Fußball Uefa-Cup
Hochspannung vor drittem Nord-Derby

Nach dem Aus im DFB-Pokal und dem wohl verlorenen Kampf um die Meisterschale geht der Hamburger SV mit besonderem Druck ins Halbfinal-Rückspiel des Uefa-Cups gegen Werder Bremen.

Die Anspannung ist förmlich mit den Händen zu greifen - die vierteilige Derby-Serie zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen steuert heute (20.45 Uhr/live bei Sat.1 und Premiere) ihrem absoluten Höhepunkt zu. Im Rückspiel des Uefa-Cup-Halbfinals geht es um den Vorstoß in das Endspiel am 20. Mai in Istanbul gegen Schachtjor Donezk oder Dynamo Kiew (beide Ukraine). Es geht aber auch darum, ob sich Werder als absoluter HSV-Albtraum erweist. Schon das Halbfinale im DFB-Pokal vor 15 Tagen konnten die Bremer nach Elfmeterschießen in der HSV-Arena für sich entscheiden.

So geht die Angst in Hamburg um, tatsächlich alles verlieren zu können. Vor der Serie gegen Werder, die am Sonntag mit der Bundesligapartie in Bremen beschlossen wird, mischte der HSV noch um drei Titel mit, der Pokal und realistischerweise auch die Meisterschaft sind inzwischen verloren. Nur der Uefa-Cup bleibt jetzt noch.

Der 1:0-Erfolg im Hinspiel vor einer Woche hat den Gastgebern zwar einen Vorteil beschert, aber der Respekt vor Werder ist gigantisch. "Unsere Chancen stehen immer noch bei 50:50", sagte HSV-Trainer Martin Jol, "man weiß, dass Werder eine international erfahrene Mannschaft hat, wir müssen bis zu letzten Sekunde wach sein."

Wiese zeigt sich siegessicher

Zu oft in der jüngeren Vergangenheit konnten die Grün-Weißen wichtige Spiele beim HSV gewinnen. "Wir haben dort immer das bessere Ende für uns gehabt", tönte bereits Werder-Schlussmann Tim Wiese, "das wird auch diesmal so sein." Stürmer Claudio Pizarro kündigte an: "Es ist ein Vorteil für mich, dass wir jetzt zum dritten Mal in so kurzer Zeit gegeneinander spielen. Ich kenne die HSV-Verteidiger jetzt. Ich bin optimistisch, dass ich treffe und wir erfolgreich sein werden."

Die Bremer haben mit dem Erreichen des Pokal-Endspiels in Berlin (30. Mai) gegen Bayer Leverkusen bereits ein großes Ziel erreicht. Schon deshalb haben sie etwas weniger Druck als der große Nordrivale, der mit dem Uefa-Cup seine Titelsammlung komplettieren könnte. Allein diesen Pokal konnten die Hamburger in ihrer Vereinsgeschichte noch nie gewinnen. "Wir wollen uns das Glück zurückholen", sagte Mittelfeldspieler Marcell Jansen, "die Mannschaft hat die ganze Saison gut gearbeitet und soll sich jetzt dafür belohnen."

Seit dem Triumph im Europapokal der Landesmeister 1983 standen sie nicht mehr in einem europäischen Endspiel, Werder gewann 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Der DFB-Pokalsieg 1987 war der bislang letzte Titelgewinn überhaupt für den HSV, Bremen hat seitdem drei Meisterschaften, vier Pokalsiege und eben den Europacup gewonnen. "Mich interessiert nur, dass wir nach Istanbul kommen und uns in der Bundesliga wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren", sagt HSV-Chef Bernd Hoffmann, "aber ich habe volles Vertrauen in die Mannschaft."

Schaaf wehrt sich gegen Vorwürfe

Bei den Bremern kehren gegenüber dem letzten Bundesligaspiel in Köln der gesperrte Torsten Frings und die angeschlagenen Diego (Rücken), Mesut Özil (Knie) und wahrscheinlich auch Hugo Almeida (Ferse) zurück. Werder-Coach Thomas Schaaf hat sich massiv und überraschend dünnhäutig gegen Vorwürfe verwahrt, er habe seine Stars in Köln für das HSV-Spiel geschont: "Uns wird permanent etwas unterstellt, was einfach nicht wahr ist."

Doch die Aufregung an der Weser um Diego und Özil ist groß. Die beiden offiziell Verletzten wurden am Sonntag bei einem Hobby-Kick gesehen. Özil verstieg sich sogar dazu, seine Teilnahme an dem Event zu leugnen. So oder so ist sich Jol sicher: "Werder wird garantiert mit seinen besten Spielern kommen."

Beim HSV ist immerhin Mladen Petric wieder dabei. Der kroatische Torjäger wird mit einem speziellen Schienbeinschoner aus Karbon auflaufen und den gesperrten Paolo Guerrero ersetzen. Erst am Mittwoch wurden die Fäden an seiner Fleischwunde gezogen, die er einem Zusammenprall mit Naldo aus dem Pokalspiel verdankt. Im Training am Mittwoch prallte er zwar noch mit Torwart Frank Rost zusammen und musste kurz unterbrechen, anschließend gab er aber Entwarnung: "Ich kann spielen."

© SID

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