wurden, werden die "Versager von Ahlen" größtenteils selbst die Scharte auswetzen dürfen - und müssen, wie nicht nur Höwedes weiß: "Ich hoffe, dass wir eine Trotzreaktion zeigen werden. Alles andere wäre in meinen Augen charakterlos."

© SID

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