Fußball U21
U21 träumt beim Mittsommermärchen vom Finaleinzug

Noch nie hat eine deutsche U21 gegen Italien verloren. Mit einem Sieg gegen den Nachwuchs des Weltmeisters im EM-Halbfinale in Schweden soll die Bilanz heute fortgeführt werden.

Mit einem vom Wechseltheater erlösten Marko Marin, der Statistik im Rücken und dem Trainer als neuen Liebling des Boulevard wollen die deutschen U21-Fußballer ihr Mittsommermärchen zu Ende schreiben. Trotz schwacher Leistungen in der Vorrunde regiert vor dem Halbfinale gegen Rekord-Titelträger Italien heute in Helsingborg (20.45 Uhr/live im ZDF) das Selbstbewusstsein im Lager des DFB-Teams. "Wenn wir alles rausholen können, werden wir uns den Traum vom Finale erfüllen", sagt Trainer Horst Hrubesch.

Die Stimmung ist uneingeschränkt positiv, sogar das spielerisch bisher enttäuschende Auftreten dient vor dem ersten EM-Halbfinale seit 27 Jahren als Mutmacher. "Wir haben von allen Halbfinalisten das größte Steigerungspotenzial", meint der Coach, der kein Elfmeterschießen trainieren lässt: "Ich gehe davon aus, dass das Spiel in 90 Minuten entschieden wird. Und wenn nicht, haben wir genug Spieler, die sichere Schützen sind."

Der Coach, der noch an der Aufstellung feilt, sein System aber auf keinen Fall ändern will, wurde von der Bild-Zeitung schon als "Euro-Horst" gehuldigt. Schließlich war er als Spieler 1980 schon Europameister, gewann mit dem HSV 1983 den Europapokal der Landesmeister und erlöste mit dem EM-Titel mit der U19 im Vorjahr den DFB nach einer 16-jährigen Durststrecke ohne Turniersieg im Nachwuchsbereich.

"Die Italiener liegen uns"

Und wenn der 58-Jährige vor dem Halbfinale gegen den Nachwuchs des Weltmeisters behauptet, "dass die Italiener uns liegen", dann ist das mit Zahlen durchaus belegbar. In fünf U21-Spielen verlor die DFB-Auswahl nie, beim Hrubesch-Debüt im November 2008 gewann der aktuelle Jahrgang einen Test mit 1:0 und auch bei der U19 und der U17 führte der Weg zum Titel über Endspiel- oder Halbfinalsieg über die Italiener.

Sollte Hrubesch sein Team zum EM-Titel führen, würde jeder Spieler 12 000 Euro erhalten. Der DFB teilte mit, dass diese Vereinbarung bereits vor Turnierbeginn von DFB-Präsident Theo Zwanziger, Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff in enger Abstimmung mit dem Mannschaftsrat der U21 getroffen worden sei. Für den Einzug ins Halbfinale kassiert jeder Spieler bereits 8 000 Euro.

Dort könnte die bisher sichere Defensive durch die Rückkehr des seit dem ersten Spiel verletzten Sebastian Boenisch am Freitag zudem noch mehr Halt bekommen. Im Sturm werden die Mittelfeldspieler Mesut Özil und Ashkan Dejagah weiter das Vertrauen erhalten. Doch im Mittelfeld ist nahezu jede Position offen. Außer der von Marin.

Bangen um Khedira

Der künftige Bremer, der im letzten Gruppenspiel gegen England 68 Minuten auf der Bank schmoren musste, überzeugte bereits nach seiner Einwechslung und wirkte nach der erfolgten Ablöse-Einigung seines Ex-Klubs Borussia Mönchengladbach mit Bremen auch im Training befreit. Bangen muss Hrubesch aber um Kapitän Sami Khedira (Bluterguss im rechten Knie). "Wir entscheiden das am Freitagmorgen nach dem Training", sagte Hrubesch.

Sollte der Stuttgarter spielen können, rangeln Dennis Aogo, Gonzalo Castro, der gegen England schwache Patrick Ebert und der im Training plötzlich im A-Team spielende Zweitliga-Profi Fabian Johnson (1 860 München) um die zwei Plätze neben ihm und Marin. Sollte Khedira ausfallen, wird Castro wohl neben Aogo in die Zentrale rücken und Johnson von Castro die rechte Seite übernehmen.

Ändern muss sich aber vor allem das Auftreten der deutschen Mannschaft. "Die Jungs müssen jetzt Taten folgen lassen und in die Spur finden", fordert Hrubesch. Dejagah verspricht aber: "Wir haben unsere Fehler eingesehen. Jetzt haben alle kapiert, dass man immer zu 100 Prozent mit dem Kopf dabei sein muss."

Und Castro glaubt, dass das Team nun befreit aufspielen kann. "Wir haben mit dem Halbfinal-Einzug das Mindestziel erreicht. Darauf sind wir stolz und da fällt einiges an Druck ab", meint der Leverkusener: "Außerdem ist es vielleicht besser für uns, dass man uns nicht in der Favoritenrolle sieht."

© SID

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